Ein wichtiges Etappenziel der größten Bahnbaustelle Deutschlands ist erreicht: Am Dienstag feierte die Deutsche Bahn mit einem Brückenfest auf und an der 219 Meter langen ICE-Mainbrücke zwischen Wiesen und Unterzettlitz die Fertigstellung aller 29 Brücken auf der 107 Kilometer langen ICE-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt. An den offiziellen Teil am Vormittag schloss sich ein Bürgerfest am Nachmittag an, mit dem die DB-Netze allen Anwohnern der Trasse für ihre Geduld und ihr Verständnis für all die Beeinträchtigungen während der Bauphase danken wollte.

Als wichtigen Meilenstein für die gesamte Strecke bezeichnete der Konzernbeauftragte der DB-Netze für Bayern, Klaus-Dieter Josel, den Abschluss der Brückenbauarbeiten.



Er lud die Besucher ein, bei dem sonnigen Herbstwetter eine Wandertour auf der künftigen ICE-Trasse durch Franken und den Thüringer Wald zu unternehmen - dabei könnten sie sich davon überzeugen, dass die 22 Tunnel und 29 Brücken sehr behutsam in eine schöne Landschaft eingepasst wurden. Fast die Hälfte der 107 Kilometer langen Strecke führe über Brücken oder verlaufe unter der Erde.

Kokurrenzfähigkeit gesteigert

Die fertige Trasse werde ab 2017 die Attraktivität der Bahn steigern, fuhr Josel fort. Im Endausbau werde der Reisende die Strecke Nürnberg-Erfurt in einer Stunde und 20 Minuten zurücklegen; die Fahrt von Bamberg nach Erfurt dauere nur 50 Minuten. Ab 2017 werde es möglich sein, in rund vier Stunden von München nach Berlin zu fahren. Die Bahn sei dann konkurrenzfähig zu Verkehrsmitteln auf der Straße und in der Luft. "Das ist eine neue Dimension im Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland."

Hans-Peter Böhne, Leiter der Verkehrsabteilung im bayerischen Innenministerium, maß "dem heutigen Brückenschlag eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung" zu: 25 Jahre nach dem Mauerfall sei diese Verkehrsverbindung sehr wichtig für Deutschland. "Über 29 Brücken musst du geh'n", sagte er in Anlehnung an das bekannte Lied der ostdeutschen Band "Karat" aus dem Jahr 1979. Auf die Einladung Klaus-Dieter Josels zum Wandern auf der ICE-Trasse anspielend fügte er hinzu: "Aber eigentlich ist es ja verboten, auf Bahnstrecken zu laufen." Fertig sei längst noch nicht alles, ergänzte Böhne. In Bamberg müsse die Stadtdurchfahrt noch gestaltet werden, und die Anbindung von Coburg sei ein Dauerbrenner. Was den ICE-Halt in der Veste-Stadt betreffe, müsse die Bahn noch nachbessern: "Für Coburg brauchen wir mindestens alle zweieinhalb Stunden einen ICE-Halt."

Fast sieben Jahre Bauzeit

"Wir haben noch ein gehöriges Stück vor uns", sagte Olaf Drescher, der DB-Gesamtprojektleiter für die Trasse Nürnberg-Berlin. Der Abschluss der Ingenieurbauwerke stehe bevor auf einer Strecke, die insgesamt 56 Kilometer Tunnel umfasse sowie 11,5 Kilometer Rettungsstollen und Zufahrten. Auf die bisher fast siebenjährige Bauphase eingehend sagte er, dass es gelungen sei, die Planung vom Anfang der 1990er Jahre auf den heutigen Stand der Technik fortzuschreiben. Gleichwohl sei die zweigleisige Bauweise der Tunnel in einer Röhre heute überholt, "wir bauen heute nur noch eingleisige Tunnel." Zur Gestaltung der Trasse sagte Drescher: "In ein paar Jahren werden die Wunden, die wir in die Natur geschlagen haben, verheilt sein." Der menschliche Geist besitze hier einen großen Vorzug: "Mit dem Fortschreiten der Zeit bleibt immer die positive Erinnerung, und das Negative verblasst."

An die Reden schloss sich eine Präsentation aller Brücken der Neubautrasse an. Silvesterböller begleiteten das Entrollen von 29 Transparenten auf der dreibogigen Mainbrücke. Auf den Stoffbahnen wurden die 29 Brückenbauwerke mit Bilder und Fakten vorgestellt. Ein Hochfeuerwerk bildete den Abschluss des offiziellen Teils.
Am Nachmittag nutzten viele Bürger das sonnige Wetter zu einem Spaziergang über die neue Mainbrücke.