Zwei Demos an einem Tag: Früh demonstrierten die Bundnaturschützer, mittags der Bauernverband. "Die Stimmung ist wirklich miserabel", sagt Hermann Greif, Bezirkspräsident für Oberfranken vom Bayerischen Bauernverband, bei der Demonstration vor dem Kloster Banz und bekam viele zustimmende Zurufe. Damit meint er nicht die Stimmung vor Ort, die friedlich war. Viele Landwirte aus dem Landkreis, hatten sich am Dienstag vor dem Kloster Banz getroffen, um dort zu demonstrieren und ihrem Unmut Luft zu machen - alles im Zeichen eines grünen Kreuzes. Anlass dafür war der CSU Landparteitag, der im Kloster stattfand.

Schieflage der Landwirtschaft

"Wir Bauern bekommen Schuld für alles und der Frust ist groß", sagt Greif weiter. Die Situation sei mehr als problematisch: Neben der Frustration der Landwirte nehmen auch die Auflagen und Forderungen, die sie erfüllen soll immer weiter zu und die Zahl der jungen Nachfolger drastisch ab.

"Bis zu minus 20 Prozent haben wir an unseren Schulen verzeichnet", so Anneliese Göller, Bezirksbäuerin in Oberfranken sowie Landesbäuerin. Außerdem erzählt sie, dass in der Schule, aber auch in der Gesellschaft an sich, teilweise ein völlig falsches Bild der Arbeit als Landwirt vorherrsche.

Dass sie nicht ungehört bleiben zeigt sich, als CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer sowie Ministerpräsident Markus Söder aus dem Kloster Banz kommen und sich die restlichen Reden anhören.

Söder zeigt viel Verständnis für den Unmut und die Wut der Landwirte: "Bauern sind an allem Schuld: Am Klimawandel, dem Bienensterben. Das ist sehr belastend." Ihn ärgere sehr, dass die Landwirte nie Anerkennung bekommen, sondern in erster Linie immer als Sündenböcke herhalten müssten. Das müsse sich unbedingt ändern, durch mehr Zusammenarbeit und Kommunikation. "Ich finde regionale Produkte in jeder Weise besser als internationale", so Söder. Konnte er damit die Bauern, unter denen auch viele junge waren, überzeugen? Wohl eher nicht. "Die können halt gut reden," meint einer. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Die Vergangenheit ließe sich nicht mehr zurückholen, so Söder. "Wir können nur versuchen, einen gemeinschaftlichen Weg zu gehen und mit den neuen Veränderungen und Werten Lösungen für die aktuellen Probleme in der Landwirtschaft zu finden. Die Landwirtschaft muss erhalten werden," sagt Söder, bevor es zurück zur Tagung ging.

"Wir wünschen uns, dass Sie in Zukunft auch mit uns, die es betrifft, sprechen", sagt Greif und wies daraufhin, dass nun noch in einem kleinen Kreis ein Gespräch über Probleme mit den Politikern stattfinden soll.

Naturschützer protestieren ebenfalls

"Rettet den Gottesgarten", "Flächenschutz ist Klimaschutz" - derartige Parolen waren auf den Plakaten zu lesen. Bürger und Vertreter des Bundes Naturschutz (BN) nahmen die Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion zum Anlass, um ihren Forderungen nach besserem Klimaschutz Ausdruck zu verleihen und das ihnen zufolge zu zögerliche Handeln anzuprangern.

"Weltkugel" als Blickfang

Eine "Weltkugel" in Übergröße diente neben Schildern als Blickfang. Deutliche Worte fand der BN-Kreisgruppen-Vorsitzende Anton Reinhard: "Die CSU kommt nach Bad Staffelstein und redet vom Klimaschutz. Aber um das Klima zu schützen, müssen auch Flächen geschützt werden", betonte er - und legte verbal nach: "Wir müssen etwas tun gegen die Verhökerung unserer Landschaft. So kann es nicht weitergehen."

Mit der Demo signalisierte der BN einmal mehr auch seine ablehnende Haltung gegen das Vorhaben eines Logistikunternehmens, am nordöstlichen Ortsrand von Grundfeld zwei große Lagerhallen zu errichten. Die schützenswerte Landschaft möglichst wenig zu versiegeln und für derartige Projekte Gewerbegebiete zu nutzen, das müsse das Ziel sein, so der Tenor der Meinung der Naturschützer. "Global denken, lokal handeln", brachte es Reinhard auf den Punkt.

"Das von der CSU vorgelegte Klimaschutzkonzept wirkt wie aus der Zeit gefallen, ist in weiten Teilen unkonkret, unambitioniert und würde die Erreichung der Pariser Klimaschutzziele krachend verfehlen", meinte BN-Landesvorsitzender Richard Mergner zum "großen Ganzen". Im Namen des BN-Landesverbandes übergab er an CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer einen Forderungskatalog des BN zur Bekämpfung der Klimakrise mit Schlagworten wie etwa Verkehrswende, Landwirtschaft oder finanzpolitische Umsetzung des Umweltschutzes. CSU-Fraktionschef Kreuzer sprach davon, dass die Schaffung von Arbeitsplätzen und Klimaschutz keine Gegensätze darstellten und thematisierte finanzielle Anreize für neue Heizungen und Solaranlagen. Als das Gespräch auf die Wasserstoff-Technik kam, nannte Kreuzer die noch fehlende Konkurrenzfähigkeit als Grund, warum es hier noch an der praktischen Umsetzung hapert.

Auf einen Nenner kamen Mergner und Kreuzer in dem Dialog erwartungsgemäß nicht. Als Kreuzer etwa erklärte, Straßenausbau sei "notwendig, um den steigenden Verkehr aufzunehmen", schüttelte Mergner missmutig den Kopf und entgegnete: "Wir haben genug von Ankündigungen. Ich wünsche mir angesichts der heutigen Klausturtagung, dass Sie Ihrer Verantwortung gerecht werden. Wir erwarten, dass Sie in Sachen Klimaschutz endlich liefern. Es gibt immer wieder tolle Papiere, aber es wird nichts umgesetzt."

Dies wies Kreuzer entschieden von sich, das Gespräch drehte sich im Kreis.dell