Wenn Roberto Bauer aus dem Fenster seines Geschäfts schaut, hat er sie im Blick: die Lichtenfelser Innenstadt. Dass er selbst ein Teil von ihr ist, wird nicht nur durch die Lage von "ROB", seiner Herrenmoden-Boutique, direkt im Stadttor, ersichtlich. Organisiert hat er zum Beispiel über 16 Jahre lang das Stadttorfest, und mit den Erlösen Gutes getan - am offensichtlichsten wohl immer noch bei der Gestaltung der Unterführung der Coburger Straße. Zu viel hat er getan, als dass jemand dem gebürtigen Coburger nach über 40 Jahren in der Korbstadt noch etwas anderes als ein Herz für Lichtenfels nachsagen könnte. Und doch, er hadert.

Hadert damit, wie es läuft, mitten in Lichtenfels. Vor allem das Thema Innenstadtentwicklung bewegt ihn: "Bei einem Geschäft muss man wissen: Wer bin ich? Was will ich? Das Gleiche gilt für die Stadt, aber hier fehlt das Konzept", sagt er. In seinem eigenen Geschäft mit fünf Mitarbeitern basiert das Konzept darauf, den Kunden etwas Besonderes zu bieten. Er will sie nicht verkleiden, sondern bekleiden, wie er es ausdrückt. Den eigenen Stil betonen. Die kompetente Beratung mache den Unterschied, wofür er auch als Trendscout international unterwegs ist.

Stetiger Wandel - aber auf der Grundlage von bewusster Tradition - und die Nähe zum Kunden sind für ihn der Schlüssel zum Erfolg. Letztlich sage der Käufer nicht mehr "Das brauche ich", sondern "Das will ich". Immerhin gebe es heutzutage sieben Vertriebskanäle, kaufen können die Menschen praktisch überall. Durch seine Kundenorientierung sieht Bauer weder das Internet noch die "Vertikalen" - Unternehmen wie H&M, die vom Design bis zum Verkauf der Mode alles in der Hand haben - als direkte Konkurrenz. Hier herrsche ein ganz anderes Geschäftsmodell vor.

Innenstadt statt Zentren drum herum

Und die Entwicklung des "Geschäftsmodells" von Lichtenfels? "Das beste Einkaufszentrum ist immer noch eine Innenstadt, aber hier wurde der Fehler gemacht, außen herum Einkaufscenter aufzubauen, bevor der Stadtkern stark gemacht wurde." Auch sei das neue Fachmarktzentrum (FMZ) teilweise mit Märkten bestückt, die in Konkurrenz zu Geschäften in der Innenstadt stehen, und hätte daher nicht in dieser Art genehmigt werden dürfen.

Die Programme zur Aufwertung der Coburger Straße als Bindeglied zwischen dem FMZ und der Innenstadt nennt er "Makulatur" ohne absehbaren Effekt. "In den letzten Jahren sind viele Innenstädte plattgemacht worden, etwa durch Verkehrsberuhigung. Auch hier in Lichtenfels wird man über die abknickenden Vorfahrtsstraßen von der Innenstadt weggeleitet, kein Schild zeigt einem, wie man ins Zentrum kommt. Und am Ende landet man in einem Parkhaus, bei dem man von vornherein wissen muss, wie lange man in der Stadt bleiben will", macht er seinem Unmut Luft. Ein schlüssiger Plan zur Gestaltung fehle, und dieser müsse von oben kommen. Neben den Stadtplanern seien aber auch die Banken gefragt, die den Mut beweisen müssten, neue Ideen zu unterstützen, neue Existenzen in der Innenstadt aufzubauen.

Wer mit Roberto Bauer redet, merkt schnell, dass er mit Leidenschaft hinter der Stadt steht und ihre Entwicklung eine Herzensangelegenheit für ihn ist, nachdem er nun seit 27 Jahren sein eigenes Geschäft in der Innenstadt führt. Er war Teil des Wirtschaftsrates der Stadt, ist Mitglied im Stadtmarketingverein, vertritt Lichtenfels als Beirat der IHK Oberfranken. Keinesfalls ist er also jemand, der nur meckert und selbst nichts macht. "Wir gehören alle zusammen", begründet er sein Engagement trotz teilweiser Meinungsverschiedenheiten. Und er ist weiterhin begeistert von Stadt und Land: "Wir befinden uns hier in einer tollen Region mit vielen ansässigen mittelständischen Weltmarktführern in einer wunderschönen kleinen Stadt mit viel Potential. Aber um das auszureizen, muss sie gestaltet und nicht nur verwaltet werden." Die Stadt müsse eben attraktiv gemacht werden, damit Menschen auch dort wohnen, arbeiten, leben wollten. Und so lässt sich irgendwie auch Roberto Bauers Motto für seine Kunden , "Stilvoll sein - erfolgreich sein", mit der Stadt und ihrer Zukunft verknüpfen.