Im Zuge des ICE-Trassenbaus wird Ebensfeld in zwei Teile zerschnitten. Deshalb ist es jetzt wichtig, Unter- oder Überführungen zu planen und zu bauen.

An der Ziegelstraße wird die Zufahrt zur künftigen Straßenunterführung bereits gebaut. Am Kellbach, wo jetzt noch Autos unter dem Schienenstrang durchfahren können, werden künftig nur noch Fußgänger durchkommen. Als dritte Querung kommt die Brücke der Kreisstraße LIF 25, zwischen Ebensfeld und Oberbrunn, hinzu. Wenn die Gemeinde mehr Querungen haben möchte, muss sie das bezahlen, lautet die Argumentation der Bahn.
Doch genau das scheint unmöglich zu sein, weil es für Ebensfeld viel zu teuer wäre, dieses Millionenprojekt allein zu schultern.

Die DB-Projektbau legte der Gemeindeverwaltung vor einiger Zeit ein Angebot für eine Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung als Verbindung der Mainstraße und der Oberbrunner Straße vor. Demnach kostet die Entwurfsplanung 132 000 Euro, der eigentliche Brückenbau wird auf 2,13 Millionen Euro geschätzt.

Der Gemeinderat kam bei seiner Sitzung am Dienstag überein, das Projekt mit Gesamtkosten von mindestens 2,27 Millionen Euro nicht weiter zu verfolgen. Bürgermeister Bernhard Storath (CSU): "Ich möcht's gern haben, aber unter diesen Umständen ist das nicht realisierbar."

Projekt nicht ganz aufgeben

Gemeinderat Otto Weidner (B 90/Die Grünen) und Peter Schmauser (CSU) rieten aber, das Projekt keinesfalls jetzt schon ganz aufzugeben, schließlich gehe es um eine Entscheidung, die für die nächsten 100 Jahre von Bedeutung sein werde. Wichtig sei, weiter zu prüfen, ob es doch Zuschüsse für dieses Projekt geben könnte.

Otto Weidner verglich Ebensfeld mit den beiden Nachbarorten Zapfendorf und Bad Staffelstein, die ebenfalls von einem Schienenstrang durchschnitten werden. In Bad Staffelstein bestünden auf einer Streckenlänge von 1,4 Kilometern sechs Querungsmöglichkeiten, also durchschnittlich alle 280 Meter eine. Zapfendorf habe auf 1,8 Kilometern fünf Querungen, was einem Durchschnitt von 450 Meter entspricht. Wenn die Unterführung an der Oberbrunner Straße in Ebensfeld nicht gebaut werde, stünden künftig auf 1,4 Kilometern nur drei Querungen zur Verfügung, also durchschnittlich alle 700 Meter eine.

Kurze Wege sind Lebensqualität

Barrierefreiheit, fuhr Otto Weidner fort, sei für die Bürger eines Ortes wichtig. Es komme darauf an, die Verkehrsinfrastruktur so zu gestalten, dass die Bewohner des Ortes zu Fuß zu den wichtigsten Punkten gelangen können und nicht mit dem Auto große Umwege fahren müssen.