Es ist eine alltägliche Situation und doch eine Horrorvorstellung für viele Eltern. Eine Frau steht mit ihrem Kind im Kinderwagen am Bahnhof und wartet auf den Zug. Sie wird abgelenkt und lässt den Kinderwagen los. Durch den Sog eines vorbeifahrenden Zuges rollt der Wagen los und fliegt auf die Gleise - das Kind wird vom Zug überrollt und stirbt.

Eine nicht ganz so dramatische Situation erlebte Michael Fleischmann vor längerer Zeit mit: "Eine Mutter läuft mit Kinderwagen einen Hang hinunter. Plötzlich rutscht sie mit dem Fuß vom Bordstein des Gehwegs ab und lässt dadurch den Kinderwagen los." Zum Glück rollt der Kinderwagen in eine Einfahrt und nicht auf die Straße. Dem Kind passiert dadurch nichts.

Diese Situation bringt den Marktzeulner Michael Fleischmann zum Grübeln. "Ich habe mir gedacht, dass man sowas verhindern muss, denn das kann gefährlich werden."

Planungen beginnen

So begann er vor knapp vier Jahren mit der Entwicklung und Planung einer mechanischen Bremse für einen Kinderwagen. "Das war dann aber nicht so ganz das Wahre", sagt Michael Fleischmann.

Sein Cousin Hans-Jürgen Brunn baute dann einen Prototypen einer automatischen Bremse, der nun zur Serienreife ausgebaut wird.

"Bei der Firma Hofmann in Lichtenfels werden jetzt die Teile dafür mit einem 3D-Drucker hergestellt, um eine Serienherstellung zu ermöglichen", sagt Michael Fleischmann.

Den Prototypen haben die Cousins bereits patentieren lassen und der überzeugt bereits.

"Die Firma Gesslein hat uns dafür einen Wagen bereitgestellt, an dem wir den Prototypen bereits testen können und er funktioniert einwandfrei", sagt Michael Fleischmann stolz.

"Das Ziel war es eine Bremse zu entwickeln, die den Kinderwagen optisch nicht verändert, einfach zu bedienen ist und nicht auffällt", beschreibt Michael Fleischmann die Entwicklung.

Entwickelt wurde eine Funkbremse, die am Griff des Kinderwagens eingeschaltet werden kann. Sobald sich eine Hand am Lenker befindet, wird die Bremse aktiviert und ist für den Einsatz bereit. Über Sensoren erkennt das System dann, wenn sich keine Hand mehr am Lenker befindet. Der Wagen wird dann gebremst und kommt zum stehen.

Diebstahlsicherung eingebaut

"Zusätzlich dient der Schlüssel der Bremse auch als Diebstahlsicherung. Sobald diese vom Wagen entfernt wird, kann der Wagen nicht mehr geschoben werden", erklärt Michael Fleischmann.

Die Entwicklung war für Michael Fleischmann nichts neues. Er besitzt bereits mehrere Patente und hat eine Näherei für Kinderwagenausstattung.

In vier Wochen ist der Druck fertig, dann kann die Bremse bei Kinderwägen nachgerüstet werden. Allerdings nur bei Wägen mit Bowdenzug. Über einen genauen Preis für die Bremse kann er noch nichts sagen. Das sei erst möglich, wenn die Serienreife komplett abgeschlossen sei und gesagt werden könne, wie viel produziert werde.

"Es ist eigentlich nicht unser Ziel die Kinderwägen damit nachzurüsten. Es wäre viel sinnvoller diese Bremse direkt in die Kinderwägen zu verbauen", sagt Michael Fleischmann. Trotzdem will er gemeinsam mit Hans-Jürgen Brunn und Ralph Prestros, einem österreichischen Geschäftsfreund, die Nachrüstung auf den Markt bringen.

"Die Firmen sagen immer, es hat noch niemand danach gefragt, deswegen brauchen wir das nicht", sagt Michael Fleischmann. "Aber natürlich denkt man nicht daran, dass so etwas passiert, bis es zu so einer solchen Situation kommt. Und man könnte sie durch diese Bremse sehr leicht verhindern."

Denn es sind Alltagssituationen, bei denen solche Bremsen nützlich werden. Schnell lässt man mal die Hände vom Kinderwagen weg, weil man denkt, dass der Wagen auf einer ebenen Fläche steht. Weil man das Handy in der Hand hat oder durch etwas anderes abgelenkt wird.

Anfang muss gemacht werden

"Es wäre ein sehr guter Anfang, wenn die Firma Gesslein die Bremse in ihren Kinderwägen verbauen würde, denn wenn einer damit anfängt, dann ziehen alle mit. Mein größter Wunsch wäre es aber, wenn die Bremse zur Pflicht wird in den Kinderwägen, so wie das der 5-Punkt-Gurt bereits ist", sagt Michael Fleischmann.

Hier hofft er auf die Unterstützung von Landrat Christian Meißner (CSU) und MdB Emmi Zeulner, denen er den Prototypen bereits vorgestellt hat. " Es wäre gut, wenn die Bremse durch den DIN-Ausschuss als zwingend verbaut eingestuft wird."

Das wäre der Durchbruch auf dem Markt und das Ziel nach einem langen Weg. "Mein Cousin hat einmal gesagt, 'die viele Arbeit, die wir da reingesteckt haben, lohnt sich, wenn wir damit auch nur ein einziges Kinderleben retten können'. Und ich finde, damit hat er durchaus recht", sagt Michael Fleischmann.