Also das Thema saß. Etwas Erwartungsvolles schien am Donnerstagabend beim Betreten der Alten Darre in der Luft zu liegen. "Das Kloster Banz und seine gelehrten Mönche in der Aufklärungszeit", so das Thema. Ein Thema, das laut Hermann Hacker "längst überfällig" ist. Die KIS lud zum Geschichtsvortrag und nahezu alle Plätze waren voll.

Die Aufklärungszeit ist "bei uns kaum behandelt worden", führte Erster Vorsitzender der KIS (Kultur Initiative Staffelstein), Hermann Hacker, dem Vortrag von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold vorschaltend ein. Die nächsten 80 Minuten sollten dann Dippold gehören, der den Zuhörer an die Hand eines Generalstabsoffiziers gab, ihm 1802 nach Kloster Banz zu folgen. Auch dorthin wurde der Mann vom berühmten Montgelas geschickt, auszukundschaften, wie so am Vorabend von Säkularisation und Gebietsreformen die Stimmung im bald bayerischen Lande sei. Nach und nach entfaltete Dippold das Bild eines Horts von Wissen und im angenehmen Sinne kuriosen Typen.

Zu tun bekam es Ribaupierre (1755-1809), so der bayerische Soldat mit französischen Wurzeln, von Anfang an mit dem Gegenteil von Weltfremdheit. Schon der ihn begrüßende Abt habe "gewusst, was die Stunde geschlagen" hatte und habe versucht, den Bestand des Klosters dadurch zu sichern, eine "Paradevorstellung zeitgemäßer Gelehrsamkeit" zu bieten. Dabei lag die Betonung auf das Zeitgemäße, also das Wissen um die Dinge, die in der Welt vor sich gingen.


"Vater der Bibliothek"

Dippold bot Einblicke in eine Art beneditkinischer Personalpolitik, die darauf bedacht war, geistig begabte Männer für den Orden und Banz zu gewinnen. 23 Mönche und fünf Novizen dürfte Ribaupierre bei seiner Visite vorgefunden haben, aber die lebten bildungstechnisch nicht im luftleeren Raum, sondern eingebunden in eine Bildungstradition. Da wäre beispielsweise ein Gregor Stumm, der 37 Jahre lang dem Konvent vorstand und den Beinamen "Vater der Bibliothek und Erneuerer der Wissenschaften" erhielt. Auch Dippold bescheinigte dem Mann des 18. Jahrhunderts die "Pflege und Förderung des geistigen Lebens" vor allem auf dem Gebiet historischer Studien. Auch legte der Abt eine Münzsammlung als Anschauungsmaterial an. Die Klosterbibliothek wuchs unter seiner Führung auf beeindruckende 15 000 Bände an. Eine Bibliothek, auf die auch Gelehrte der Umgebung Zugang gehabt hätten. Selbst auf einen einheitlichen Bildungsstand unter den Mönchen sei geachtet worden, so hatte jeder Mönch einen zweijährigen Kurs in der Mutter der Wissenschaften zu absolvieren - der Philosophie. Selbst gelehrte Zeitungen aus Deutschland oder Italien seien gehalten worden, so Dippold.


Kant wurde nicht verteufelt

Nachvollziehbar und klar belegte oder deutete Dippold Geschichte und Atmosphäre auf Kloster Banz aus. Irgendwann konnte er sich auch einen Parforceritt durch Namen und Leistungen erlauben, die staunen ließen. Urkundenlehre, mathematische Kompetenzen oder Rechtswissenschaften waren im Kloster vertreten, auch Tausendsassas mit Gaben für Mathematik, Naturwissenschaften und das Zeichnen. Und auch Immanuel Kant wurde nicht verteufelt, sondern gelesen. So sprach Dippold denn auch von einer Banzer Vermittlerrolle. "Es (das Kloster) nahm die Ideen der Aufklärung auf und wollte sie für die katholische Welt anwenden", so ein Schluss von ihm. Auch sprachlich bediente sich Dippold solcher Begriffe, wie sie im 18. Jahrhundert einen Übertrag ermöglicht hätten. Den "Transmissionsriemen" dürfte man in Kloster Banz bei der Ankunft Ribaupierres gekannt haben. Seit 1983, so Dippold im Gespräch mit unserer Zeitung, liege ihm das Thema immer wieder am Herzen und stelle er sich ihm. Doch auf Banz selbst, so der Bezirksheimatpfleger, seien Quellen dazu "gar nicht mehr präsent".