Von O bis O lautet die Faustregel für das Wechseln von Sommer- auf Winterreifen. Das heißt: Zwischen Oktober und Ostern sollten Winterreifen am Auto montiert sein. Stimmt diese Regel eigentlich?

Fakt ist: Die meisten Menschen wechseln ihre Reifen ab Anfang Oktober, sagt der Filialleiter von Reifen Müller in Lichtenfels, Frank Hoffmann: "Wir sind seit Anfang Oktober bis Mitte November komplett ausgebucht."

Befolgen muss man das trotzdem nicht. Denn in der Straßenverkehrsordnung steht kein Datum, zu dem man eine bestimmte Reifensorte aufgezogen haben muss. Nicht die Zeit, sondern die Witterung ist ursächlich für die Reifenwahl.

Bei "Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte müssen Winterreifen am Auto befestigt sein", erklärt der Sachbearbeiter für Verkehr von der Polizeiinspektion Lichtenfels, Michael Lange.

"Wenn es schon im September schneien würde, müsste man schon zu dieser Zeit auf Winterreifen fahren", erklärt Lange. Man müsse sein Fahrzeug so ausrüsten, dass man sicher auf den Straßen fahren kann.

Dieses Jahr zeigt quasi das Gegenteil: Temperaturen von bis zu 18 Grad im November. Und dennoch haben die meisten Fahrer schon auf Winterreifen gewechselt, meint Reifenspezialist Hoffmann.

Die warmen Temperaturen schaden einem Winterreifen aber nicht: "Diese Wärme schaffen die Reifen locker", sagt Hoffmann. Bis Mitte November ist er mit seinem Team noch mit etlichen Radwechseln beschäftigt.

"Rund 20 Minuten brauchen wir für den Wechsel", sagt Hoffmann. Er schätzt, dass ein Laie rund 45 Minuten dafür benötige. "Aber die wenigsten machen das mittlerweile noch selbst", sagt Hoffmann.

Autofahrer informieren sich

Die vielen Sensoren moderner Autos seien dafür ursächlich. "Da werden die Reifenwechsel komplizierter. Viele Kunden wissen auch nicht, wie sie die Reifendrucksensoren wieder neu einstellen müssen", erläutert Hoffmann.

Dafür wissen Autobesitzer schon im Voraus, welche Reifen sie wollen. "Sie sind sehr gut informiert mittels Zeitschriften und dem Internet", sagt der Reifenspezialist. Er rät den Menschen aber zur Vorsicht, da es sich bei einigen Testberichten "auch oft um Werbung handelt", sagt der Experte.

Welche Strafen drohen?

Wer noch auf Sommerreifen fährt, hat bei der aktuellen Witterung wenig zu befürchten. Doch sobald es glatt wird oder Schnee fällt, können Sommerreifen doppelt teuer werden.

"Bei einer reinen Verkehrskontrolle kostet es 60 Euro und es gibt einen Punkt", erklärt der Polizist Lange. Baut man einen Unfall bei winterlicher Witterung und hat noch Sommerreifen auf dem Auto, "dann zahlt man 120 Euro und bekommt einen Punkt", ergänzt Lange.

Dazu kommen noch Strafen wegen Behindern oder Gefährden. "Das betrifft meistens Lkw-Fahrer, die liegen bleiben, weil die Fahrbahn zu glatt ist", sagt der Polizist.

Einen Rat gibt Lange den Autofahrern noch für den Winter mit: "Früher losfahren!" Wenn Schnee gemeldet ist, sollten sich die Leute den Wecker eine viertel Stunde früher stellen. So hätten sie mehr Zeit, um auf die Arbeit zu gelangen. Denn nicht angepasste Geschwindigkeit sei noch immer die häufigste Unfallursache im Winter.