Mit dem Abschiebeflug, der am Mittwochabend am Frankfurter Flughafen gestartet ist, sollte auch ein junger Afghane abgeschoben werden, der in Lichtenfels eine Ausbildung macht. Und das obwohl Auszubildende nur in Extremfällen abgeschoben werden sollten. Weil der junge Mann aber nicht in seiner Flüchtlingsunterkunft angetroffen wurde, entging er der Abschiebung vorerst.

Wie Andreas Grosch, Pressesprecher des Landratsamtes Lichtenfels berichtet, wurde der Flüchtling einen Tag nach dem geplanten Abschiebeflug im Landratsamt Lichtenfels aufgegriffen und von der Polizei festgenommen. Seitdem sitzt der Flüchtling in Abschiebehaft, wie Stephen Dünnwald, Mitarbeiter des Bayerischen Flüchtlingsrates, berichtet. Bis 31. Januar gelte der Beschluss. Danach werde dann der nächste Abschiebeflug starten, vermutet Dünnwald.

Die Abschiebung des jungen Flüchtlings ruft heftige Kritik hervor. So auch beim Bayerischen Elternverband und beim Bayerischen Flüchtlingsrat. "Es ist absolut unverhältnismäßig, dass er bis Januar in Abschiebehaft sitzen muss", sagt Dünnwald.


Er wusste nichts von dem Termin

Wie Dünnwald berichtet, wusste der Afghane nichts von dem Termin der Abschiebung. Man könne es ihm also auch nicht vorwerfen, dass er am Mittwochmittag nicht in der Flüchtlingsunterkunft war, als die Polizei ihn abholen wollte. Erst die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft hätten ihm erzählt, dass die Polizei da war, um ihn abzuholen.
Außerdem habe für den jungen Flüchtling keine Meldepflicht bestanden. Deshalb könne man ihm nicht vorwerfen, dass er untertauchen wollte.


Freiwillig ins Landratsamt

Zusammen mit einem Unterstützer ist der junge Mann dann am Donnerstagfrüh in das Landratsamt Lichtenfels gegangen, um sein Taschengeld abzuholen.
Dies habe man mit seinem Anwalt und einem Unterstützer abgesprochen Dabei sei klar gewesen, dass er dort festgenommen werden könnte. "Er wollte keinen Anlass dazu geben, dass man denkt, er möchte untertauchen", erklärt Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat.


Azubis nur in Extremfällen abschieben

Besonders große Kritik ruft der Fall deshalb hervor, weil der Afghane im September laut Dünnwald eine Ausbildung im Landkreis Lichtenfels begonnen hat. "Der junge Flüchtling sollte in sein Herkunftsland abgeschoben werden, obwohl Innenminister Joachim Herrmann zugesagt hat, Auszubildende nur in Extremfällen abzuschieben", sagt Dünnwald. Wieso bei dem Lichtenfelser Auszubildenden ein Ausnahmefall vorliegt, ist ihm unklar.

Man könne mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Afghane kein Gefährder oder Straftäter ist. Die Kategorie "Identitätstäuscher" trifft auf den jungen Afghanen laut Dünnwald ebenfalls nicht zu.