"Ein Atomkrieg wäre wahrscheinlich der letzte Krieg, den die Menschheit führt. Die größte Katastrophe der Menschheit." Dies ist das Fazit eines nachdenklich machenden Vortrags des renommierten Journalisten und Buchautors Franz Alt. Die logische Konsequenz daraus: "Einer muss aufhören mit dem Wahnsinn". Franz Alt war Gast beim Neujahrsempfang des Lions-Club Lichtenfels am Montag im Lichtenfelser Stadtschloss.
Franz Alt, 1938 geboren, gehört einer Generation an, für die Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Gemeinsam mit Michail Gorbatschow hat Alt ein Buch herausgegeben mit dem Titel "Kommt endlich zur Vernunft - nie wieder Krieg". "Die Menschheit steckt in der Militarismusfalle", sagt der frühere TV-Moderator und Umweltaktivist. Den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Nordkoreas Diktators Kim Jong un bezeichnet er als "Hauptverrückte". Wenn Kim sage, er habe einen roten Atomknopf, dann kontert Trump mit der Aussage er habe einen noch größeren Knopf. Alle Atomwaffen zusammengenommen würden ausreichen, alles Leben auf der Erde mindestens 50 Mal auszulöschen und das für Millionen von Jahren. "Selbst wenn ich militärisch denken würde, dann müsste ich sagen einmal reicht", sagte Alt.
Es war 1985, als Michail Gorbatschow als erster Regierungschef abrüstete. Heute ist er der meistgehasste Mensch in Russland. Vor dem Hintergrund der derzeitigen atomaren Bedrohung brauche es eine weltweite Perestroika und Glasnost. "Im Geiste des Bergpredigers müssen wir mit dem Wahnsinn aufhören", forderte Alt. "Wenn du Frieden willst, musst du Frieden verbreiten", lautete sein Mantra. Er warnte davor, dass Terroristen die in der Eifel als Überbleibsel des nuklearen Wettrüstens lagernden US-Atombomben als mögliches Ziel auswählen könnten. Einer der beiden Todespiloten des Anschlags auf das World-Trade-Center vom 11. September 2001 soll Ähnliches erwogen haben. Er wollte seine Maschine in ein Kernkraftwerk nahe New York stürzen lassen. Davon habe ihn nur die Information einer erhöhten Überwachung des Luftraums über Atomkraftwerken abgehalten. Alt erinnerte an den Vorfall in den südfranzösischen Alpen vor knapp drei Jahren, als ein Copilot absichtlich gegen einen Berg steuerte und dadurch alle 150 Menschen an Bord starben.
"Der Klimawandel ist der 3. Weltkrieg", sagte Alt. Das Bevölkerungsproblem ließe sich durchaus lösen, wenn wir die Energiefrage beantworten würden, sagte er. Ein weiteres Thema, das der Referent ansprach, war die Religion. Franz Alt ist ein enger Vertrauter des Dalai Lama. Wie dieser beschäftigt sich auch Alt intensiv mit Fragen von Religion, Politik und Ethik. "Wir brauchen ein neues Denken", forderte Alt und stellte die Frage in den Raum: "Wann wollen wir endlich begreifen, das Ethik wichtiger ist als die Religion?". Irgendwann müssten auch wir begreifen, dass sich Konflikte auch anders lösen ließen als mit Waffen. Die Religion sei schon immer eine der Hauptgründe für Kriege gewesen.
Im Ranking der waffenliefernden Nationen stehe Deutschland an dritter Stelle. Allein das Gewehr G3 habe bereits zwei Millionen Menschen getötet. Alle am Syrienkonflikt beteiligten Nationen kämpfen mit deutschen Waffen. "Die Kriegsflüchtlinge fliehen nicht freiwillig", sagte Alt. Denn wer verlasse schon freiwillig sein Land?
Am Ende seines Vortrags gab der Referent seinen Zuhörern noch einige Ratschläge mit auf dem Nachhauseweg: möglichst Ökostrom verwenden, weniger Fleisch essen und auf die Kraft der Träume setzen. "Träume sind wie eine eingebaute Hausapotheke."
Ein Lob des Referenten erreicht auch den Präsidenten des Lions-Club Lichtenfels, Johannes Morhard, der im Vorfeld des Vortrags über die zahlreichen Aktivitäten berichtet hatte. In den vergangenen vier Jahren gelang es den Mitgliedern, bei verschiedenen Aktivitäten rund 130 000 Euro zusammenzutragen. Damit konnten sie dann verschiedene Projekte wie beiden Tafeln des Landkreises, die Typisierung von Knochenmarkspendern oder ihr kulturelles Engagement zu finanzieren. Darauf gingen auch Landrat Christian Meißner und Bürgermeister Andreas Hügerich ein und sagten Danke.