Was haben Rathaus und Schule in Ebensfeld mit der Landkreisreform im Jahr 1972 zu tun? Die Architektur dieser am Ortsrand im Norden gelegenen Gebäude spiegelt wieder, dass sie in dieser Zeit geplant oder entstanden sind.
Doch sie sind auch ein Symbol der Veränderungen, die nach der Reform auch in Ebensfeld folgen sollten. Mehr Ausrichtung auf einen zentralen Ort, neue Strukturen in kommunalen Aufgaben wie Wasserversorgung. Es ist ein Prozess, der sich länger hingezogen hat - und in Teilen erst jetzt vor dem Abschluss steht.

Zweimal Storath


Einiges ist aber gleich geblieben: Der Bürgermeister heißt immer noch Storath, auch wenn der Vater von Bernhard Storath (CSU) damals erst Zweiter Bürgermeister war. Ganz an der Spitze stand Josef Storath (auch CSU) dann von 1978 bis 1996. Und auch ein paar andere Dinge haben sich nicht geändert: "Das Klinikum in Kutzenberg ist beispielsweise immer noch unser größter Arbeitgeber", sagt Bernhard Storath.
Die Marktgemeinde Ebensfeld wuchs zu dieser Zeit - wie der neue Landkreis Lichtenfels, der Teile des aufgelösten Landkreises Staffelstein, zu dem Ebensfeld gehörte. "Wir sind gleich die wichtigen Dinge angegangen", erinnert sich der Alt-Bürgermeister an die Zeit um 1972.
Dazu hätte unter anderem die Wasserversorgung gehört. Nicht alle Ortsteile, die heute zur Gemeinde Ebensfeld zählen, waren 1972 schon dabei. Freiwillig kamen Ober- und Unterküps mit ins Boot, erinnert sich Josef Storath. Kleukheim schloss sich erst 1978 an. "Ihr wollt nur unser Geld haben", habe er bei manchen Sitzung in den Ortsteilen zu hören bekommen, erinnert sich der Alt-Bürgermeister. Dabei sei Ebensfeld im Vergleich nicht ärmer gewesen. Auch dass Ortsnamen verschwinden könnten, sei eine Befürchtung gewesen. "Heute sind alle froh, dass sie zu uns gehören."
Wie nah Alt und Neu damals zusammenlagen, zeigt sich an einem Beispiel: Als der neue Landkreis Lichtenfels entstand, war Bernhard Storath gerade acht Jahre alt: "Ich erinnere mich noch genau, wie Fritz Wich mit Gaul und Gespann durch Ebensfeld fuhr und den Müll einsammelte." Ebenfalls als Kind besuchte er die damals ganz neue Schule am Ortsrand, wo damals neben der Firma Raab keine weiteren Gebäude standen.
1978 kam das neue Rathaus hinzu, heute entsteht weiter nördlich nicht nur ein neues Industriegebiet. Am Nordkreisel füllt sich das Baugebiet "Am Straßenäcker" - das Gesicht des neuen Ebensfeld.
In diesem Jahr wird Draisdorf ans Abwasserkanalnetz gehen, im nächsten Jahr soll Kümmel folgen. Dann fehlt nur noch eine Lösung für Niederau, listet Bernhard Storath auf. Von der Verwaltung her mache die Struktur der Marktgemeinde Sinn. "Und wir sind nicht so groß, dass den Bürgermeister nicht mehr jeder kennt. Das hat Vor- und Nachteile", lacht er.

Mehr Einwohner


Etwa 5800 Einwohner zählt Ebensfeld heute. 1978, als mit dem Rathausneubau begonnen wurde, waren es noch 5400 gewesen. Für die positive Entwicklung macht Storath auch die an Ebensfeld vorbeilaufende Autobahn verantwortlich, zur Zeit der Landkreisreform hatte Ebensfeld nur die Landstraße, die heute noch durch den Ort führt. "Das ist das Entscheidende." Der Verkehr habe insgesamt zugenommen: "So wie wir früher auf der Straße Fußball spielten, das geht heute nicht mehr." Auch der Tourismus habe sich, bedingt durch das nahe Thermalbad in Bad Staffelstein, entwickelt: "Im Jahre 1972 war das noch kein Thema."

Blick auf die Ortsteile


Angekommen in der neuen Zeit? Ja, auch in einer anderen Art und Weise. Während in der Zeit, als sein Vater Bürgermeister war, der Blick auf das Moderne und Zentrale gerichtet wurde, gilt heute, wo Bernhard Storath an der Spitze steht, die Aufmerksamkeit auch den Ortsteilen, die ihre Identität behalten sollen. "Es muss in jedem Ort eine Kirche geben und ein Wirtshaus, oder einen anderen Ort wie ein Gemeinschaftshaus, wo die Leute sich treffen können." In Kümmel wird demnächst so ein Haus durch die Unterstützung der Dorfgemeinschaft entstehen. Die Vorbereitungen laufen.
Es gibt auch Verluste, mit denen ein Stück des Ortes verschwindet: Der letzte Bauer mit Kuhhaltung in Ebensfeld, Georg Merklein, hat erst vor kurzem mit der Milchviehhaltung aufgehört. Und der Bahnhof, der seit rund 160 Jahren zu Ebensfeld gehört, muss der neuen ICE-Trasse weichen und wird abgerissen.