Wenn alles nach Plan läuft, ziehen Ärzte, Mitarbeiter und Patienten in vier Jahren in ein neues Krankenhaus. Der Plan sieht auch vor, dass dafür 114 Millionen Euro ausgegeben werden. Der Betreiber der Klinik ist die Helmut-G.-Walther GmbH (HGW). Sie gehört zu 100 Prozent der Regiomed. Daran ist der Landkreis Lichtenfels mit einem Viertel beteiligt. Ihm gehört das Grundstück und Gebäude des jetzigen Klinikums - und so wird es auch bei dem Neubau sein.

Förderquote von 97,5 Prozent
Nur der Betreiber darf allerdings Fördergelder beantragen. Darin war die HGW äußerst erfolgreich: 76 Millionen Euro fließen von München nach Lichtenfels. Die Förderquote beträgt 97,5 Prozent der förderfähigen Kosten. Das klingt fantastisch, und doch bleibt die Frage, warum dann der Landkreis 37 Millionen Euro selbst zahlen muss.
Der Geschäftsführer der HGW, Michael Jung, erklärt das Geflecht der Fördergrundsätze: "Wir bekommen nicht gefördert, was als patientenfern gilt." Ein Beispiel: Die neue Krankenhausküche ist geplant wie die bisherige. Hier soll noch vor Ort gekocht werden. "Wir wollen, dass bei uns gekocht wird, unmittelbar serviert werden kann und wir nicht nur Tiefkühlkost aufwärmen", sagt Jung. Da nicht nur Patienten Essen bekommen, sondern auch Mitarbeiter, und auch Essen außer Haus an Schulen ausgegeben werden, gilt die Küche als patientenfern. Auch wenn die Posten nicht scharf voneinander abgegrenzt werden können, rechnet Jung allein für die Küche mit rund sechs Millionen, die selbst finanziert werden müssen.

"Selbst" bedeutet: Der Landkreis als späterer Eigentümer des Gebäudes nimmt Kredite auf, und der Betreiber, die HGW, bezahlt rund die Hälfte der Zinsen und der Tilgungen. "Die Küche zum Beispiel finanziert sich so selbst, schließlich haben wir auch Einnahmen", sagt Jung. Ähnlich sieht es mit Flächen aus, die für Caféteria, Friseur oder einen kleinen Laden vorgesehen sind. Auch sie gelten als patientenfern, werden also nicht gefördert.
Trotz Schneegestöber geht der Bau draußen bereits voran - zuerst entsteht das neue Parkhaus. "Jeder will doch hier parken: Mitarbeiter wie Besucher, klar, dass auch das patientenfern und selbst zu zahlen ist."
Das erklärt noch keine 37 Millionen, aber einen Teil. Das Geflecht der Förderung wird enger, je tiefer man vordringt. Der Anteil der Behandlungen, die ambulant sind, wird auf den Bau prozentual umgerechnet - und für die Förderung einfach gestrichen.

Ambulante OPs zählen nicht
"Die Notaufnahme zum Beispiel wird noch gefördert - da wissen Sie ja noch nicht, ob Sie gleich wieder heim dürfen, oder bleiben müssen", erklärt Jung. Aber alle ambulanten Operationen wie etwa ein Leistenbruch, bei dem der Patient morgens kommt, operiert wird und nach ein paar Stunden wieder nach Hause darf, zählen nicht. "Bei unseren fünf Operationssälen ist auf diese Art einer dabei, den wir selbst finanzieren müssen", sagt Jung.
Der dritte große Bereich, der von Klinikum und Landkreis selbst bezahlt werden muss, sind Kosten, die durch Umplanungen entstehen. Wenn direkt neben ein bestehendes Krankenhaus im laufenden Betrieb ein neues gebaut wird, können die Flächen und Zeitfenster schon mal eng werden.
Alternative Parkplätze, die nur für die Bauzeit angelegt, Straßen und Wege, die möglicherweise innerhalb der vier Jahre auch mehrmals verlegt werden müssen, kosten Geld. Auch das ist ein Eigenanteil.

Einzelzimmer für Intensivstation
Die Hülle des Gebäudes ist zwar fest geplant, im Inneren gibt es allerdings immer wieder Umplanungen. Zum Beispiel, weil das Ministerium in München bei Michael Jung anruft und sich Einzelzimmer für die Intensivstation wünscht. "Wir hätten zwei Patienten in einem Raum besser gefunden, weil die Schwester dann schneller von einem beim anderen ist", sagt Jung. Doch der Wunsch aus München wird erfüllt. Die Umplanungen sind von der Förderung ausgeschlossen.

Wände der Realität angepasst
Oder bei der Einrichtung eines Raumes stellt sich heraus, dass die vorgegebene Größe des Untersuchungsraums nicht ausreicht. Also werden auf den Plänen Wände verschoben und der Realität angepasst. Mit dem Aufwand des Änderns bleibt Jung allein.
Immerhin bei den Betten scheint es bei dem Plan auch zu bleiben: 276 Betten wünscht sich das Ministerium, 276 werden gefördert - und auch gebaut. Ganz nach Plan, mit 24 Quadratmetern Grundfläche für ein Patientenzimmer.

Falls Sie einen Blick auf den aktuellen Baufortschritt am Klinikum werfen wollen, finden Sie hier ein Live-Bild von der Überwachungskamera der Baustelle vom Klinikum Lichtenfels.