Was passieren kann, wenn auf der ICE-Strecke ein Unglück geschieht, das spielten Gerhard Elflein und seine Leute in den vergangenen Jahren wieder und wieder durch. Zusammen mit der Deutschen Bahn erstellten sie ein Katastrophenschutzkonzept, das vor allem die drei Tunnel im Kreis Lichtenfels berücksichtigt.

Zahllose Stunden verbrachte Gerhard Elflein im Einsatz unter der Erde. Gemeinsam mit Siegfried Hammrich begleitete er die Bauarbeiten. Beide kümmerten sich zunächst um die Sicherheit der Bauarbeiter. Es galt aber, langfristig sicherzustellen, dass bei einem künftigen Notfall im Tunnel optimale Einrichtungen zur Verfügung stehen: Rettungsschächte und Brandmeldeanlagen, befahrbare Stollen, Löschwasserbehälter und fest installierte Rohrleitungen sowie das erforderliche Gerät zur Rettung von Menschen. Denn sollte jemals ein ICE in einem Tunnel stehen bleiben, dann müssen bis zu 700 Passagiere aus dem Zug geholt und ins Freie geleitet werden.

Große logistische Aufgabe

"Für mich war das eine Mammutaufgabe", sagt Gerhard Elflein. Vor allem für die Übungen in den Tunneln seien umfangreiche Vorbereitungen erforderlich gewesen, weil viele Einsatzkräfte in die Verfügungsräume herangeführt werden mussten. Allein für die Katastrophenschutz-Vollübung im Tunnel Eierberge am 23. September 2017 wurden rund 650 Einsatzkräfte gebraucht. Zwischen Ebensfeld und Erfurt, schätzt Gerhard Elflein, seien rund 30 größere Übungen dieser Art abgehalten worden, bei denen die Feuerwehren und Rettungsorganisationen mehrerer Landkreise zusammenarbeiteten.

"Es war schon manchmal ein Kampf mit der Bahn, um das zu erreichen, was aus unserer Sicht nötig ist", schildert der 62-Jährige die oft zähen Verhandlungen, die Kreisbrandrat Timm Vogler und er zu führen hatten.

Keiner war länger Kommandant

Begonnen hatte Gerhard Elflein seine Laufbahn am 1. Januar 1974, als er der Feuerwehr Birkach beitrat. 34 Jahre führte er seine Heimatwehr als Kommandant, bis er 2012 zum Kreisbrandinspektor ernannt wurde. Wenn er zurückblickt, tauchen viele Bilder auf, die sich bei Einsätzen in sein Gedächtnis einbrannten. Tödliche Autounfälle, die Bergung Schwerverletzter, Menschen vor ihren brennenden Häusern. Über diese Schicksale mache er sich immer wieder seine Gedanken. So banal das auch klingen mag: Ein gutes Zeichen sei immer gewesen, wenn man mit den Unfallopfern noch reden konnte, denn dann waren sie zumindest noch am Leben.

Psychologische Hilfe ist gut

Dass es heute die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) im Landkreis Lichtenfels gibt, findet Gerhard Elflein sehr gut. Zu seiner Anfangszeit bei der Feuerwehr sei jeder nach dem Einsatz alleine nach Hause gegangenen - auch wenn er kurz zuvor Traumatisierendes erlebt hatte. "Dass man danach nochmal zusammensitzt, ist wichtig - und dass darüber geredet wird, damit keiner mit seinem Bild im Kopf allein gelassen wird."

Für Gerhard Elflein endete am 31. Januar zwar die Zeit als KBI, nicht aber als Feuerwehrmann. Im Kreis Lichtenfels gilt der Grundsatz, dass die Dienstzeit von Führungskräften mit Erreichen des 63. Lebensjahrs endet. Normale Feuerwehrleute dürfen in Bayern jedoch bis zum 65. Lebensjahr mitwirken. Genau das wird Gerhard Elflein bei seiner Birkacher Wehr tun - "wenn Not am Mann ist."

Hobby Angeln und der Enkel Leo

Langweilig wird sein Leben künftig sicher nicht - dafür sorgt schon der zehn Monate alte Leo, sein erster Enkel. Bis zum Jahresende wird Gerhard Elflein seiner hauptamtlichen Tätigkeit als Bauhofvorarbeiter der Gemeinde Ebensfeld nachgehen. Mehr Zeit widmen möchte er künftig wieder seinem Hobby, dem Angeln.

Ganz lässt ihn die Feuerwehr aber doch nicht los: "Und die eine oder anderes Schiedsrichtertätigkeit werd' ich auch machen." Feuerwehrarbeit ist eben mehr als ein Hobby, es ist eine lebenslange Verpflichtung.

Die drei Tunnel

Eierberge Länge: 3756 Meter; minimale Überdeckung: 5 Meter; maximale Überdeckung 70 Meter; drei Notausgänge; befahrbare Stollen: 381 Meter; begehbare Stollen: 190 Meter. Alle drei Tunnel sind für 300 km/h ausgelegt.

Kulch Länge: 1331 Meter; Überdeckung: 7 bis 27 Meter; begehbare Stollen: 145 Meter; kein befahrbarer Stollen; ein Notausgang

Lichtenholz Länge: 931 Meter; Überdeckung: 7 bis 27 Meter; keine begeh- oder befahrbaren Stollen, kein Notausgang