Ein Urlauber, der in Andreas Pfarrdreschers Gasthaus "Zur Scheune" übernachtete, machte den Gastronom voriges Jahr mit dem Geocaching, einem modernen Suchspiel, vertraut. Der Mann aus dem Schwabenland war schier verzweifelt, weil er einen Cache nicht fand, der laut GPS-Daten unweit des Hohlen Steins versteckt sein sollte. Die vergebliche Suche nach dem wasserdichten Behälter, der Tauschgegenstände enthält, fuchste den Schwaben sehr. "Da geh' ich morgen wieder hin", sagte er zu seinem Wirt, der bis zu diesem Zeitpunkt wenig über diese moderne Schnitzeljagd wusste.

Im Gespräch mit dem Urlauber wurde Andreas Pfarrdrescher neugierig auf das Spiel. Der 49-Jährige, der für die Jungen Bürger im Staffelsteiner Stadtrat sitzt, erkannte, dass dieses Spiel ideal für junge Leute und Familien ist und somit Potenzial für die touristische Nutzung hat.

"Die jungen Leute haben heute alle ein Smartphone mit GPS", sagt er, und diesen Umstand möchte er touristisch nutzen. "Ich wollte 'was bewegen, denn die Leute kommen ja alle zum Wandern", fährt er fort. Als "Andi 1964" setzte er in Schwabthal seinen ersten Cache, den er "Indiana Jones" nannte und auf der Webseite www.geocaching.com postete.

Hilfe beim Sohn angefordert
Weil er bis dato noch kein eigenes Smartphone mit GPS-Funktion besitzt, bat er seinen 16-jährigen Sohn Pascal um Hilfe. Gemeinsam suchten Vater und Sohn erst im Internet, dann in freier Natur nach den Caches. Schnell stellten sie fest, dass die prägnantesten Wanderziele - zum Beispiel der Staffelberg - bereits besetzt sind, dass aber in der Fläche des Staffelsteiner Stadtgebiets gähnende Leere herrscht.

Im Internet fanden sie nur rund 30 Caches zwischen Altenbanz und Kümmersreuth. Sie schrieben sich die Koordinaten dieser Caches heraus, die lustige und lyrische Namen tragen wie "Rotwurst", "Käpt'n Blaubär", "Weinhügel", "Heckentier" oder "Die Kraft des Urmeeres".

Auf der Suche nach Schätzen
Und dann ging Andreas Pfarrdrescher mit seinen Kindern auf Schatzsuche. Die Safari begeisterte den Vater ebenso wie Sohn Pascal und Tochter Julia (15). Neugierig suchten sie die Plätze auf, an denen die Überraschungen versteckt sein sollten. Manchmal fanden sie schnell zum Ziel, manchmal suchten sie aber auch vergeblich.

Es kam vor, erzählt Andreas Pfarrdrescher, dass sie an einem durch die Koordinaten eindeutig bestimmten Ort standen und dennoch vergeblich nach dem verheißenen Schatz suchten: "Verflixt, wo könnte das Ding bloß liegen?"

Wenn sie jedoch unter Steinen, auf Astgabeln oder in Felsnischen etwas fanden, brachte sie der Inhalt dieser Tupperboxen stets zum Schmunzeln. Die kleinen Überraschungen sind meist phantasievoll ausgewählt, und das Studium der Kommentare in den Logbüchern, die jedem Cache beiliegen, bringt zusätzlich Heiterkeit. Natürlich achteten die Cacher streng darauf, "dass keine Muggels in der Nähe waren", wenn sie ihren Fund machten, denn Geheimhaltung der Verstecke hat oberste Priorität.

In seiner Freizeit war Andreas Pfarrdrescher so oft in der Natur unterwegs, dass ihn seine Frau hänselte: "Du bist ja schon süchtig."

Indiana Jones lässt grüßen
Andere Gegenden - etwa im Raum Coburg oder im Kleinziegenfelder Tal - seien voller Caches, berichtet Andreas Pfarrdrescher. Handeln hieß also das Gebot der Stunde. Zunächst setzte der 49-Jährige unweit seines Gasthauses "Zur Scheune" einen Cache, den er "Indiana Jones" nannte.

Er wollte es jedoch nicht bei einem Cache belassen. An einem weiteren Ort, am Rand seines Heimatdorfes Schwabthal, setzte er dieser Tage einen neuen Cache, den er "Schwod'l" (umgangssprachliche Dialektform für Schwabthal) nannte. In eine weiße Dose füllte er die Erstausstattung: Logbuch, Bleistift und Spitzer, einen Würfel, einen 1000-Lire-Schein und weitere Kleinigkeiten.

Auch zwei Parfümfläschchen fügte er seinem Cache bei - "damit sich die verschwitzten Wanderer frisch machen können, wenn sie ins Tanz- und Tourismus-Mekka Schwabthal kommen", ist der verschmitzte Hintersinn.

Pilgerplätze und Arenen
Auf dem Beiblatt beschrieb "Andi 1964" poetisch-verschnörkelt die Vorzüge dieses fränkischen Mekka: "In diesem Ort waren schon Millionen Menschen zu Gast. Sie blicken von oben auf rund 140 Eingeborene. In den Arenen gibt es 1000 Pilgerplätze. 120.000 Mal im Jahr werden die Liegestühle für die Nacht genutzt. Davon allein 65.000 Mal in einem Waldschloss mit Freigang bis 23 Uhr." Die phantasievollen Verfremdungen weisen darauf hin, dass in den Tanzarenen Schwabthals viel geboten ist und dass 120.000 Übernachtungen jährlich verbucht werden; das "Waldschloss" ist natürlich die Kurklinik Lautergrund.

GPS: Große Pfarrdrescher-Suche

Andreas Pfarrdrescher ist von dieser Art der Freizeitgestaltung so hingerissen, dass er sich auch im nächsten Urlaub der Leidenschaft des Suchens widmen will. Bis dahin möchte er zudem aufrüsten: "Mein nächstes Handy wird ganz sicher mit GPS ausgestattet sein."