"Wir versuchen außergewöhnliche Ideen umzusetzen", beschreibt Michael Lieb das, was seit 1987 alljährlich in der Humorwerkstatt des Staffelsteiner Karnevals-Klubs (SKK) ausbaldowert wird. Was der Verein mit rund 200 Mitgliedern erreichen will, umschreibt Michael Hess so: "Spaß, gute Laune, mal Fünfe grade sein lassen und das Stadtgeschehen auf die Schippe nehmen." Jürgen Ullmann findet das Mitmachen bei der heiteren Truppe gut, "weil man seinen Ideen freien Lauf lassen kann". Und Präsident Matthias Graß scherzt: "Fasching ist, wenn der Haussegen schiefhängt."

Seit über 30 Jahren sorgen die Narren des SKK für Heiterkeit im Fasching. Am 11.11., beim Rathaussturm mit Elferratssitzung, greifen sie alljährlich lokale Themen auf. Schwarzer Humor ist ihr Markenzeichen. Dabei sagen sie keine Unwahrheiten, sondern kommentieren überspitzend, was real passierte. Gerne zwicken sie Lokalpolitiker auf - "politisch nachfrotzeln, ohne jemanden bloßzustellen", nennt Michael Hess das. Und Michael Lieb umschreibt es so: "Wir machen ja nicht nur Quatsch - wir denken uns was dabei. Wir sagen durch die Blume, wenn etwas nicht so optimal läuft." Matthias Graß ergänzt: "Ein Hofnarr darf viel sagen, was andere nicht sagen dürfen."

Einmal trat der SKK sogar mit einer eigenen Stadtratsliste an, gab im Bürgermeisterwahlkampf Stimmzettel an die Saalbesucher aus. Das Ergebnis in der Halle lag ziemlich nah am amtlichen Endergebnis, erinnern sich die Narren noch heute mit großem Amüsement.

Der SKK-Ball in der Adam-Riese-Halle ist mit 1300 Besuchern eine der größten Faschingsveranstaltungen der Region. Seit über 30 Jahren gibt es diesen Ball bereits, der manchmal noch durch eine Prunksitzung ergänzt wurde.

Ein Grund, den SKK aus der Taufe zu heben, war laut Gründungsmitglied Michael Lieb, "dass nix los war". Worauf die SKK-Mitglieder stolz sind: Jedes Jahr wurde eine neue Dekoration geschaffen, die zum Jahresmotto passte. Die Gäste honorieren das, sagt Michael Lieb. Immer mehr Ballbesucher verkleiden sich so, dass sie dem Motto entsprechen (heuer: "Fabelwesen und Magie, der SKK weckt Fantastie!"). In diesem Jahr waren es über 100 Personen, die an der Maskenprämierung teilnahmen.

Eine Handvoll Leute bauen die Deko, wobei sie bereits im Herbst damit beginnen. In einer Scheune in der Staffelsteiner Altstadt befindet sich das Atelier der Karnevalisten. Dort entstehen nach vorheriger Festlegung des Mottos die handbemalten Tafeln der Saaldekoration. Noch nie in den drei Jahrzehnten wiederholte sich ein Motto. Eine kleine Auswahl der Themen: "Eine Nacht in Disney's Land",

"Arabische Nächte", "Raumschiff SKK", "Käpt'n Nemo und die Unterwasserwelt", "Der SKK zur Ritterszeit - da lacht die Hex', der Hofnarr schreit", "SKK - Der Dschungel bebt", "Hollereidudljö! Almabtrieb und Après-Ski - zum SKK do gemmer hie!", "Wild Wild West - Showdown in Bad Stone City". Das Motto darf nicht zu speziell sein, sagen die Macher, um die Leute bei der Kostümwahl nicht zu sehr einzuschränken. Die Alterspyramide bei den Bällen sei gut strukturiert, auch darauf sind SKK-Mitglieder ein wenig stolz. "Wir haben es geschafft, auch das junge Publikum von Anfang an drin zu haben, das sonst erst um halb elf weggeht", resümieren sie.

Was am 11.11. beginnt, endet am Faschingsdienstag. Beim SKK wird der Fasching bei Kehraus im "Angerstübla" traditionell begraben. Nur symbolisch natürlich, denn einige Monate später geht's für den SKK in die neue Saison.