Draußen ist es noch kalt, drinnen schon warm. Das Rathaus in Marktzeuln wird bald fertig sein. Helle Farben prägen die Wände, die Heizung ist neu und denkmalgerecht. Gregor Friedlein-Zech (FW) geht die Wendeltreppe hinauf in den alten und bald auch wieder neuen Sitzungssaal des Marktgemeinderats. "Am Tag des offenen Denkmals, am 8. September, möchten wir hier fertig sein und die Türen öffnen", sagt er. Es wird ein Schmuckstück, und der Bürgermeister hofft nun, auch für die Kostenüberschreitungen noch Zuschüsse zu bekommen. Für eine kleine Gemeinde sind solche Projekte ungleich schwerer zu finanzieren als für größere. Rund 300.000 Euro des insgesamt rund 1,6 Millionen Euro teuren Projekts bleiben der Gemeinde.

Seit fünf Jahren ist Friedlein-Zech Bürgermeister in Marktzeuln. Er würde gerne noch weiter machen - trotz der Doppelbelastung von Beruf und ehrenamtlichem Bürgermeisteramt. Mit seiner Familie hat er das besprochen, und sie trägt das mit. Dann und wann stoße man natürlich auch an seine Grenzen, insbesondere wenn sich in Beruf und Bürgermeisteramt Phasen, in denen extrem viel zu tun ist, überschneiden.

Parkplatz und Treppenlift
Mitten im nächsten großen Thema steht er, wenn er aus dem Portal des historischen Rathauses hinaustritt. Genau dort, wo ihm jetzt ein Lastzug vor der Nase entlang fährt, möchte er einen Parkplatz für Behinderte schaffen, die dann mit einem Treppenlift leichter ins neue alte Rathaus gelangen sollen.

"In diesem Zustand ist der Schwerlastverkehr durch Marktzeuln fast nicht duldbar", sagt er. Also wird er durch den neuen Parkplatz erst einmal gebremst, bevor er ganz verbannt werden soll. "Wir wissen noch nicht genau, wie wir das angehen", sagt der Bürgermeister, der den Dialog mit dem Landratsamt in den kommenden Monaten in den Mittelpunkt rücken will. Doch aus seiner Sicht ist es in Marktzeuln geradezu grotesk: Einerseits ist der Ort touristisches Vorzeige-Objekt im Landkreis. Andererseits lange sich jeder Tourist, der hierher kommt, an den Kopf, wenn er die riesigen Laster durch die enge Ortsdurchfahrt rollen sieht. "Noch viel schlimmer ist es natürlich für die ganzen Anwohner."

Die Verkehrssituation zu verändern, wird ein Kraftakt. Da kann es nur gut sein, wenn möglichst viele Bürger engagiert dabei sind. In Marktzeuln gibt es derzeit drei Fraktionen im Gemeinderat. Friedlein-Zech ermutigt alle, ihre Ideen einzubringen. "Ganz egal bei welcher der Fraktionen." Nur so könnten sich die Räte eine breite Meinung bilden und hätten bei Entscheidungen einen Rückhalt.

Auch Trinkwasser macht Probleme
Das Thema "Trinkwasser" werde Einiges vom künftigen Bürgermeister, dem künftigen Gemeinderat und auch den Bürgern abverlangen. Das Trinkwasser aus dem Brunnen in Horb ist mit Uran belastet. Die Messwerte schwanken immer um den Grenzwert herum, deshalb hat das Landratsamt der Gemeinde eine Frist gesetzt: Innerhalb von drei Jahren muss sie das Problem lösen. "Wir möchten unsere eigene Wasserversorgung gerne behalten. Aber sie muss wirtschaftlich zu betreiben sein", sagt Friedlein-Zech.

Für ihn war es immer klar, dass er sich einsetzt: "Engagement in Vereinen lag mir immer schon am Herzen. Ich habe mich nie verschlossen, wenn es im Fußballverein ums Mitspielen, Mitmachen oder Organisieren ging."
Seit 1996 sitzt er im Gemeinderat, seit 2008 ist Friedlein-Zech Bürgermeister. Aus der Erfahrung heraus sagt er: "Ich kann jedem, der sich engagieren möchte, nur raten, sich für die Politik im Gemeinderat zu entscheiden." Der Weg bis zur Wahl sollte sachlich und ohne Verletzungen ablaufen. Nach der Wahl müsse man ja wieder zusammen anpacken.