Stefan Voll begrüßte als Vorsitzender des Kulturrings bei angenehmen Temperaturen etwa hundert Teilnehmer am Herberg zu einer literarischen Wanderung zum Aussichtsturm. Direkt beim Turm und in der Umgebung wurde an vier Stationen Halt gemacht, an denen nacheinander Günter Lutz, Natalie Gutgesell, Bernhard Christoph und Günter Dippold über Themen referierten, die einen Bezug zum Herberg hatten.
Am Aussichtsturm erwartete die Wanderer gleich ein musikalischer Hochgenuss. Alfred Förner, 1. Violinist des Instrumental-Collegiums und Leiter der Lichtenfelser Blechbläser, hatte seine drei Söhne Andreas, Simon und Johannes zum Familien-Streichquartett um sich geschart, das mit drei Mozart-Quartetten und der volkstümlichen irischen Melodie "Londonderry Air" erfreute.


Eröffnung im April 2004

Günter Lutz, der bekannte Wanderführer des TV Unterwallenstadt, berichtete über die Geschichte des Aussichtsturms. Da der Herberg schon immer ein beliebtes Ausflugsziel gewesen war, sei schon in der Bevölkerung gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Wunsch nach einem Aussichtsturm entstanden, den der 1866 gegründete Verschönerungsverein Lichtenfels schließlich in die Tat umsetzte. In der Generalversammlung am 11. April 1901 habe der Verein in Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg beschlossen, einen Sieges- und Aussichtsturm zu erbauen. Als Standort wurde die dem Maintal zugewandte Kuppe des Herbergs gewählt. Die benötigten 180 Quadratmeter Waldfläche stellte das Ehepaar Hans und Klara Silbermann, Besitzer der Porzellanfabrik in Hausen, kostenlos zur Verfügung. Am 28. Mai 1903 wurden die Arbeiten vergeben. Die Pläne fertigte der Distriktsbautechniker Graebner, die Bauausführung besorgte die Baufirma Gebr. Diroll, die Holzarbeiten erledigte die Zimmerei Karl Meidel. Die ursprünglich geplanten Gesamtkosten von 6000 Mark erhöhten sich durch unvorhergesehene Schwierigkeiten beim Bau des Fundaments auf 8300 Mark. Am 12. Januar 1904 waren die Maurer- und Zimmermannsarbeiten fertiggestellt.
Über dem Portal wurde "Verschönerungsverein Lichtenfels" und die Jahreszahl 1903 eingemeißelt. Die Eröffnungsfeier, verbunden mit der Übergabe des 20 meter hohen Turmes an die Stadt, habe am 24. April 1904 unter großer Beteiligung der Bevölkerung stattgefunden. In der Folgezeit seien viele Besucher zum Aussichtsturm gekommen, darunter Gäste aus Coburg, Kronach, Kulmbach und Bamberg. In den letzten Jahrzehnten habe der Turm nur noch wenig Interesse erfahren, seit einigen Jahren ist er aus baulichen Gründen nicht mehr zugänglich.
Natalie Gutgesell sollte sich eigentlich an einer Lichtung mit Blick auf Banz mit einem Thema über das in Nachbarschaft zum Aussichtsturm befindliche Kloster Banz beschäftigen. Auch wenn ihr Referat "Frauen in der Kunst", mit dem sie die Lebensgeschichte der in Bamberg geborenen Malerin Maximiliana Herd vorstellte, vordergründig nichts mit Banz zu tun hatte, so stellte sie die Verbindung zu Banz über ihren Bruder Michael her, der sich zunächst als Schullehrer betätigte, ehe er als Museumsleiter in Banz mitverantwortlich für die Aufstellung des Ichthyosaurus war. Als besonders bemerkenswert stellte sie die Tatsache heraus, dass ihre mehrfache Bitte um eine Lohnerhöhung beim Bamberger Magistrat mit einer Erhöhung ihres Jahresverdienstes von umgerechnet 150 Mark auf 180 Mark erst 1980, also nach 42 Dienstjahren, Gehör fand.


Prähistorische Forschungen

Nach einer Kaffeepause bei der Werdenfelser Hütte berichtete Bernhard Christoph über den Lichtenfelser Arzt Dr. Gustav Roßbach (1843-1927), dessen prähistorische Forschungen im Raum Staffelstein und Lichtenfels von 1880 bis zu seinem Ableben rund 40 Fundstellen ergaben. Großes Gewicht hätten die Oberflächenfunde an paläolithischen Siedlungsplätzen wie bei Kösten gehabt. Hier bei Kösten befinde sich Sandsteinfels im Untergrund, der auch in einem Steinbruch abgebaut wurde. Im Straßendreieck Drosselweg und Starenweg befinde sich die Vertiefung des alten Steinbruchs, hier habe Roßbach 1913 seine wichtigsten Funde gemacht. Die Funde seien 1938 von der Universität Erlangen zum enormen Preis von 12 000 Reichsmark erworben worden und befinden sich heute in der frühgeschichtlichen Sammlung der Universität. Die alten Funde würden vom Neandertaler stammen, der vor rund 38 000 Jahren ausgestorben sei, stellte Christoph fest. Der erste Lichtenfelser sei also ein Neantertaler gewesen.
Auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt referierte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, über die Entwicklung der Verkehrsverbindungen im Lauf der Zeit. Der Waldreichtum habe einst den Holzhandel belebt, der bis zum Bau der Bahnstrecke ohne den Floßtransport auf dem Main kaum möglich gewesen wäre.
Der Main sei aber nicht nur Verkehrsweg, sondern auch Verkehrshindernis gewesen, da es früher nur wenige Brücken gab. Neben der Langen Brücke in Lichtenfels seien einst die nächsten Brücken in Hochstadt und Hallstadt gewesen, ab 1816 noch in Unnersdorf. Alfred Thieret