Am Ende wird alles aus einem Guss sein, künstlerisch gesehen. Denn beide Denkmäler in der Bahnhofstraße wurden vom selben Künstler gestaltet: Andreas Krämmer aus Seßlach. Bereits im November 2009 wurde das erste Werk, das Adam Riese mit einem Schüler zeigt, in der Nähe des Rathauses eingeweiht. Und es wird nun vermutlich wenigstens 2019 werden, bis Teil 2 folgt. Was zeigt: Die Umgestaltung der Bahnhofstraße läuft schon recht lange.

Es gibt in der Stadt bereits einen in Bronze gegossenen Entwurf im Maßstab 1:10, doch bis zur Originalgröße steht noch viel Arbeit bevor.

Schon der Weg davor war nicht einfach: "Das Erste ist natürlich, dass man sich mit der Person selber beschäftigt", sagt Andreas Krämmer. Im Fall von Victor von Scheffel konnte er auf fundiertes Material zurückgreifen. Natalie Gutgesell, die in Lichtenfels lebt, hat 2014 über das Werk des Dichters promoviert. "Zudem gab es von Scheffel auch schon aus jüngeren Jahren ausdrucksstarke Fotos und Zeichnungen."

Büste oder Standbild kamen von Anfang an nicht in Frage: "Und es musste etwas mit der Situation in Bad Staffelstein zu tun haben." Der Bezug zum Frankenlied, dessen Text er bei einem Aufenthalt in Banz 1859 schrieb, war natürlich auch einzubeziehen.

Doch schon im September 1845 war Scheffel am Obermain unterwegs, auf einer Reise nach Berlin, um dort zwei Semester zu studieren. "Sein Vater wollte, dass er Jurist wird, Scheffel aber wollte sich selbst verwirklichen, und das hat etwas ganz Modernes, unabhängig vom Inhalt seiner Texte."

Ein Scheffel im Aufbruch, zeitgenössisch gekleidet, in lockerer Haltung, im jugendlicher Ausstrahlung wird seinen Platz in der Bahnhofstraße finden. Damals schwankte er noch, ob er nun Maler oder Dichter werden sollte.

Auch wenn dieser künstlerische Teil der Gestaltung weitgehend abgeschlossen ist, der handwerkliche ist es noch lange nicht. Für den Scheffel im Maßstab 1:1 wird Krämmer eine Gipsfigur erstellen, die die Ausgangsbasis für alle weiteren Schritte bilden wird.

Von ihr wird eine mehrteilige Negativform, ebenfalls aus Gips, abgeformt, im Anschluss mit einer dünnen Wachsschicht ausgekleidet, die so entstandenen Formteile schließlich zusammengesetzt. In diese Form kommt flüssiges Wachs, das kurze Zeit später wieder herausgegossen wird, so dass sich eine etwa fünf Millimeter starke Schicht bildet.

Die so entstandene Figur wird dann innen mit einem keramischen Material gefüllt, mit dem selben Material wird außen eine zweite Negativform aufgetragen. Beide Formen, der innere Kern und die äußere Hülle, werden mit Nägeln verbunden, dazu noch Gusskanäle aus Wachs angelegt. Dann wird die Masse mehrere Tage gebrannt, das Wachs läuft heraus. So entsteht die Form, in der die Bronzelegierung mit etwa 1100 Grad eingegossen wird.

Die Figur wird nicht an einem Stück gefertigt werden, sondern in mehreren Teilen, die am Ende miteinander verschweißt werden. Auch müssen die Nägel noch herausgelöst, ebenso die Spuren der Gusskanäle beseitigt werden.

Adam Riese kam übrigens 2009 etwas zu spät, die Herstellung dauerte länger als vorgesehen. Eigentlich sollte das Ensemble schon im März zu den Feiern zum 450. Todestag stehen, es wurde dann November. Die Bad Staffelsteiner nahmen es am Ende mit Humor - und hatten damals einen Grund, gleich zweimal zu Feiern.