Tobi hatte sich gemeldet. Per SMS und aus Aachen. "Ruf mich mal an, wichtig", hat er geschrieben, denn er wusste mehr. Damals, Ende April oder Anfang Mai. Als Moses Fendel dann anrief, ging ihm bald ein Licht auf. Der Tobi hatte die ganze Band "klammheimlich" der Jury zur Nachwuchsförderung der Hanns-Seidel-Stiftung ans Herz gelegt. Jener Stiftung, die sich für den Nachwuchs in der Liedermacherszene stark macht. Jetzt ist man auf Kloster Banz, hat den Preis der Hanns-Seidel-Nachwuchsförderung erhalten, und dotiert ist dieser Preis auch. Am Donnerstag fand zu Ehren der Nachwuchspreisträger das traditionelle Preisträgerkonzert statt.

"Mit ohne Alles" heißt Moses Fendels' Ensemble. Fünf junge Männer aus Köln und Aachen, die sich dem mehrstimmigen Gesang ohne Instrumente verschrieben haben. Aber halt, so stimmt das auch wieder nicht, denn die fünf Jungs, unter ihnen auch jener Tobi, schätzen ihre Mikrofone wie Instrumente. Nie kämen sie auf die Idee, sie zu vernachlässigen oder gar untereinander zu tauschen. Musiker können leidenschaftlich mäkelig sein. Die Jungs singen von dem, was junge Menschen bewegt. Sie singen mehrstimmig artistisch vokalistisch mit viel Uuuhs und Aaahs und Babadubaduus von dem Mann in ihrer Heimat, der annonciert hat, sich dafür buchen zu lassen, die Haustiere von Intimfeinden ums Eck zu bringen. Die Begründung für ihre Prämierung erfuhren sie bis dato nicht.

Die, die ihnen zuhören, bilden das Who-is-Who der Lokalprominenz. Von Politik bis Kirche, von Verwaltung bis Wirtschaft. So war es immer schon beim Preisträgerkonzert, ist als Verbeugung vor dem Nachwuchs zu werten, und die Regelmäßigkeit derselben Menschen trägt auch zu Intimität bei. Das zeigt sich, als bekannt wird, dass der Moderator Roland Leitner an diesem Donnerstag Geburtstag hat. Ein ganzer Saal singt Happy-Birthday, unaufgefordert und doch synchron.

Stimmengewirr. Menschen gehen die Gänge entlang, der große Saal im Tiefparterre füllt sich. Jener mit den Übersetzerkabinen, von dem eine moderne Legende besagt, er sei abhörsicher.

Diane Weigmann, Nicolas Sturm, "Mit ohne Alles" und Ganes warten hinter einer Tür auf ihren Auftritt. Junge Menschen, hoffnungsvolle Musiker, die in Deutsch singen, was sie zu sagen haben. Peter Witterauf, Hauptgeschäftsführer der Stiftung, wird sie begrüßen, Roland Leitner vom Sender RAI Bozen wird ihre Auftritte moderieren. Freitag und Samstag sind sie Vorprogramm, heute sind sie Hauptattraktion. Im Anschluss aber sind sie vor allem zugänglich für Unterhaltungen mit ihrem Publikum.

Diane Weigmann sieht reizend aus. Aber ein Kritiker schrieb einmal, sie spiele "wie ein Cowboy". Was er damit wohl meinte? Die junge Frau mit dem Rot im Haar und der Western-Gitarre hat originelle Melodien auf Lager. Sie hat auch eine Vorgeschichte, denn sie gründete mit 15 Jahren die nicht unbekannte Berliner Girlband Lemonbabies. Auch sie stach aus den 250 bis 300 Einsendungen an die Nachwuchsförderung heraus. Es war wohl ihre Stimme, so schüchtern, leicht behaucht und doch präsent. Sicher auch ihre Themen und ihr Wortwitz, unerhört und unverbraucht. Letztlich auch ihre Melodien, luftig und sinnlich.

Rauer, ruppiger, mit der Schnoddrigkeit eines Enttäuschten brachte Nicolas Sturm seine Lieder vor. Eine bauchige E-Gitarre genügte dem 30-jährigen Stuttgarter, über den es heißt, er schaffe mehr Frage- als Ausrufezeichen. Weigmann und Sturm gaben Komplimente ans Publikum zurück. Sie nannten es "aufmerksam", vielleicht war das auch eine leise Kritik an des Publikums Zurückhaltung.

Die drei jungen Frauen aus Südtirol nennen sich Ganes. Das ist ladinisch, eine Sprache, die nur in wenigen Tälern noch gesprochen wird. Betörender Chorgesang, ausgetüftelte Arrangements. Sie dürften, berücksichtigt man die Worte von Moses Fendel, die einzigen sein, die zu diesem Zeitpunkt schon wissen, warum sie ausgewählt wurden. Sie erhielten den Sonderpreis zum Thema: Lieder, die Brücken bauen. Aber die anderen? Warum sie ausgewählt wurden, das werden sie erfahren, wenn sie am Freitag und Samstag auf der Bühne stehen. Dann werden es an die 8000 Menschen hören. Die größte Bühne, auf der die Bands bislang standen.