Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, die Lichtenfelser Bürgermeisterin Bianca Fischer, die Dritte Lichtenfelser Bürgermeisterin Monika Faber (SPD) und Landrat Reinhard Leutner - die nicht repräsentative Auswahl deckt ein breites Spektrum ab, sowohl politischer wie fachlicher Art.
Jeder beantwortete beide Fragen mit "Ja", wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten. "Wenn man Geschichte nicht überhaupt für unwichtigen Ballast hält, dann steht es Lichtenfels - und zwar nicht nur der Verwaltung, sondern allen Bürgerinnen und Bürgern - gut an, sich darauf zu besinnen und in der Konsequenz das bauliche Erbe zu pflegen", meint Günter Dippold.
Freilich solle die Eisenbahn nicht das Thema Korb überlagern, warnt er. Lichtenfels sei ein wichtiger Eisenbahnknoten unter vielen gewesen: Bamberg, Neuenmarkt, Hof - um nur drei oberfränkische Beispiele zu nennen. "Wenn es um die Imagepflege der Stadt geht, dann ist ein noch dazu gut eingeführtes Alleinstellungsmerkmal wichtiger: die Bedeutung von Lichtenfels für die Korbindustrie und umgekehrt." Und Wagenmaterial könne man schon in Neuenmarkt/Wirsberg und Nürnberg besichtigen: "Falls überhaupt, braucht Lichtenfels ein Eisenbahnermuseum." Die menschliche Geschichte spiele in den Museen nur selten eine Rolle.
Bürgermeisterin Bianca Fischer tritt auf die Euphoriebremse. "Wir haben eine Tradition als Eisenbahnerstadt. Darauf weise ich ja bei jedem Empfang hin." Sie sieht vor allem eine Menge ungeklärter Fragen, wenn es um das Thema Museum geht: "Das Konzept muss stimmen, die Finanzierung klar sein. Und man muss die Bahn fragen, was sie mit dem Gelände vor hat." Damit spielt sie auch auf ein Treffen mit Jürgen Franzke, dem Leiter des DB-Museums, an, das noch in diesem Monat stattfinden wird. Auch den Geldbeutel behält sie im Auge: "Die Stadt kann nicht alleine tätig werden."

Bekennender Bahn-Fan
Als bekennender Eisenbahn-Fan gibt sich Monika Faber zu erkennen: "Ein klares Ja. Lichtenfels soll sich zu seiner Eisenbahntradition bekennen. Die Bedeutung dieses Kapitels zeigt sich ja schon darin, dass wir das Bahnbetriebswerk haben sowie das repräsentative Bahnhofsgebäude. Die Stadt hat dadurch einst ihren Wohlstand erwirtschaftet. Auch der Korbhandel hätte sich ohne Bahn nicht so entfalten können." Ein Eisenbahnmuseum ließe sich auf vielfältige Art und Weise in das bestehende Angebot in Nürnberg oder dem Dampflokmuseum in Neuenmarkt/Wirsberg integrieren.
Landrat Reinhard Leutner sieht das Thema Eisenbahnmuseum vor allem als eine Angelegenheit, in der die Stadt den ersten Schritt gehen muss: "Dass ein Museum eine gute Sache ein könnte, daraus mache ich keinen Hehl. Aber das auf den Weg zu bringen, ist eine Aufgabe des Stadtrates von Lichtenfels. Ich werde mich bei der Frage um Unterstützung nicht verschließen. Es sind viele Dinge zu klären. Und man braucht jemanden, der die Angelegenheit federführend in die Hand nimmt."