Die Schulklingel läutet, und viele kleine Füße stürmen auf den Pausenhof. Es wird klassenübergreifend Ball gespielt und das Pausenbrot verdrückt. In Schney soll, wenn es nach Schulleiterin Petra Reinhardt geht, ab dem kommenden Schuljahr nicht nur die Pause klassenübergreifend stattfinden. "Das würde den Schulstandort Schney sichern", sagt die Schulleiterin über die Flexible Grundschule, "bei den geringen Schülerzahlen müssen wir etwas machen."

Für das kommende Schuljahr werden zehn Erstklässler erwartet. 16 Kinder besuchen momentan die erste Klasse. "Es gibt zwei Möglichkeiten: Einmal die Kombiklasse oder die Flexible Grundschule", sagt Petra Reinhardt. Bei der Kombiklasse würde allerdings eine Lehrkraft weniger eingesetzt werden. Deshalb macht sie sich für die Flexible Grundschule stark. Damit würden zwei Klassen mit jeweils 13 Kindern im nächsten Jahr in der Schneyer Grundschule entstehen. Bei der Kombiklasse wären es 26 Kinder in einer Klasse.

Projekt in Bayern seit drei Jahren

Seit dem Schuljahr 2010/11 gibt es das Projekt Flexible Grundschule in Bayern. Dabei besuchen die Schüler der ersten und zweiten Schulbesuchjahre gemeinsam eine Klasse. Das gemischte Miteinander soll den Schülern die Chance geben, voneinander zu lernen. Der bayerische Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Ludwig Spaenle, schreibt in seinem Grußwort der Flexible-Grundschule-Broschüre: "Ziel ist es, den Grundschülerinnen und Grundschülern Wege zu eröffnen, die ihren unterschiedlichen Begabungen und Interessen sowie ihrer individuellen Lernentwicklung noch besser gerecht werden."

Die Regelzeit in der Eingangsstufe, die die erste und zweite Klasse ersetzt, beträgt ebenso wie bisher zwei Schuljahre. Durch die Flexible Grundschule sollen Kinder, die nach zwei Jahren noch nicht so weit sind, ein drittes Jahr in der Eingangsstufe verbringen können, ohne aus dem ihnen bekannten Klassenverband gerissen zu werden. Hingegen können Kinder, die sich besonders schnell entwickeln, bereits nach einem Schuljahr in die dritte Klasse kommen. Bei der Entscheidung über die Verweildauer arbeiten Eltern und Schule zusammen.

Im Schuljahr 2013/14 setzen bereits 89 Schulen das Konzept der Flexiblen Grundschule um. Bewerbungen für eine Teilnahme im kommenden Schuljahr sind noch bis Ende der Woche möglich.

Um einen positiven Bescheid zu bekommen, müssen aber zuerst einmal drei Faktoren der Umstellung zustimmen. Das Lehrerkollegium hat bereits grünes Licht gegeben. Bei einem Informationsabend am Mittwoch haben die Eltern und der Elternbeirat beraten. Auch sie müssen ihre Zustimmung erteilen. Als letzter Entscheidungsträger berät die Stadt am Dienstag Nachmittag im Hauptausschuss über eine Zustimmung.