Das Cello und das Klavier - wer begleitet in dieser Konstellation eigentlich wen? Diese Frage klärten im Kaisersaal auch Ulrich Witteler und Hisako Kawamura nicht abschließend. Gott sei Dank. Das Duo setzte beim neuerlichen Termin der Kammerkonzerte auf Kloster Banz auf Spannung und Gleichwertigkeit.

Kammerkonzerte auf Kloster Banz sind vormittags, Sonaten abende sind - abends. Will man beides kombinieren, wird es darum nicht kompromissweise Nachmittag. Aber immerhin zog sich das Geschehen in den frühen Nachmittag hinein, auch weil ein begeistertes Publikum noch Zugaben abverlangte.

Der "Sonaten-Abend um 11" sollte dem Solo-Cellisten der Bamberger Symphoniker und der mehrfachen Klavierpreisträgerin gehören. Nur wer ist Alfred Schnittke? Ein Mann des 20. Jahrhunderts, der sich um die Konstellation Cello/Klavier mit seiner Sonate aus dem Jahre 1978 verdient gemacht hatte. Schon der Aufbau, ein Presto zwischen zwei Larghi, nimmt gleichsam den fragenden Charakter seiner Sonate vorweg. Witteler ließ das Cello vor sich hinbrüten, und ein Dialog mit dem Klavier war nicht auszumachen.

Abrupt verstummt

Destruktive Schönheit, ganz in der Absicht des Komponisten. Aber an solchen Passagen entscheidet sich die Frage, ob sich ein Musiker nicht auf Kosten des anderen profiliert. Der schmale Grat zwischen Teamplay und Eigenständigkeit wurde stilsicher gemeistert. Mitunter wollte es scheinen, als bespiele Witteler gar eine zweite Spur, ein zweites Cello. Faszinierend gestaltete das Duo den präzise herausgearbeiteten kurzen Moment, in dem Kawamura einen nahtlosen Auftakt setzte, als Wittelers Cello just abrupt verstummte.

Weitere Höhepunkte des Werks und des Könnens waren das verstörend gestaltete Pizzicato Wittelers und das zeitweilig am äußersten Rande des C gespielte beschwörende Wehklagen des Flügels. Als Musik schlimmer Befindlichkeit - Schnittke war depressiv - trieb seine Musik im Presto einem vom Duo mitreißend gestalteten Crescendo entgegen.

Achim Melzer, künstlerischer Leiter der Kammerkonzerte, trat gleichfalls hervor. Launig erzählte er Anekdotisches, beispielsweise über Mozarts Ansichten zu Beethoven. Der fand im Spielplan auch Platz, durch seine Variationen über Mozarts "Ein Mädchen oder Weibchen".

Hisako Kawamura, Preisträgerin des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD, setzte Mozarts Verspieltheit Beethovens kühne Dynamik entgegen und hielt ihr Instrument zeitweilig kurz angebunden. Aber Ausbrüche in die Verspieltheit kamen vor und gelangen überzeugend. Weg von allen Lautmalereien bewegte sich das Duo hin zu Sergei Rachmaninoffs Sonate für Violoncello und Klavier in G-moll, op. 19. Hervorzuheben ist die Ausgestaltung des Andante, bei dem das Duo sich die Aufgabe des Tragens oder Brechens des Themas kunstvoll teilte. Ein gelungener Sonatenabend. Erst recht für einen Vormittag.