Friedrich Baur, Gründer des Stammunternehmens der Burgkunstadter Baur-Gruppe, war gleichwohl Visionär als auch Unternehmer mit sozialem Gewissen. Er realisierte als Chef des einst traditionellen Familienunternehmens Innovationen, die noch heute international Gültigkeit haben. Jetzt wurde ein Dokumentarfilm vorgestellt, in dem sein Wirken gewürdigt wird.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist kein Imagefilm, kein Werbestreifen - es ist ein 45-minütiger Einblick in das Denken, Wirken und Fühlen eines Mannes, der in Oberfranken mit seinem Unternehmen Bahnbrechendes geschaffen hat, dem die Region mehr als Arbeitsplätze zu verdanken hat. "Ein Leben voller Leben: Friedrich Baur - Ein deutscher Macher", so der Titel des Werkes, das vor rund 130 Personen Premiere im Kinosaal 1 der Neuen Filmbühne Lichtenfels feierte.

Udo Langer und Markus Häggberg

Geschaffen wurde das Werk, in dem vor allem Zeitzeugen zu Wort kommen von dem Burgkunstadter Werber, Musiker und Filmemacher Udo Langer und dem Lichtenfelser Journalisten Markus Häggberg. Auftraggeber war die Baur-Gruppe, die beabsichtigt, den in der Ich-Form Baurs gehaltenen Dokumentarfilm auf DVD zu veröffentlichen. Den Erlös, so Albert Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung der Baur-Gruppe, werde als Spende verwendet. Klein selbst stand im Vorfeld der Premierenaufführung gemeinsam mit Max Vogler, dereinst Einkäufer beim Baur-Versand, und dem Multitalent Udo Langer in einer einführenden Gesprächsrunde Rede und Antwort. Moderator war Manfred Gawlas, Pressesprecher der Baur-Gruppe. Und schon da gab es von allen Seiten ein Bekenntnis zu Friedrich Baur, kamen Episoden zur Sprache, die später im Film vertieft wurden.

In dieser Runde versäumte es Albert Klein auch nicht, auf den Ideengeber zum Filmprojekt hinzuweisen. Das war der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Rainer Hatzold, der ihn, angeregt durch eine Fernsehsendung, auf die Idee angesprochen hatte. Er habe gerne zugestimmt, da "der Innovator Baur", dem er sich in Sachen Wertevorstellung sehr verbunden fühle, ein Vorbild sehe. Dessen Maxime habe die Begriffe Ehrlichkeit, Wertschätzung, Kundenorientiertheit und Ertragsorientiertheit beinhaltet.

Im Rahmen des Vorgesprächs wurde auch deutlich, dass nicht nur Kreativität bei der Erstellung des Drehbuchs und dessen Umsetzung gefragt waren.

Es gab kaum Filmmaterial

Es bedurfte auch eine gehörige Portion Beharrlichkeit, die Langer und Häggberg an den Tag legen mussten. Schließlich habe es kaum Filmmaterial aus der Zeit Friedrich Baurs gegeben. "Die Realisierung war teilweise Detektivarbeit", so Langer. Und er betont, für ihn sei der Film eine Herzensangelegenheit, denn Friedrich Baur sei in seiner Heimatstadt Burgkunstadt "allgegenwärtig, immer nah und immer präsent" gewesen. "Friedrich Baur würde der heutigen Gesellschaft guttun, auch unseren Politikern, Unternehmern, und, und, und ...", sagte er. Denn, so Langer weiter: "Er war ein Großer, ein Macher". Max Vogler, ein Zeitzeuge, der 1959 im Einkauf bei Baur zu arbeiten begonnen hatte, legte Wert darauf, die soziale Komponente des Firmenpatriarchen hervorzuheben. Etwa, dass bereits damals nahezu "Lohngleichheit zwischen Mann und Frau bei Baur" bestand. "95 Prozent hatten den gleichen Lohn", konstatierte er.

Und er verwies darauf, dass man den Kunden Teilzahlungen ohne Aufschlag gewährte oder, dass 1962 nach der Sturmflut in Hamburg für die Kunden die Zahlung ausgesetzt worden sei. Dinge, die im Film durch weitere Zeitzeugen bestätigt werden. Dinge, die Friedrich Baur - er war Sozialdemokrat, Katholik und Freimaurer - zur geschätzten, ja sogar verehrten Unternehmerpersönlichkeit werden ließen. Seinen Mitmenschen war er bekannt als einer, der Verantwortung für seine Mitarbeiter, die Menschen, die Region und die Gesellschaft übernommen habe - immer in die Rauchschwaden seiner Zigarre gehüllt und einem Tropfen Riesling nicht abgeneigt.

Aber es gab wohl auch Ungereimtheiten in seinem Leben. Nicht unbedingt dunkle, aber weiße Flecken. Etwa sein Doktortitel (honoris causa), oder ein Uni-Besuch, ohne jemals das Abitur gemacht zu haben. Auch Affären wurden ihm nachgesagt - freilich ohne, dass ins Detail gegangen wurde oder gegangen werden konnte.

Überwogen haben aber ganz andere Leistungen, wie die Gründung des Schuhversandhauses Friedrich Baur am 1. Januar 1925, die Repressalien, denen er im Dritten Reich ausgesetzt war, die Gründung der Friedrich Baur GmbH am 29. September 1949 oder die Gründung der Friedrich-Baur-Stiftung am 14. Februar 1953. Friedrich Baur, das stellt das Filmporträt ungeschminkt ehrlich heraus, war ein Mensch mit Ecken und Kanten, ein reaktionsschneller Boxer und ein leidenschaftlicher Jäger.

Sein Geniestreich war aber die Einführung des Versandhandels und der Sammelbestellung sowie der Teilzahlung und des Rückgaberechts. Dinge, die heute im Online-Handel selbstverständlich sind. Seine Vorstellung, dass "ein jeder sich ein paar Schuhe leisten können" sollte, trieb ihn dazu an. Heute würde man ihn wohl als Jeff Bezos (Gründer von Amazon) von Oberfranken bezeichnen.