Bier brauen ist Janas Leidenschaft. Sie steht kurz davor, die Braumeisterprüfung abzulegen. Brau- und Getränketechnologin darf sie sich dann nennen. Mit Bier kennt sie sich aus - kulturgeschichtlich und physiologisch. Kürzlich hat sich die 24-Jährige für eines der schönsten Ehrenämter im Freistaat beworben: Sie möchte Bayerische Bierkönigin werden.

Beim Casting Anfang Februar kristallisierten sich sieben Finalistinnen heraus. Hübsch sind sie alle, vom Fach ist nur eine - Jana Neubert. Aufgewachsen ist sie in Sonthofen. Während der Ausbildung lernte die Allgäuerin den Nedensdorfer Braumeister Thomas Reblitz kennen, mit dem sie seither liiert ist.


Der Kosmos der Bierologie

Wenn Jana über Bier spricht, ist das kein oberflächliches Wortgeplänkel. Sie redet über Hopfenbauern und deren Verbundenheit mit ihrem Produkt, über Traditionen beim Brauen und Unterschiede der Wirtshauskultur in Franken und im Allgäu, über Biergläser und Krüge sowie über die Vielfalt der Biersorten. Und natürlich darüber, welche Speisen zu welchem Bier passen.

Als Bayerische Bierkönigin wäre Jana die Idealbesetzung. Sie kennt sich sowohl im Süden als auch im Norden des Freistaats aus. "Die Allgäuer trinken viel Weißbier, Helles und Pils", sagt sie. Franken hingegen neigten zum Genuss dunklen Biers. Die Stammtischkultur in Franken sei - anders als im Allgäu - sehr lebendig. Hier gebe es noch Karter-Runden, die Wirtsstube sei für manchen wie ein Wohnzimmer: "Die Stammtischler genießen das."


Jana Neubert: Deshalb will sie Bierkönigin werden

Warum sie Bierkönigin werden möchte? Jana muss nicht lange überlegen: "Weil ich Leidenschaft für Bier empfinde." Zeitlebens interessiere sie sich für die Kulturgeschichte und das Brauchtum rund um Hopfen und Malz. Es begeistere sie, wie eng verbunden dieses Getränk mit dem Leben in Bayern ist: "Bier verbindet - jeder kann bei diesem Thema mitreden."


Von hopfigem und fruchtigem Bier

Fasziniert ist sie von der Vielseitigkeit des Bieres. In der Brauerei ihres künftigen Schwiegervaters Reinhold Reblitz beeindruckt sie, dass mehrere Sorten gebraut und jahreszeitlich passende Biere angeboten werden. "Die Leute mögen es, wenn Bier nicht nur nach Malz schmeckt, sondern fruchtig, hopfig." Ein Brauer sollte seine Phantasie und seine Kreativität einsetzen: "Wir haben viele Möglichkeiten, innerhalb des Reinheitsgebots verschiedene Biersorten zu brauen." Das erkläre, warum es in Bayern gegenwärtig rund 400 verschiedene Biersorten gibt.


Märzen als Meisterinnenbier

Soeben hat Jana ihr Meisterbier gebraut. Mit Bedacht wählte sie ein Märzen aus, denn diese traditionelle Bierart sei heute nahezu verschwunden. "Zurück zum Ursprung", sagt sie und ergänzt diplomatisch, so als wäre sie schon Bayerische Bierkönigin: "Wir brauchen Weißbiere und dunkle Biere. Doch einzigartige Biere wie das Märzen aussterben zu lassen, wäre eine Katastrophe". Jana, die ausgebildete Biersommelière ist, beschreibt ihr kupferfarbenes Märzen, das im Sonnenlicht rote Reflexe wirft: "Ein Märzen soll malzigen Charakter haben, aber durch mehrere Hopfensorten doch erfrischend schmecken."


Welches Essen passt zum Bier?

Bei all der Auswahl fällt es Jana schwer, ein Lieblingsbier zu finden. Welches Bier sie auswähle, das sei situationsbedingt - und des komme darauf an, was es zu essen gibt. Und überhaupt: Das Essen gehört zum Biertrinken dazu. Während der Ausbildung zur Biersommelière lernte sie beim Geschmackstraining, was harmoniert und was eher nicht: Passt Salziges zu Geröstetem, Scharfes zu Süßem? Die Mischung im Mund macht's, ist sie überzeugt. Und Neues auszuproBIERen hat noch niemals geschadet. Sie umreißt das mit einer Anekdote: "Alle dachten immer: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's getan."

Darüber, ob sie ein Königinnen-Bier braut, sollte sie im Mai inthronisiert werden, hat sich Jana noch keine Gedanken gemacht. Hoffen wir, dass sie Königin wird - und freuen uns auf den royalen Mai-Bock mit Schaum-Krone.


Die Wahl zur Bayerischen Bierkönigin


Wahltag
Am 3. Mai findet in München die Wahl der neuen Bayerischen Bierkönigin statt. Ihre Amtszeit erstreckt sich über ein Jahr bis Mai 2019.
Voting Abstimmen kann jeder im Internet auf der offiziellen Webseite - auf dieser Seite finden Sie auch Bilder vom Casting am 22. Februar