Rund 86 Fanclubs des 1. FC Nürnberg gibt es im Bezirksverband Oberfranken/Unterfranken. Einer davon ist der Fanclub, bei dem Klaus Wehling den Vorsitz hat: der in Wiesen und Umgebung. Mit knapp 820 Mitgliedern ist er nach wie vor der größte in der Region - sogar in Deutschland. Identifikationsfigur war Gründer Otto Scheer aus Mürsbach im Kreis Bamberg. Er engagierte sich für seinen Fanclub bis er vor knapp zwei Jahren starb.

Scheer ist für viele eine Legende. Auch für Klaus Wehling, der das Erbe Scheers im vergangenen Jahr angetreten hat. Seit dessen Tod sind die Mitgliedszahlen um knapp 200 zurückgegangen, jedoch auch, weil der Club nicht die beste Zeit erlebt. "Wir wollen nicht unter 500 Mitglieder fallen", gibt Wehling das Ziel des neuen Vorstands vor. Der vierfache Familienvater ist überzeugt, dass es wieder bergauf geht: mit dem Club und dem eingetragenen Fan-Verein.

Dabei schlagen in Wehlings Brust zwei Herzen. "Ich war schon immer Schalke-Fan", sagt der 60-Jährige. Das komme vielleicht von seinem Vater, der Bergmann in Sachsen-Anhalt und Fußballlehrer war. Von klein auf stand Wehling also an der Außenlinie und trat in der Jugend selbst gegen den Ball.

Seit 1991 Mitglied

Vor der Wende noch floh Wehling mit seiner Frau Petra und den vier Kindern aus der DDR in den Westen nach Lichtenfels. Da Schalke und Nürnberg seit Langem eine Fan-Freundschaft pflegen, war es ihm ein Leichtes, sich dem Club anzuschließen. "Der Bäcker in Lichtenfels, bei dem meine Frau damals gearbeitet hat, der war ein heißer Fan!" Der hat ihn mal mitgenommen zum Fanclub Wiesen und Umgebung.

Klaus Wehling hat dann Scheer kennen gelernt und wurde Mitglied - das war 1991. Seitdem schlagen bei ihm zwei Herzen in der Brust: Und wenn es dann gemeinsam auf Schalke ging, war Wehling natürlich dabei. Zu seinen schönsten Erinnerungen gehört, als Nürnberg unter Hans Meyer den DFB-Pokal gewann. Ordentlich gefeiert wurde damals in einer Garage neben Wehlings Grundstück in Lichtenfels. Auch befreundete Schalke-Fans waren da. "Mit einem blau-weißen Schalke-Buggy!" Wehling muss heute noch lachen, wenn er daran denkt, wie sie damals mit dem offenen Buggy und den Nürnberg-Fahnen durch die Straßen gefahren sind.

Spenden für die OBA

Am Freitag, 30. Januar, nun findet die Bezirksversammlung den Fanclubs von Oberfranken und Unterfranken statt. Wehling organisiert diese gemeinsam mit dem ausrichtenden FCN-Fanclub Oberhaid '95. Dazu hat er extra mit seiner Frau Kerzen in Schwarzrot gegossen. Wolfgang Wolf vom Club hat sich angekündigt, ebenso zwei Aufsichtsratsmitglieder und eine ehemaliger Fußballprofi. Über 100 Gäste werden erwartet. Der Chef des Fanclubs Wiesen und Umgebung will ein Sparschwein in Club-Optik durch die Reihen gehen lassen, um Geld zu sammeln für die Offene Behindertenarbeit (OBA) in Bamberg. Eine Idee, die Wehling spontan beim Einkaufen kam.

Sieg im Auftaktspiel

Und nächste Woche? Tritt der 1. FC Nürnberg gegen den FSV Frankfurt an. Der 60-Jährige fiebert dann vor dem Fernseher mit. Dann hat er natürlich das FCN-Outfit des Fanclubs an, dass er sowieso die meiste Zeit trägt. Schließlich gehört das dazu. Wehling tippt ein 3:1 - für den Club. Ist ja klar. Dass der Verein sogar noch in dieser Spielzeit aus der Zweiten Liga aufsteigen könnte, hält er nicht für ausgeschlossen: "So lange es rechnerisch möglich ist, ist Hoffnung da!"

"Wenn man als Fan nicht optimistisch ist, ist man fehl am Platz." Die Einstellung hatte schon die Legende Otto Scheer vertreten, in seinem Sinne will auch Wehling den Fanclub weiterführen. "Ich versuche, gut zu organisieren", "den Otto" mit seiner speziellen Art, den könne und will der inzwischen in Hallstadt lebende Wehling gar nicht erst kopieren.