Die Flechter wollen sich mehr Gehör verschaffen. Zum Korbmarkt stellten sie ihr Vorhaben vor, ihre Handwerkskunst in das Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufnehmen zu lassen. Doch was steckt hinter diesem Begriff?

Die Flechter sind dabei, wenn die Unesco Neuland betritt - zumindest in Deutschland. Denn hier wird erstmals eine solche Liste erstellt, erläutert Benjamin Hanke, Referent der Geschäftsstelle für das immaterielle Kulturerbe in Deutschland.

Flechten ist aber doch nun etwas ganz Konkretes, es gibt Körbe, Möbel und andere Dinge? "Nein, darum geht es nicht. Flechter haben ihr Handwerk von den Eltern gelernt oder von einem Meister. Das ist weitergegebenes Wissen, also nichts Materielles", unterstreicht Hanke.

Auf internationaler Ebene gebe es schon so ein Verzeichnis, gegliedert in drei Bereiche. "Deutschland ist aber erst 2013 Mitglied der Unesco-Konvention zu Erhaltung des immateriellen Kulturgutes geworden", erläutert Hanke. Deshalb beginnt man erst jetzt mit einer bundesweiten Liste.

Experten werden urteilen

83 Anträge seien eingegangen, bestätigt er. Wieviel es in die Liste schaffen ist nicht sicher. Denn darüber wird eine Expertenkommission urteilen. Dem 23-köpfigen Gremium gehören neben Experten auch Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Länder, der kommunalen Spitzenverbände und des Bundes Heimat und Umwelt an.

Den teilweise genannten Termin 3. Oktober für eine Entscheidung, welcher Antrag es in die Liste schafft, hält Hanke für etwas früh angesetzt: "Es wird wohl eher Ende Oktober werden." Bis dann die Bestätigung der Liste durch die Kulturministerkonferenz erfolge, werde es wohl Dezember werden.

"In dem Verfahren wird natürlich auch die Qualität einer Bewerbung geprüft", erläutert Hanke. Dass es alle 83 Bewerbungen in die Liste schaffen, hält er eher für unwahrscheinlich. Die Flechter gaben sich auf dem Korbmarkt allerdings optimistisch, diese Hürde nehmen zu können.

Sollten sie die Aufnahme in die deutsche Liste schaffen, könnte es weiter gehen. Die Unesco führt weltweit drei Verzeichnisse immaterieller Kulturgüter: eine so genannte "Repräsentative Liste", eine "Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes" und ein "Register guter Praxisbeispiele". Auch hier wird regelmäßig geprüft, ob die Liste erweitert werden muss. "Mehr als drei, eher nur zwei werden diesen Sprung bei der nächsten Prüfung aus der deutschen Liste nicht schaffen", vermutet Hanke. Und in welcher der drei Listen die Kunst des Flechtens landen könnte, liege auch daran, wie der Antrag formuliert sei. Eventuell wäre es auch günstig, sich mit Organisationen anderer Länder zusammen zu tun, um mehr Gewicht zu erlangen: "Die Internationalität des Flechtens ist hier sicher als Vorteil zu sehen."

Aber was bringt einem nun der Titel und die Aufnahme in solche Listen? "Es geht vor allem ums Prestige", erläutert Hanke. Direkte Geldzuwendungen gäbe es nicht, auch keinen besonderen Zugang zu Fördermitteln. Es liege an den Gruppen selber, was sie aus diesem Prädikat machten. Um ein Beispiel dafür zu finden, muss man sich übrigens nicht weit von Lichtenfels entfernen: Die Altstadt von Bamberg wurde 1993 in die Welterbeliste aufgenommen. Aber auch hier gibt es Bemühungen, mit zwei bekannten regionalen Eigenheiten in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco zu kommen: dem Bamberger Gärtnerland und der Sandkirchweih.

Zwei Vorhaben in Bamberg

"Die Bamberger Gärtnerei steht als Sammelbegriff für die Gärtnerstadt, die Menschen, die dort leben und arbeiten, die kulturellen Traditionen der Gärtner, deren Bau- und Wohnformen sowie das gärtnerische Brauchtum samt seiner religiösen Dimension, Kleidung und Sprache", schreibt das Zentrum Welterbe Bamberg (ZWB) der Stadt auf seiner Homepage. Was eigentlich auch eine Steilvorlage für die Bemühungen ist, die die Korbflechter in Lichtenfels erläutert haben. Schließlich dürfte es in Lichtenfels und Michelau ähnliche Dinge zu entdecken geben wie bei den Bamberger Gärtnern. Die Bamberger versuchen auch, die Sandkirchweih in die Liste des immateriellen Kulturgutes aufnehmen zu lassen, schließlich würden hier fränkische Traditionen bis hin zum Fischerstechen in besonderer Weise gepflegt. Ob man nun auch den Korbmarkt in Lichtenfels in eine solche Liste bekommen könnte?