"Diebe", Tierschutz-Trottel" und "Geld-Geier" sind noch die harmloseren Verwünschungen, die jüngst auf die Mitarbeiter des Lichtenfelser Tierheims einprasselten. Die Facebook-Seite der Einrichtung war binnen weniger Stunden mit Beleidigungen der übelsten Sorte zugemüllt, so dass die Verantwortlichen aus Notwehr den virtuellen Riegel vorschoben. "Es war unbeschreiblich, wie da auf uns eingedroschen wurde", sagt eine Tierheim-Mitarbeiterin. Aus Sorge vor weiteren Hasstiraden will sie ungenannt bleiben.

Die Anfeindungen stammen offenbar von einer rund 20-köpfigen Gruppe. Dabei handelt es sich um Menschen, die auf ihre Hunde warten. Hunde, die die Bundespolizei vor elf Tagen bei einer Kontrolle auf einem Rastplatz an der A93 bei Marktredwitz eher durch Zufall im Laderaum eines Transporters entdeckte. Eigentlich hatten die Beamten darin illegal eingeschleuste Flüchtlinge aus Syrien vermutet. Ans Tageslicht aber kamen 31 Hunde jeden Alters, verstaut in vertäuten Käfigboxen.

Die Mitarbeiterin aus Lichtenfels war dabei, als die Polizei die Vierbeiner aus dem Fahrzeug heraus konfiszierte. Die Hunde stammen demnach aus Rumänien und sind bestimmt für Abnehmer in Deutschland, Belgien und Großbritannien.

Zunächst in Quarantäne

Zum Teil seien die Hunde nach den vielen Kilometern bereits dehydriert gewesen. Auf Anordnung des Landratsamts Wunsiedel kamen drei Vierbeiner nach Lichtenfels in Quarantäne, auch weil eine Viruserkrankung nicht auszuschließen war. Mittlerweile sind die Tiere freigegeben.

"Tierschutz ist nicht selten auch mit Anfeindungen verbunden, aber das hier hat eine neue, bedrohliche Qualität erreicht", bestätigt Liebhard Löffler, Vorsitzender des Tierschutzvereins Bamberg. Auch im Tierheim "Berganza" waren drei der aufgegriffenen Hunde untergekommen - und auch die Mitarbeiter dort seien bedrängt worden. "Die ehrenamtlichen Helfer haben doch nur versucht, das Beste für die Tiere zu tun." Als Dank dafür habe es Klageandrohungen gehagelt. "Es scheint sich um so genannte Tierschützer zu handeln, die meinen, etwas Gutes zu tun, weil sie die Hunde angeblich vor dem siche ren Tod retten", bekundet Löffler.

Diese Zeitung stand im Kontakt mit einem Mann aus Bielefeld, der gestern sieben Hunde aus den Auffangstationen in Bamberg, Lichtenfels und Wunsiedel abholte. Er betont, im Transporter sei für ausreichend Sauerstoffzufuhr und Licht gesorgt gewesen. "Zudem wurden die Tiere alle vier Stunden bei Pausen getränkt. Es mag strapaziös gewesen sein - eines steht aber fest: Die Tiere wären in Rumänien ganz sicher in Tötungs stationen umgekommen." Die heftigen Reaktionen mancher Abnehmer via Facebook könne er verstehen: "Diese Menschen wollten helfen und mussten sich in den Medien Unterstützer der Tierquälerei schimpfen lassen."

Dass der Transport artgerecht gewesen sei, dem widerspricht Andreas Bruckner entschieden. "Das war raus aus der einen und rein in die andere Hundehölle", umschreibt es der Regionalreferent für Oberfranken des Deutschen Tierschutzbundes. Er sagt, die Vermittler der Tiere hätten "massiv auf die Tränendrüse" gedrückt, um Menschen zum Kauf zu bewegen. "Eine Frau bestätigte mir, sie habe für den Transport 200 Euro bezahlt."
Mittlerweile habe die Staats anwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Gegen die Absender der unflätigen Online-Kommentare soll zudem Anzeige erstattet werden, sobald Namen und IP-Adressen bekannt sind.