Der Türmer war nicht zu beneiden. Zwar hatte er eine prima Aussicht über die ganze Stadt, doch seine Aufgaben waren eng getaktet, wie man der historischen Dienstanweisung entnehmen kann. Unnötig zu erwähnen, dass von einer gemütlichen Wohnung nicht die Rede sein kann. Alles, was man benötigte, auch Wasser, musste getragen oder per Lastenzug hinaufgeschafft werden. Die abgemauerte Ecke zur Verrichtung der Notdurft will man sich gar nicht mehr so genau anschauen. Aber der Turm an sich ist natürlich ein Hingucker, er prägt das Stadtbild und weckt die Neugierde, ihn auch von innen zu erkunden und Lichtenfels von oben zu betrachten.


Schmale Holztreppen

Ein Aufstieg bleibt Besuchern aber schon seit vielen Jahren verwehrt. Und seit fast ebenso vielen Jahren besteht der Wunsch, den Turm wieder zugänglich und sogar zu einer touristischen Attraktion zu machen. Entsprechenden Anträgen im Stadtrat folgte baldige Ernüchterung, sobald man auf die Kosten zu sprechen kam. Um eine öffentliche Nutzung erlauben zu können, müssen Probleme des Brandschutzes und der Sicherheit gelöst werden. Die schmalen, mitunter ungleichen hölzernen Stufen sind nicht geeignet, um eine Besuchergruppe gelassenen Schrittes nach oben und wieder runter zu leiten. Das Geländer könnte enger gestäbt, der Handlauf griffiger sein. Und Schwingungen zu spüren ist auch nicht jedermanns Sache. Rauch würde hier wie in einem Schlot nach oben ziehen, auch ohne ein schlimmes Feuer könnten Menschen da in Panik geraten. Deshalb rät das beauftragte Planungsbüro dazu, brandschutztechnisch im Turm zwei Abschnitte zu bilden: die drei unteren und die drei oberen Etagen. Diese werden baulich so voneinander getrennt und mit einer sich bei Rauch schließenden Tür versehen, dass diejenigen, die weiter vom Ausgang entfernt sind, beruhigt auf Rettung über die Drehleiter warten können. Die Fenster müssen den Sicherheitsansprüchen angepasst werden, die Treppenstufen und Zwischendecken verstärkt. Das Brandrisiko soll zudem durch eine Stromspannungsumstellung und LED-Beleuchtung reduziert werden. Bei einer Gruppengröße von zehn Personen dürfte trotzdem Schluss sein.
Städtische Arbeiter haben zwar bereits mit dem Ausräumen des Turms begonnen, doch eine Zeitvorgabe für die weiteren Schritte gibt es nicht. Im Haushalt sind 250 000 Euro für die Umsetzung von Ideen aus dem Zukunftskonzept vorgesehen - die Wiedereröffnung des Turmes ist nur eine davon. Ulrich Sünkel vom Stadtbauamt nennt hierfür in einer "groben Kostenschätzung" einen Betrag von "knapp über 200 000 Euro, vielleicht auch etwas darunter". Eine Rolle wird es spielen, welche der erforderlichen Leistungen der Bauhof selbst übernehmen kann. Wohl auch deshalb will man zeitlich nicht unnötig Druck machen.