"Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nehmen wir Abschied von Michelau und seiner Kirchengemeinde." Das Pfarrerehepaar Birgit und Roland Höhr macht keinen Hehl daraus, dass sich in die Vorfreude auf die neue Aufgabe auch die Trauer über die zu Ende gehende Tätigkeit in der Korbmachergemeinde mischt.
Zehn Jahre lang waren beide hier seelsorgerisch tätig. Am morgigen Sonntag findet die offizielle Verabschiedung mit einem Gottesdienst (14 Uhr) und einem anschließenden Empfang im Gemeindezentrum statt.


Pfarrstelle geteilt

Birgit und Roland Höhr kennen sich seit 1993. Sie waren das erste Pfarrerehepaar in der Michelauer Gemeinde. Dass sich beide dabei eine Pfarrstelle teilten, wurden von einigen Gemeindegliedern anfangs nicht so recht verstanden. Für Birgit und Roland Höhr war es die zweite Pfarrstelle. Nach dem Vikariat im Schwarzwald hatte Roland eine Zeit lang als Religionslehrer an Berufsschulen gearbeitet. Von 2001 bis 2004 leistet Birgit Höhr ihr Vikariat in Gleisenau bei Bamberg. Von 2004 bis 2008 folgte die erste gemeinsame Pfarrstelle in Thierstein (Fichtelgebirge). Mit der geteilten Stelle hatten beide keine Probleme. Im Gegenteil: "Wir fanden es schon als Vorteil, weil wir und gut ergänzen in unseren Stärken und Vorlieben." Und schließlich waren beide auch in zwei Gemeinden tätig.


In die Pflicht genommen

Anfangs wechselseitig, später dann betreute Birgit Höhr mehr die Gemeinde Neuensorg und Roland Höhr in Michelau. Die Anfangsjahre waren etwas schwierig, nicht nur wegen der Aufteilung der Stelle. "Die Anforderungen, die von der Gemeinde gestellt wurden die waren doch sehr hoch", lässt Roland Höhr hinter die Kulissen blicken. Vielleicht liegt das ja auch daran, dass es in Michelau nie eine komplette Vakanz gab. "Es war immer ein Pfarrer da", erklärt er. Die Gemeinde war nie auf sich selbst gestellt. Beide hatten manchmal den Eindruck, einzelne Gemeindeglieder sehen den Pfarrer "in die Pflicht genommen". Entsprechen wird auch bewertet. "Wir können damit umgehen" betonen beide.
Doch damit kein falscher Eindruck entsteht: "Wir haben uns hier sehr wohl und angenommen gefühlt." Dennoch ist ihnen der Unterschied zwischen der jetzigen und der künftigen Gemeinde sofort aufgefallen. Auch zwischen Michelau und Neuensorg waren Unterschiede spürbar.
Sobald das Pfarrhaus bezugsfertig ist, wechseln beide nach Herrieden im Dekanat Ansbach. Dort wartet eine Gemeinde mit 2040 Gemeindemitgliedern auf sie. Es ist eine junge Gemeinde im Dekanat Ansbach, die erst vor 16 Jahren selbstständig geworden ist. Die eigenständige Stadt hat 8000 Einwohner (überwiegend katholisch).
Auch in Herrieden teilen sich Birgit und Roland Höhr eine Stelle, doch es besteht die Chance dass diese Stelle auf 1,5 Stellen aufgestockt wird. Die Gemeinde ist offen für neue Ideen. Da gibt es selbst einen Männerkreis, was wohl in Michelau schwer vorstellbar wäre. Schon jetzt ist ein Willkommensgottesdienst mit allen Gruppen und Kreisen geplant. Die Vorfreude und die Spannung auf das Kommende sind also verständlich und bedingen das lachende Auge. Doch den beiden ist auch bewusst, was sie zurücklassen. "Es war überwiegend sehr schön hier, und wir haben sicherlich manches bewegen können und viele Freunde gefunden." Ausdrücklich loben sie die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen im Dekanat. Die Gottesdienste am Waldkreuz und die Predigtreihen über die Gemeindegrenzen hinweg sind ein schönes Beispiel dafür, ebenso die Vertretungen, wenn die Zahl der zeitgleichen Aufgaben wieder einmal angewachsen war. "Man kennt die Menschen hier und ihre Schicksale, und das verbindet." Hinzu kommt die wunderschöne Gegend. "Der Gottesgarten am Obermain", dieses Prädikat habeschon seine Berechtigung, weiß nicht nur Birgit Höhr. Und dass jede Kirchengemeinde ihre eigene Prägung hat, das macht die Arbeit als Seelsorger spannend.
Die Ausschreibung im Amtsblatt für ihre Nachfolge in Michelau wird demnächst erfolgen. Mit der vorgeschriebenen Vakanz von sechs Monaten muss die Korbmachergemeinde leben.