Sorin Radu geht alles zu langsam. Eine Gruppe von vier jungen Frauen müht sich vor ihm ab. Mit schmerzverzerrten Gesichtern versuchen sie, die Hände auf Fußbällen abgestützt, Liegestütze zu machen. Binnen weniger Sekunden bilden sich Schweißtropfen, die von den Nasenspitzen der Frauen auf den Boden fallen. "Kommt, immer weiter", ruft Radu, der Mann mit der Stoppuhr, der Trillerpfeife und dem rumänischen Akzent. Er ist Trainer der Frauenfußballmannschaft des Karlsruher SC.

Im Vergleich zu dem Profiteam der Männer, das vergangene Saison in die Dritte Liga abgestiegen ist, haben die Frauen mehr gezeigt. Sie stiegen aus der Vierten Liga in die Dritte Liga, die Regionalliga, auf. Damit der Erfolg den Badenerinnen treu bleibt, bereiten sie sich derzeit in Schwabthal auf die kommende Saison vor. Von Mittwoch bis einschließlich morgen trainieren sie entweder auf dem Platz des SV Schwabthal oder direkt hinter ihrem Hotel.

Schwitzen in der Mittagshitze

"Das Konditionelle haben wir schon zu Hause vorbereitet", sagt Sandra Ernst, Rechtsverteidigerin beim KSC. Trotzdem stand für die jungen Frauen am Freitag Zirkeltraining auf dem Programm. An fünf verschiedenen Stationen mussten sie Übungen absolvieren; dazwischen gab es nur wenig Zeit zum Verschnaufen. Ausgedacht hat sich diese Übung Angie Sabadisch, Co- und Athletiktrainerin. Mit ihrer rosa Sonnenbrille und der ebenso rosafarbenen Trainingshose wirkt sie eher wie eine Tänzerin in einem Wham!-Video. Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass sie von den Frauen Einsatz erwartet. Aber sie würde "von den Mädels nichts verlangen, was ich nicht auch machen würde", sagt sie. Ihr Training ziele auf Kraftausdauer ab. "Die Explosivkraft und die Schnelligkeit werden hier trainiert. Es ist an die Situationen angepasst, wie sie auch im Spiel passieren."



"Wenn das gut läuft, dann ist das die letzte Runde", ruft Radu seinen Spielerinnen zu, nachdem sie sich bereits zwei Mal durch den Trainingsparcours geschunden haben. Den Gesichtern ist anzusehen, dass ihnen ein Ende mehr als gelegen käme. Doch ihr Trainer macht diesen Wunsch mit nur einem Satz zunichte: "Nein, nein, das ist nicht die letzte Wiederholung - ich will Einsatz sehen." Nach zwei weiteren Runden hat Radu erbarmen mit seinen Spielerinnen: "Räumt die Hütchen und die Bälle zusammen, und dann zurück uns Hotel."

Er lässt es sich nicht gerne anmerken, aber er scheint zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft an diesem Vormittag. "Auf dem Platz verlange ich von jeder 100 Prozent. Wenn du höherklassig spielst, muss die Trainingsleistung eben auch höher sein", sagt der 38-Jährige, der bereits in seine vierte Saison als Trainer der KSC-Damen geht. "Dabei ist es aber wichtig, dass die Stimmung passt."

Testspiel gegen Spielvereinigung Eicha

Dass das Essen dabei einen hohen Stellenwert einnimmt, weiß er - auch deswegen haben sie sich im Hotel Sonnenblick eingemietet, das sich auf Fußballvereine spezialisiert hat. Matthias Dinkel, Chef des Hotels, der auch in der Küche das Sagen hat, weiß, was die Sportlerinnen brauchen: Das sei nicht wie bei Amateurvereinen, "die gern einmal ein Schäuferla essen wollen", erzählt er. "Je höher sie spielen, desto gesünder essen sie." Also müsse er den Spielerinnen viele Salate und Putenfleisch servieren.

Innenverteidigerin Sabrina Esslinger fühlt sich wohl im Trainingslager, obwohl ihr der fränkische Sommer ein wenig zu heiß ist. Die 25-Jährige lebt Fußball: Für sie ist es ein Kraftakt, die Arbeit, das Training und ihre kleine Tochter Mia unter einen Hut zu bekommen. Dennoch möchte sie am Fußball festhalten. "Deswegen nehme ich meine Tochter oft mit. Sie fühlt sich hier schon als vollwertiges Mitglied, und wenn ich sehe, dass es meiner Tochter gut geht, geht es mir auch gut." Als Ziel für die kommende Saison hat sich die Führungsspielerin, ähnlich wie Sorin Radu, vorgenommen, nicht abzusteigen. In zwei, drei Jahren könne man dann vielleicht den Aufstieg in die zweite Liga anpeilen.

Doch bevor es mit der Liga losgeht, steht noch das Testspiel gegen die Frauen der Spielvereinigung Eicha aus der Nähe von Coburg an. Locker angehen sollten die Karlsruherinnen das Spiel nicht - schließlich sieht ihr Trainer nicht so aus, als würde ihm eine Testspielniederlage gefallen.