Unsere Autos werden immer größer, doch die Parkplätze irgendwie nicht. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man sich in Parkhäusern umschaut, aber diese Vermutung bestätigt auch der ADAC in einer jüngst veröffentlichen Studie. "Selbst viele Kleinwagen überschreiten heute die Zwei-Meter-Marke", teilte der ADAC mit. Der ADAC erstellte deshalb eine Liste mit 120 betroffenen Autos, betont aber, dass diese Liste nur die gängigen Modelle führe.

Unter den aufgeführten Autos befinden sich auch vermeintlich schmale Fahrzeuge wie der Ford Focus oder der Peugeot 308. Bei der Überprüfung hat der ADAC die Autos mitsamt den Außenspiegeln gemessen und auf die Problematik der schmalen Parkplätze aufmerksam gemacht. Beschädigungen beim Ein- und Aussteigen sind quasi programmiert. Deswegen fordert der Club auch eine Stellplatzbreite von 2,5 Metern.

2,03 Meter breit ist der Golf

Wenn man sich die aktuellen Zahlen anschaut, so ist der VW Golf eines der beliebtesten Autos der Deutschen. Im November 2013 wurden über 25.000 Golf neu zugelassen. Dieser vermeintlich "kleine Rutscher" hat allerdings eine Breite von 2,03 Meter. Das sind mitsamt Außenspiegeln drei Zentimeter Überbreite.

Allerdings berechnen die Fahrzeughersteller die Fahrzeugbreite ohne Außenspiegel. Aber auch anhand der Zahlen der Hersteller kann man den Trend zum größeren Auto sehen. Der VW Golf aus dem Jahr 1974 wurde mit 1,61 Metern bemessen. Das aktuelle Modell ist schon 1,79 Meter breit. Wohlgemerkt ohne Außenspiegel.
Die vom ADAC geforderte Breite von 2,5 Meter ist in den bestehenden Parkhäusern allerdings schwer umzusetzen. Es stehen Pfosten zwischen den Parkplätzen, und die Parkkosten sind anhand der vorhandenen Stellplätze berechnet.

Beengtes Parken

Unterwegs mit dem Metermaß konnte im Parkhaus "Unteres Tor" in Lichtenfels eine Parkplatzbreite von 2,44 Meter bei den Parkplätzen neben einem Pfosten und eine Breite von 2,38 Meter bei den Plätzen, die nicht an einen Pfosten grenzen, festgestellt werden. Ganz schön eng, wenn man bedenkt, dass der Golf doch 2,03 Meter misst. Wenn man also genau mittig parkt, so sind auf jeder Seite noch 12,5 Zentimeter Platz zum Aussteigen. Wenn dann die Türen geöffnet werden, passiert es leicht, dass das neben einem stehende Auto die Türe abbekommt. Vor allem, wenn der Fahrer des Autos nebenan nicht ganz genau parkt, oder vielleicht absichtlich auf einer Seite Abstand hält, damit die Türe nicht den wiederum nächsten Wagen trifft.

Auch vor der Obermain-Therme werden immer wieder beschädigte Autos gemeldet. Erst vergangene Woche wurde der Fahrer, der dort beim Ein- oder Ausparken einen Caddy angefahren hatte, von der Polizei wegen Unfallfucht gesucht. Auch wenn enge Parklücken für ein solches Verhalten keine Entschuldigung sind, so sind die Parkplätze vorne an der Therme mit 2,25 Meter die schmalsten bei unseren Messversuchen. Allerdings hat die Thermenleitung beim Bau der neueren Parkplätze, die sich etwas weiter weg befinden, pro Parkplatz einen halben Meter dazugegeben. Jetzt sind die Parplätze dort 2,75 Meter breit: Die breitesten der vom FT gemessenen!

Platz zum Verstauen der Einkäufe

Doch wie sieht es bei Parkplätzen vor Lebensmittelgeschäften aus? Gerade wenn man vor einem Supermarkt parkt, sollte doch genug Platz bleiben, um die Einkäufe einzuladen. Vielleicht auch mal auf der Rückbank. Aber: Fehlanzeige!

Beim Parkplatz am 2012 frisch gebauten Fachmarktzentrum in Lichtenfels geht es ganz schön eng zu: 2,30 Meter Parkplatzbreite lässt nicht viele Möglichkeiten zum Ein- und Aussteigen.

Ob es statistisch gesehen mehr Unfälle beim Ein- und Ausparken gibt, konnte das Polizeipräsidium Oberfranken nicht sagen: "Bei kleinen Unfällen gibt es keine Einträge in der Datenbank", sagt Pressesprecherin Anne Höfer.
Aufgrund der meist geringen Beschädigungen würden keine Statistiken zu solchen Unfällen geführt, ergänzt sie.
Festzuhalten bleibt allerdings, dass das Einparken oder zumindest das Aussteigen nach dem Einparken mit neuen Autos immer schwieriger zu werden scheint.