Da sitzen sie nun auf ihrer Parkbank, ein Kassenpatient und sein nobles Gegenüber, der Privatpatient. Letzterer residiert in einer Villa mit allen Annehmlichkeiten, der andere hat sein Zimmer im sechsten Stock der Reha-Klinik mit "Stragula" als Bodenbelag. Während sein Gegenüber seinen Wagen direkt vor der Villa parken kann, mutet man dem Kassenpatienten angesichts eines Mangels an Stellplätzen einen Fußweg von 50 Minuten mit Koffern zu. Dies sei für einen Herzpatienten nicht schlimm, wurde ihn gesagt...

"Louh mer mei Rouh" heißt das jüngste Programm der beiden Vollblutkomödianten Martin Rassau und Bernd Ottinger. Rund 120 Gäste haben die restlos ausverkaufte Veranstaltung der Reihe "Kultur im Brauereisaal" in Loffeld besucht, die mehr als einmal die Gäste zu wahren Lachsalven hinriss. Selbst ein kompletter Bus aus Eisfeld war angereist.

"Wennst a Kassenpatient bist, bist du der Arsch", beschwert sich ein fränkischer Taxifahrer, der sich auf Kur in Bad Kissingen durch alle Behandlungsebenen frotzelt. Bad Staffelstein sei auch nicht so schlecht, heißt es da. Immerhin gebe es da ein besonders gutes Bier.

Wobei Bier kein Alkohol ist, gibt Martin Rassau zu bedenken. "Das ist bloß ein Wasser, das durch eine Brauerei gelaufen ist." Der Taxifahrer klärt sein Gegenüber auf, dass Fahrpläne heute "Unverbindliche Abfahrempfehlung mit Gleisbindung" heißen. Wie die beiden so dasitzen, kommen sie von Hundertsten ins Tausendste. Ihr Humor ist trocken zu nennen, das erfahren auch die Gäste aus Eisfeld. Typische fränkische Ausdrücke wie Holz-zam-ghackt oder gezu-bleib-da werden zelebriert. Auch der Faschingskrapfen bleibt nicht außen vor. Am liebsten habe man den mit Hiffenmark gefüllt, das beim Reinbeißen links und rechts herausquillt. Damit könne keine noch so kreative Neuerung mithalten.

Zurück zur Kur. Auch bei den Anwendungen unterscheiden sich die Patiententypen, wie weiter zu erfahren ist. Statt Boxspringbett in der Luxusherberge eine einfache Pritsche in der Kassenversion. Auch bei der Prostata-Untersuchung gibt es deutliche Unterschiede - hier trifft eine zarte Asiatin auf den Dorfschmied...

Irgendwann hat das Comedy-Duo dann die Lichterketten im Geldner-Saal entdeckt. "Die Lichterkette ist super", stellen die beiden fest. Und nein, es war nicht Balthasar Neumann, der für das Gewölbe verantwortlich zeichnete.

Bratwurstessen im Raucher-Eck

Das Essen ist auf Kur ein beliebtes, weil schier unerschöpfliches Thema. Allerdings dürfte es nicht so weit kommen, dass ein Bratwurstesser mit Rauchern gemeinsam vor der Tür des Lokals steht und seiner Bratwurst frönt. Ein gutes Bier schmecke auch warm, stellte Rassau fest. Zu Selfies stellte er trocken fest, dass wenn man 40 Versuche braucht, um ein halbwegs Brauchbares zu finden, man es einfach lassen sollte: "Dann bist du einfach hässlich."

Das Tempo des Komödianten-Duos ist hoch. Ein Gag jagt den nächsten, und das Publikum kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Was die beiden bieten, ist Gehirnakrobatik vom feinsten. Dass ein fränkisches Schäufele zu den Krustentieren gehört, dürfte auch noch nicht jedem bekannt gewesen sein.

Der Geburtstag eines hoch betagten Familienmitgliedes wird genauso aufs Korn genommen wie Helikoptereltern und die Unterhaltungen auf dem Friedhof. Kritik mussten sich auch die Coburger gefallen lassen, weil nach der Autobahnausfahrt Nord nicht etwa Coburg-Süd kommt, sondern gleich Suhl.

"Morgen werde ich bestimmt Bauchweh haben", erklärte eine Besucherin in Loffeld. Nicht etwa, weil sie etwas Falsches gegessen hätte, sondern weil Rassau und Ottinger so frisch, fröhlich, frech und vor allem fränkisch brillierten. Das geht dann schon auf die Lachmuskeln. Insgesamt war es ein unterhaltsamer Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.