Angenommene Lage: Es brennt in der Viktor-von-Scheffel-Straße. Ein Zimmerbrand im dritten Obergeschoss. Sirenen heulen, überall ist Rauch. Etliche Bewohner des "Quellenhofs" haben sich auf ihre Balkone geflüchtet und warten auf Hilfe. Da rollen auch schon die Einsatzwagen der Feuerwehren aus Bad Staffelstein, Lichtenfels, Uetzing und Ebensfeld an.

"Vom Anruf in der Leitstelle bis zu dem Zeitpunkt, wo die Feuerwehr vor Ort ist, dürfen nur zehn Minuten vergehen", erklärt Kreisbrandmeister Siegfried Hammrich. "Heute haben wir's in knapp sieben Minuten geschafft", stellt er mit Blick auf die Uhr fest. "Aber das liegt natürlich auch daran, dass es eine geplante Übung ist." Der Großeinsatz in der Wohnanlage "Quellenhof" ist zum Glück kein Ernstfall, niemand ist in Gefahr, und die Leute oben auf den Balkonen sind nur herausgekommen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen.


Zuschauer sind willkommen

Mit einer Aktionswoche präsentiert die Feuerwehr zurzeit bayernweit ihre Arbeit. Auch die Feuerwehren im Kreis Lichtenfels beteiligen sich und haben bis zum Ende der Woche jeden Tag eine oder mehrere Übungen geplant, bei der Zuschauer willkommen sind. "Wir wollen zeigen, was wir können, und junge Leute für den Dienst bei der Feuerwehr begeistern", erklärt Kreisbrandrat Timm Vogler.

Zimmerbrand mit drei Brandherden steht heute auf dem Programm. Über ihren Piepser sind die Feuerwehrler zum Einsatz in Bad Staffelstein gerufen worden. "Gut 40 Leute sind insgesamt da", erklärt Hammrich. Jeder einzelne hat dabei seine Aufgabe und sein Spezialgebiet. Einsatzkräfte aus Uetzing legen ihre Atemschutzmasken an und stürmen ins Gebäude, die Lichtenfelser machen ihre Drehleiter startklar.

Anna-Maria Haas, ebenfalls von der Lichtenfelser Wehr, hält Lampe und Axt bereit. "Damit gehen wir jeweils zu zweit ins Gebäude, einer von beiden, der Truppführer, nimmt die Axt, um damit Türen aufzubrechen oder aufzuhalten, indem er die Axt als Keil benutzt. Die Lampe sorgt für bessere Sicht, wenn es verraucht ist oder der Strom ausfällt", erklärt die 22-Jährige.


Alle arbeiten zusammen

Alexander Klose und Florian Helmbrecht, auch sie sind Lichtenfelser, steigen in den Korb der Drehleiter. "Wir können die Leiter bis zu 30 Meter ausfahren", erklärt Klose. "Aber natürlich nicht, wenn sie stark geneigt ist. An die hinteren Balkone kommen wir so nicht ran." Deshalb es ist es wichtig, dass alle Retter zusammenarbeiten: Die Einsatzkräfte mit Atemschutzmasken suchen im Gebäude nach Personen, und bringen diese dann entweder über die Treppe nach draußen oder zu einem Punkt, der mit der Drehleiter erreicht werden kann, damit sie dort einsteigen können. "Wir sind schon so 30 bis 40 Mal pro Jahr mit der Leiter im Einsatz", sagt Klose.

In der Wohnanlage in der Viktor-von-Scheffel-Straße gibt es 44 Wohnungen mit 50 Bewohnern. Im Ernstfall müssten alle in Sicherheit gebracht werden. Heute dürfen sie aber im Gebäude bleiben, sagt Hausverwalter Jürgen Schedel. "Das wäre doch zu aufregend." Stattdessen helfen ein paar Jungs und Mädels von der Jugendfeuerwehr aus und lassen sich per Drehleiter vom Dach oder auf einer Trage aus dem Gebäude holen. Einer der Anwohner macht aber trotzdem mit: Georg Winkler lässt sich durchs Treppenhaus nach draußen bringen. "Das klappt alles", findet er. "Und die sind super ausgerüstet. Falls es hier wirklich mal brennt, kann man sagen: das funktioniert."

Nach einer knappen Stunde ist der Übungseinsatz vorbei, Helme werden abgesetzt, der Schlauch wird eingerollt. Die Piepser aber bleiben an. "Wir sind praktisch immer im Einsatz", sagt Anna-Maria Haas. "Feuerwehr ist ein Fulltime-Job."