Es dauert nur ein paar Minuten, bis 23 Spiele in 23 Stoffbeuteln verschwinden, wohlbehütet von kleinen Händen, die sie nach Hause tragen werden. Denn die 23 Kinder der Spatzengruppe sind die ersten, die sich gestrigen Freitag im Franziskuskindergarten Spiele aus der neuen "Spielothek" ausleihen durften.
Stolz halten sie die Spiele in die Kamera und wollen damit fotografiert werden. Die Vorfreude auf den Spielenachmittag zuhause steht ihnen ins Gesicht geschrieben. "Wie Weihnachten - ein bisschen", bemerkt Christian Schober, der Vorsitzende des Elternbeirates. Und das Schöne an so einem Brettspiel ist ja, dass man nicht alleine spielen muss. Viele Kinder wissen schon, wen sie zu sich an den Spieletisch holen.


Wie fängt man Geist Hubi?

Der fünfjährige Lennox will mit seinen Eltern spielen und erzählt ganz begeistert, was man bei seinem Spiel alles machen muss, um den Geist Hubi zu fangen. Woher er das alles schon weiß? "Hat mein Freund auch", erklärt er. "Wir spielen fast jeden Abend", erzählt der sechsjährige Nils und fügt stolz hinzu: "Wir haben eine Spielesammlung!" Er hält die "Sau-Bande" in der Hand, eine große Schachtel mit einem Haufen Schweinchen, die sich mit Matsch bewerfen. "Das dreckigste Schwein gewinnt!", ist er sich sicher. Er will das Spiel heute mit seinem älteren Bruder Lars und seinen Eltern ausprobieren.
"Aber das müssen wir erst zusammenbauen", weiß er aus Erfahrung. Lennox und Nils wollen auch mal zusammen spielen, denn wie es sich so trifft, wohnen beide direkt nebeneinander. Die fünfjährige Leni kennt ihr Spiel "Balla Balla" noch nicht, das sie sich ausgesucht hat. Aber die aufgedruckten grinsenden Bälle wirkten einladend genug. Ein bisschen schüchtern nickt sie auf die Frage, ob ihr der Aufdruck wohl gefällt. "Mit Tim, Mama und Papa" wird sie das Spiel ausprobieren. Tim ist ihr Bruder.
Obwohl die Spiele für Zuhause gedacht sind, werfen Kinder und Erzieher ausnahmsweise einen Blick darauf. Mit einem staunenden langen "Oooh" sieht die vierjährige Lotta, die das Spiel anschließend mitnehmen darf, dabei zu, wie Erzieherin Barbara Hofmann den Karton mit der Aufschrift "Die verrückte Vogelscheuche" öffnet. Die Kinder verteilen die vielen Kärtchen auf dem Tisch und dann wird erst einmal gerätselt, wie denn nun was zusammengehört.
Während an dem einen Tisch noch gegrübelt wird, spielen die anderen schon "Fang die Maus" mit Erzieherin Sabine Dinkel. Schnell haben alle verstanden, dass man seine Maus, die am Ende eines Fadens angebunden ist, zum richtigen Zeitpunkt vom Spielfeld ziehen muss, um sie vor der Katze zu retten. "Schön", befindet Leni das Spiel und auch der dreijährige Luca, der es sich ausgesucht hat, ist ganz hingerissen.
Die Gruppe der Spatzenkinder ist die erste der drei Kindergartengruppen, welche die Spiele ausleihen darf. Bisher konnten die Kinder jeden Freitag ein Buch für eine Woche ausleihen. Ab jetzt soll freitags immer eine Gruppe Spiele ausleihen können.


Testlauf verläuft gut

Einige Eltern bestätigen, dass noch immer viel gespielt wird. "Wenn ein neues Spiel da ist, ist die Häufigkeit höher", sagt Schober. Dafür schafft die Spielothek beste Voraussetzungen. Bei einem Preisausschreiben des Vereins "Mehr Zeit für Kinder" hat der Kindergarten die Brettspiele und einige Spielzeuge gewonnen, einige Spiele wurden noch dazugekauft. Und der erste Testlauf mit Eltern am Vorabend verlief mehr als gut: "War ein lustiger Abend. Selbst die Erwachsenen haben Spaß an den Kinderspielen", so die Kindergartenleiterin Ines Fuchs. Und so sollte es ja auch sein. Denn nur wenn alle Spaß am Spielen haben, dann können alle eine schöne gemeinsame Zeit miteinander verbringen.