"Alles Gute zum Geburtstag, Herr Miller!" So beglückwünschen die Schüler den Grundschullehrer am Tag seines 46. Geburtstags. In der Mitte der Tafel steht "Happy Birthday", eingerahmt von den Unterschriften der Schülerinnen und Schüler der Klasse 4b. Es gibt Kuchen und Getränke. Christian Miller macht mit seinem Handy Fotos von der Überraschung, die seine Klasse im Schulhaus Uetzing der Ivo-Hennemann-Grundschule vorbereitet hat. "Stellen Sie es auf Facebook", sagt eine Schülerin, während Miller die Aufnahmen mit seinem Handy macht.

"Es war nicht mal geplant, Lehrer zu werden, ich hatte verschiedene Ideen", sagt Miller. Der heute 46-Jährige hatte schon ein abgeschlossenes Studium in Geographie in der Tasche, als er sich überlegte, Grundschullehrer zu werden. Durch diverse Praktika habe er festgestellt, dass ihm bei der Arbeit irgendetwas fehlen würde, sagt er rückblickend.


Spaß am Umgang mit Menschen

Christian Miller wollte einen Beruf, bei dem er täglichen Kontakt mit Menschen hat und der ihm gleichzeitig Spaß macht. Deswegen entschied er sich damals, Grundschullehramt zu studieren, trotz der anfänglichen Zweifel. Mehrere Jahre nach dem Abschluss des Studiums ist Christian Miller froh, dass er diesen Weg eingeschlagen hat. "Die Kinder geben einem viel zurück, man erhält ein direktes Feedback, ob etwas gut oder schlecht war", sagt Miller, "das ist ein schönes Gefühl".


Weniger Männer - mehr Frauen

Laut Statistischem Bundesamt gibt es bundesweit 89 Prozent weibliche und nur elf Prozent männliche Grundschullehrer. Norbert Hauck, der Leiter des Staatlichen Schulamts Lichtenfels, sagt: "Es gibt einen Mangel von männlichen Grundschullehrern, von Jahr zu Jahr werden es weniger." Einer der Gründe dafür ist, dass mehr männliche Grundschullehrer in Pension gehen, als dass welche nachkommen. Im gesamten Kreis Lichtenfels gibt es 228 Lehrkräfte, davon sind 69 männlich und unterrichten an Grund-, Mittel- und Hauptschulen. 26 männliche Grundschullehrer von insgesamt 67 Grundschullehrern sind in Lichtenfels vorhanden, in Bad Staffelstein sind nur neun von 32 Lehrkräften männlich. Hauck hat im Moment 22 Lehramtsanwärter; 20 Frauen und zwei Männer - und diese zwei Männer sind für die Mittelschule eingeplant.

Viele Männer haben noch ihre Vorbehalte gegenüber dem Beruf des Grundschullehrers, denn dieser Beruf ist im Empfinden vieler Menschen "weiblich", intellektuell relativ anspruchslos und biete nur eine bescheidene Bezahlung mit geringen Aufstiegsmöglichkeiten. Ganz im Gegenteil, findet Hauck: "Es ist eine anspruchsvolle und vielseitige Arbeit, besonders im pädagogischen Bereich."


Kinder als Individuen sehen

Genauso empfindet es auch Christian Miller. "Ich lerne die Kinder sehr gut kennen, denn ich habe zwei Jahre lang die gleiche Klasse. Nach einer gewissen Zeit weiß ich, wie welches Kind denkt." Für ihn ist das keine oberflächliche Begegnung, für Miller ist sie tiefgründiger. Er sagt, es sei ein Beruf mit dem er sich identifizieren kann. Miller kann nicht erkennen, warum der Beruf des Grundschullehrers als "unmännlich" wahrgenommen wird: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine Frauenrolle während des Unterrichts ausübe."

Wenn man die Bedeutung des Grundschullehramts steigere, könnte man sicherlich mehr Männer für diesen Beruf gewinnen, sagt Norbert Hauck. Eine Quote lehnt der Schulamtsdirektor ab: "Wie sollen wir denn eine Quote verlangen, wenn es nicht genügend Studierende gibt?" Man müsste es wie die Finnen angehen: Nur die qualifiziertesten Lehrkräfte in der Grundschule einsetzen. Um aber Ausgleich im Landkreis zu schaffen, werden in speziellen Sondermaßnahmen Gymnasial- , Mittel- oder Hauptschullehrer begleitet, wobei sie die Befähigung zum Grundschullehrer erhalten. Diese Maßnahmen haben eine Dauer von ein bis zwei Jahren.

Ob das Fehlen von Männern Auswirkungen auf die Kinder hat, ist Norbert Hauck nicht bekannt. Dennoch wünscht sich der Schulamtsdirektor mehr männliche Lehrkräfte an den Grundschulen: "Die Kinder brauchen eine erzieherische Facette." Christan Miller drückt das so aus: "Ich finde es schade, dass es nur so wenige gibt. Ich glaube, es tut den Kindern gut, wenn sie auch Männer vor sich im Unterricht haben. Das Problem könne gelöst werden, wenn das schlechte Image des Grundschullehrers aufpoliert werden würde, sagt Miller. Man müsse versuchen, die Vorurteile gegenüber dem Beruf des Grundschullehrers loszuwerden.
Auf die Frage wie er sich unter all den Frauen fühle, antwortet Christian Miller nur: "Ich fühle mich wie ein Exot."