Ein Etappenziel ist erreicht. Seit vier Jahren sind Ingenieure, Tunnelarbeiter und Mineure nun dabei, die ICE-Neubaustrecke zwischen Ebensfeld und Untersiemau, zu planen und durch den Banzgau voranzutreiben. Die Bauphase geht nun langsam aber sicher zu Ende. "Was jetzt folgt, sind nur noch Filigranarbeiten", erklärt Frank Kniestedt, Pressesprecher der Deutschen Bahn, am Freitag bei einer Befahrung der Tunnelbaustellen Kulch und Lichtenholz.

Die beiden Tunnel sind nahezu fertig und bereit, von Gleisbauern und Technikern weiter ausgestattet zu werden. Auf dem freien Streckenabschnitt zwischen Zilgendorf und Untersiemau sind noch vereinzelt Baumaschinen zu sehen. Auf der 175 Meter langen Eisenbahnüberführung, der Mühlbachbrücke bei Untersiemau, laufen die Arbeiten, trotz schwieriger Wetterbedingungen, auf Hochtouren.

In vier Jahren sollen hier Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h durchrauschen. 2016 sollen ein ganzes Jahr lang Testfahrten ausgeführt werden, bevor die ersten Passagierzüge auf die Strecke dürfen.

Alle Zweifel verflogen

"Es herrscht ein großes Vertrauensverhältnis - die Kooperation mit den Bürgern von Altenbanz und Stadel ist hervorragend", sagt Projektleiter Andreas Boettcher - doch das war nicht immer so: Vor allem für die Bürger in Altenbanz war die Belastung extrem hoch. Zwischen 2010 und 2011 sind täglich etliche schwere Betontransporter durch den Ort gefahren. Sie haben den Lärmpegel der Bauarbeiten zusätzlich nach oben gedreht und viel Staub und Dreck hinterlassen.

Doch das ist jetzt alles vorbei. Auch die Bauern müssen sich jetzt keine Gedanken mehr machen, von ihren Feldern durch die Trasse abgeschnitten zu sein. Fünf Verbindungsbrücken, verteilt über die sechs Kilometer lange Strecke, ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu den Äckern, aber auch zu den Nachbarorten und zu einer Kapelle.

Lärmschutz und Optik

Weitere Bauarbeiten, die dem Landschaftsbild gelten, stehen noch an. Um den Lärm der durchfahrenden Zügen zu reduzieren, verläuft die Strecke zwischen zwei steil angelegten Hängen. Damit der Geräuschpegel auch an jenen Abschnitten sinkt, an denen die Trasse ebenerdig verläuft, wurden massive Gabionenwände errichtet. "Wo jetzt noch Steine sind, ist nächstes Jahr im Frühling alles grün", verspricht der Leiter der Bauüberwachung, Sven Dreier. "Auf Grund der Wetterverhältnisse hat man leider noch nichts anpflanzen können", fügt er hinzu. Doch auch ohne Eingriff der Arbeiter, sprießen bereits die ersten Gräser durch die Steinmassen.

Pommesbude auf dem ICE-Berg

Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden für den Bauabschnitt 400 000 Kubikmeter Erdreich und Steine für die beiden Tunnel ausgebrochen und 1 300 000 Kubikmeter für den Trassenbau bewegt. Dieser Ausbruch wurde genutzt, um Senken in der Landschaft im Umkreis der Baustelle zu modellieren. Drei Deponien wurden dafür angelegt: Weinberg, Breites Stück und Streinbruchsäcker. Die letztgenannte Deponie ist schon jetzt bei den Ortsansässigen sehr gefragt. Der aufgefüllte Hügel wird "ICE-Berg" genannt, und die Bauleiter bekamen schon etliche Anfragen zur Nutzung dieser Flächen. Neben Bauern, die das neu gewonnene Land bewirtschaften wollen, gab es auch Bewerber, die auf dem Land die Errichtung eines Imbisszentrums mit Sitzgelegenheiten planen: "Eine Pommesbude auf dem ICE-Berg", scherzt der Leiter der Bauüberwachung.

Zahlen und Fakten zu dem Neubauabschnitt im Banzgau


Tunnel Kulch Der größere der beiden Tunnel ist 1331 Meter lang und 8,88 Meter hoch. Die Ausbruchsmasse des Tunnels Kulch betrug insgesamt 330 000 Kubikmeter Steine und Erdreich. Der Tunnel befindet sich durchschnittlich, mit Ausnahme des Bereichs, wo sich der Notausgang befindet, 15 bis 20 Meter unterhalb der Grundwasseroberfläche.

Tunnel Lichtenholz Der Lichtenholz-Tunnel besitzt ebenfalls eine konstante Höhe von 8,88 Meter. Er ist 931 Meter lang. Die Ausbruchsmasse des Tunnels betrug 220 000 Kubikmeter. Der Tunnel verläuft runde zehn Meter unter der Grundwasseroberfläche und besitzt - aufgrund seiner Streckenlänge von unter 1000 Metern - keinen Notausgang.

Tag der offenen Tür Am Donnerstag, 15. August, findet von 11 bis 16 Uhr, die offizielle Eröffnungsfeier des Bauabschnitts im Banzgau statt. Treffpunkt für all jene, die den Tunnel besichtigen wollen, ist der Voreinschnitt Zilgendorf/Südportal des Tunnels Lichtenholz. Die Besucher werden darauf hingewiesen, an festes Schuhwerk zu denken. Für das leibliche Wohl ist gesorgt; dafür wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben; der Erlös daraus fließt wiederum an die Pfarrei Altenbanz und in die Jugendförderung.gs