Diese Hitze verlangt nach einem Hut - einem Sommerhut zum Schutz vor der Sonne. Am besten aus Stroh. Das sollte in Lichtenfels als Korbflechtregion kein Problem sein.

Nun, so ganz einfach ist es nicht, denn einen Stohhut mit regionalem Anstrich zu bekommen, ist dann doch nicht so leicht. Historisch gesehen ist die Region am Obermain nämlich huttechnisch ein unbestelltes Feld. Hier wurde geflochten, aber nie mit Stroh, bestätigt Ariane Schmiedmann. "Wir haben hier nichts im Archiv, dass mit Stoh bei uns in der Region geflochten wurde", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Korbmuseum Michelau.

Ein Hut aus einheimischer Produktion ist in der Ausstellung zu sehen, es ist ein Exemplar aus Weidenschienen, das Adam Zasche 1950 fertigte - sehr aufwändig. "An so einem Exemplar saß man schon rund zwei Tage", sagt Roland Ponsel. Seine Spezialität ist es, mit Peddigrohr zu flechten und ihm ist es zu verdanken, dass man im Museum doch einen Sommerhut findet. Er flechtet Exemplare aus Peddigrohr bei den lebenden Werkstätten im Museum. Sechs Stunden sitzt er an einem Hut, den man dort für 70 Euro kaufen kann - eine eher symbolische Preisgestaltung. Die Tradition dieser Hüte in Michelau ist jung, Josef Fischer, der eine Korbflechtmanufaktur betrieb, besaß auch nebenher Bierzelte. Um dort aufzufallen, stellte er sich in den 1960er-Jahren eigene Exemplare her. Der bei ihm angestellte Siegmar Oester übernahm diese Tradition - als er starb, machte Ponsel weiter.

Tradition ist auch etwas, was Josef Ifflander in seinem Geschäft in Lichtenfels in der Kirchgasse 12 hochhält, denn hier erinnert er an das Hutfachgeschäft des Vaters seiner Lebensgefährtin, Konrad Pabst, der Jahrzehnte mit seinem Stand in vielen Orten in der Region vertreten war. Er starb 2008, das Geschäft schloss drei Jahre später. 2013 machte Ifflander weiter. Wer etwas braucht, kann einfach klingeln. Meist ist Ifflander da. Wer hier seinen Sommerhut findet, kauft ebenfalls gleich Geschichte mit. Seit 135 Jahren werden hier Hüte angeboten.