Kunstwerke, Gemälde, Kerzenständer - Kirchen, Rathäuser und andere öffentlich zugängliche Gebäude sind vielerorts mit Dingen ausgestattet, die nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch wertvoll sind. Darin mag manch einer die Gelegenheit sehen, die Diebe macht - so geschehen in einem Pfarramt in Bamberg. Dort hing ein Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert im Treppenhaus, ein Bildnis von Maria mit dem Jesuskind. Ende Januar wurde es gestohlen - und nicht etwa bei einem Einbruch. Die Diebe hatten das Bild einfach abgehängt und mitgenommen, während ein Basar für Flüchtlinge veranstaltet wurde. Das Gemälde im Wert von 2500 Euro wurden einfach zur Tür hinausgetragen. Könnte so etwas auch im Kreis Lichtenfels passieren?

Opferstöcke aufgebrochen

"Die Gefahr eines Diebstahls besteht theoretisch natürlich immer", sagt Michael Schüpferling, katholischer Dekan des Dekanats Lichtenfels. "Allerdings gäbe es bei uns im Pfarramt in Marktgraitz zum Beispiel keine großen Schätze zu holen." Dass es im Dekanatsbezirk jemals einen solchen Diebstahl wie in Bamberg gegeben hätte, daran könne er sich nicht erinnern. Einbrüche habe es schon gegeben, etwa in der Sakristei in Schwürbitz. Auch komme es immer wieder einmal vor, dass Opferstöcke in Kirchen aufgebrochen werden. "Aber da ist der Sachschaden viel größer als der Wert dessen, was gestohlen wird", so Schüpferling. "Viele Opferstöcke werden täglich geleert, da sind dann vielleicht mal zehn oder 20 Euro drin."
Ähnliches kann Johannes Grünwald, Dekan im evangelischen Dekanatsbezirk Miche lau, berichten. "Einbrüche in Pfarrämter oder Kindergärten, bei denen kleinere Bargeldbeträge gestohlen wurden, gab es schon." Kunstgegenstände habe aber seines Wissens nach noch niemand mitgehen lassen. "Aber der Fall in Bamberg hat uns schon aufhorchen lassen, hat uns aufgeschreckt." Trotzdem sollen die evangelischen Kirchen weiter tagsüber geöffnet bleiben. "Die ganz großen Kunstschätze haben wir sowieso nicht. Und da die Kirchen in der Nähe der Pfarrämter liegen, sind sie ja in gewisser Weise unter Aufsicht." Eigens für die Aufsicht in Kirchen abgestelltes Personal könne man sich nicht leisten.

Figuren werden festschraubt

"Wie Wertgegenstände in einer Kirche geschützt werden, muss jede Gemeinde selbst regeln", erklärt Dekan Schüpferling. "In unseren Kirchen werden viele Figuren zum Beispiel festgeschraubt, Bilder so hoch aufgehängt, dass man nicht rankommt." Die Banzer Klosterkirche wird durch eine relativ radikale Lösung geschützt: Außerhalb von Gottesdiensten oder Führungen ist der Kirchenraum durch ein Gitter gesichert, so dass man nur vom Eingangsbereich aus hineinsehen kann. In Vierzehnheiligen gibt es Aufseher, die Fragen der Besucher beantworten, für Ordnung sorgen und ein Auge auf die Kunstgegenstände haben. Zum Teil gibt es in der Basilika auch Video überwachung. "Aber das kann sich natürlich nicht jede Gemeinde leisten", so Schüpferling. Die besten Wächter in kleineren Kirchen seien Dorfbewohner, die ab und zu in die Kirche kommen, zum Gebet oder für einen Moment der Ruhe. "Und wir vertrauen einfach auch ein Stück weit auf die Ehrlichkeit der Menschen."

Keine Bedenken bei Rathäusern

Sorgen, dass etwas gestohlen werden könnte, macht man sich im Staffelsteiner Rathaus nicht. "Wir haben keine wertvollen Gegenstände im Zugangs breich", sagt Geschäftsleiter Wolfgang Hörath. "In den Gängen hängen Luftaufnahmen aus der Umgebung, aber keine Gemälde oder ähnliches. Das Haus an sich sei natürlich wertvoll - "aber wohl doch etwas zu groß zum wegtragen." Auch im Lichtenfelser Rathaus gibt es keine Bedenken - obwohl in den Gängen durchaus wertvolle historische Gemälde hängen. "Wir machen uns keine Sorgen", sagt Geschäftsleiter Manfred Diller. "Bisher ist etwas Derartiges noch nicht vorgekommen." Lediglich auf die Kerzen am Adventskranz im Foyer hatte es ein Langfinger einmal abgesehen. "Da sind mehrmals Kerzen verschwunden", erzählt Diller.
Das Bild aus dem Bamberger Pfarramt ist übrigens wieder aufgetaucht. Dank einiger Zeugenhinweise konnte die Polizei den Täter aufspüren. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurde das Gemälde sichergestellt.