Drei Zugaben und stehende Ovationen setzten einen fulminanten Schlusspunkt des Weihnachtskonzerts des Blechbläserquintetts Rekkenze Brass am Samstag in der Martin-Luther-Kirche in Lichtenfels. Mit glänzenden Trichtern nahm das Quintett Abschied von der Weihnachtszeit. Internationalen Potpourris, besinnliche Bläsermusik aus der Renaissance, festlich-strahlende Barockmusik und fröhliche Swingnummern begeisterten das Publikum. Perfektes Handwerk, ein nicht minder vollkommenes Gefühl für das Ensemblespiel, viel musikalische Spontaneität und große Freude am musikalischen Schabernack kennzeichneten das Spiel der Hofer Musiker.
Die Zuhörer tauchten ein in die wunderbare Musik der Blechbläser, genossen den einmaligen Glanz für Augen und Ohren, und erlebten Trompeterstolz, Hornromantik, Posaunenengel und Tuba-Entraden. Weiche Töne mit tiefsten Tuba- und Posaunenbässen durchdrangen das Klangbild von der Piccolotrompete zum Flügelhorn. Doch das Quintett verstand sich nicht nur auf klassische Werke. Seine feinfühlige Bläserkunst machte auch aus Broadway-Songs oder Jazz-Klängen ein ganz besonderes Hörerlebnis.
Zunächst erfreuten die Musiker mit bekannten Kompositionen. Zum Einstieg erklang Antonio Vivaldis Concerto für 2 Trompeten in C-Dur, das die Piccoloflöten dominierten. Bereits beim Präludium und Choral spürte man die Freude am Experimentieren. Das Thema des Chorals erfuhr Variationen, von Tuba und Posaune wurde es nur noch angedeutet.
Mit dem Zyklus vom Weihnachtsbaum erinnerten die Bläser an die frohe Weihnachtsbotschaft: "In dulci jubilo" jubilierten Posaunen und Trompeten.

Die jüngste des Quintetts, Elisabeth Nußrainer, gab eine deftige Weihnachtsgeschichte zum Besten, in der Opa ihr ein Gedicht vom Advent gelehrt hat: "Apfent, Apfent, der Bärwurz brennt. Erst trinkst oan, dann zwoa drei vier, dann hautsde mit dein Hirn an d'Tür". Obwohl dieses Gedicht recht schön sei, habe Mama gesagt, dass sie es sich nicht merken dürfe, so die Posaunistin.
Die Supertruppe, die ihr Können zusätzlich mit einem gesunden Schuss Komik zu würzen versteht, hatte sich zum Abschluss etwas Skurriles ausgedacht: Die Trompeter bliesen die weihnachtlichen Weisen in den Schalltrichter der Tuba. Tubist Rainer Streit wirbelte die Töne durch flinkes Ventilspiel durcheinander, während Posaune und Waldhorn ein Halleluja anstimmten. Dann füllte ein Potpourri mit Motiven aus der Schicksalssinfonie von Beethoven, der Kleinen Nachtmusik von Mozart und aus dem Reitermarsch des großen Kurfürsten den Kirchenraum. Der Tubist schwenkte dabei die Rassel und hämmerte mit der Klatsche, einem 500 Jahre alten "Schlag- und Züchtigungsinstrument", den Takt dazu.

Das Finale bildete ein Medley weihnachtlicher Filmmelodien mit dem Titel "Hollywood Christmas". Der anhaltende Beifall lockte die Musiker wieder zurück in den Altarraum. "Schuldbewusst" kehrten sie zum Thema des Abends zurück und ließen vor den Stufen des Altars das Weihnachtslied "Es ist ein Ros" entsprungen" erklingen. Bei der dritten Strophe "Das Blümelein so kleine, das duftet uns so süß", ließen sie die Instrumente sinken und sangen den Vers mehrstimmig aus voller Kehle - ein Sängerquintett war geboren.

Mit der dritten Zugabe verabschiedete sich Rekkenze Brass mit dem bekannten "Muss i denn zum Städtele hinaus". Ein Musiker nach den anderen nahm die Noten und entfernte sich aus dem Altarraum, bis nur noch Tubist Rainer Streit übrigblieb. Das Ensemble verstand es, das Publikum mit "Brasszination" zu faszinieren, das war die Art der Musikpräsentation, mit der es weltweit sein Publikum zu begeistern versteht. Die Faszination lag darin, mit Leichtigkeit, mit Charme und Heiterkeit aufzuzeigen, wie durchlässig die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Musikgattungen sein können. Und das mit Lupenreinheit bis ins letzte Kupfer-Zink-Molekül. Das Konzert wurde auch in diesem Jahr von der Friedrich-Baur-Stiftung unterstützt. Kirchenmusikdirektor und Regionalkantor des evangelischen Dekanats Michelau Klaus Bormann hatte es organisiert.
Die Mitwirkenden waren Benjamin Sebald (Trompete), Dominik Thoma (Trompete), Sebastian Krügel (Waldhorn), Elisabeth Nußrainer (Posaune) und Rainer Streit (Tuba).