"An der Abendkasse geht gar nix mehr", sagt eine Frau in der langen Schlange, die zur Theke führt. Im Saal sah es auch nach Vollbesetzung aus. So ist das nun regelmäßig bei Kultur im Brauerei-Saal. Am Samstag sorgten dafür zwei Radiostimmen, die auch live und von Angesicht zu Angesicht unterhaltsam sein können. "Wir müssen reden!", so das Programm von Matthias Matuschik und Susanne Rohrer. Vergnüglich bis dorthinaus.

Was ist das Geheimnis des Duos? Es redet über allerlei, das tut es wie so viele andere Comedians auch - also was? Es liegt eine gewisse Annehmlichkeit bei den beiden Radiomoderatoren, vielleicht auch darum, weil man ihnen zugute hält, dass ihr Tun auf der Bühne nicht ihre alles umfassende Hauptbeschäftigung ist und sie dabei trotzdem gut sind. Unbeleckt von Fragen rund um Dramaturgie ist das Duo nicht, immerhin hat Rohrer unter anderem Theaterwissenschaft studiert. Zudem hat man es mit Stimmen zu tun, deren Gesichter man auch endlich mal sehen möchte.

Nähe zum Publikum

Aber das ist es auch nicht. Matuschik und Rohrer sind einfach nicht plump, auch dann nicht, wenn sie Themen reiten, die auch von anderen schon derzeit geritten werden. 120 Besucher erlebten einen wirklich vergnüglichen Abend und der begann schon damit, dass Susanne Rohrer beim Betreten der Bühne Nähe zum Publikum zu schaffen verstand. Irgendwas war mit ihrer Verkabelung fürs Head-Set nicht in Ordnung und so ließ sie einen Mann in der vorderen Publikumsreihe den Fehler aufstöbernd an sich rumnästeln.

Dann ging es nett weiter, erst einmal höflich den Umgang mit dem Publikum absteckend: "Dürfen wir Sie euchzen?", so Matuschik das Du anbietend. Dann aber gingen der gebürtige Oberpfälzer und die Münchenerin, die beim BR-Hörfunk Kollegen sind, aufeinander los. Dabei hatte Rohrer das Publikum bezüglich des Äußeren von Matuschiks schon vorgewarnt. Noch bevor der zu ihr auf die Bühne stieß, gab sie den Menschen im Saal den Hinweis: "Wenn Sie ihn jetzt gleich sehen, wäre es schön, wenn Sie sich nichts anmerken ließen."

Rohrer konnte austeilen und kanzelte manche Leistungen ihres Kollegen mit "Na ja, das ist ja kein großes Ding" ab. Der nahm das natürlich unter der Gürtellinie persönlich und es begann ein Kokettieren um Dinge, die andere Comedians zotig behandeln. Mit dem Phänomen der Political Correctness setzte sich das Duo auch auseinander - absolut mit unverbrauchtem Witz. Künftig drohende Satzkonstrukte wie "Sind gleichgeschlechtlich orientierte XY-Chromosomierte im Saal?" verhandelten den Begriff "schwul" und Zigeuner könnten künftig als "Karawanenreisende nicht niederländischer Herkunft" bezeichnet werden.

Dass man heutzutage und vielleicht besonders in einem Medienberuf "mit einem Bein im rechten Lager" stehen kann, dafür brachte das Duo köstliche Beispiele. Hysterie könnte dazu führen, dass man im Radio nicht mehr die Hits von Blondie spielen dürfe beispielsweise, weil so doch Hitlers Schäferhund hieß. Und wie mit einer Band wie Polarkreis 18 umgehen, wo die 1 und die 8 doch für die Buchstaben A und H stehen - könnten. "Darum wurde ja auch die Langspielplatte abgeschafft - die konnte nur mit 33 (Umdrehungen) und 45 abgespielt werden", so Rohrer launig.

Doch immer sicher sein, bei den Lachern auf der richtigen Seite zu stehen, durfte man sich als Zuschauer nicht. Klar, man kann die Kirche kritisieren, aber dann sollte man auch konsequenterweise auf die von ihr errungenen Feiertage verzichten. Davon gibt es in Coburg einen weniger als im Katholischen am Obermain. "Ihr fallt mit der Master-Card beim protestantischen Nachbarn in Coburg ein", so der Rat Matuschiks, ganz auf Lokalkolorit setzend. Denn: "Ein Tag nix zu kaufen", das dürfe nicht sein.

Frei von Unbeholfenheit

Einmal mehr zeigte sich die auch durch Tanja Dorweg auf den Weg gebrachte Kultur im Brauerei-Saal als Erfolg mit zwei Künstlern, die auch dann, wenn sie mal nur blödelten, frei von Unbeholfenheit blieben. Es sind halt letztlich doch Profis, zugängliche noch dazu, die sich nach dem Auftritt auch noch locker mit Gästen unterhielten.