Es ist warm. Obwohl an diesem Frühlingstag auch draußen die Sonne scheint, ist die Wärme im Haus von Monika P. (Name von der Redaktion geändert) nicht normal. Das liegt daran, dass Patienten wie Monika P. schneller frieren. Monika P. hat Brustdrüsenkrebs.
Nach der Diagnose im August 2012 zog sie mit ihrer Familie alle Register: Bestrahlung, Operation, Medikamente. Doch das alles half nichts. Die entmutigende Feststellung trat ein: Der Krebs hat gestreut.
Heute ist die 53-Jährige zu schwach noch eine Chemotherapie anzutreten. Die Zukunft scheint nicht gerade rosig, doch seit drei Wochen gibt es für sie und ihre Familie einen Lichtblick. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) des Teams Bamberg betreut sie. "Es ist unsere Aufgabe die Familien zu informieren, was passieren kann, ohne dabei Angst zu schüren", sagt der leitende Arzt, Jörg Cuno. Dazu gehören viele Gespräche, aber auch Kriseneinsätze rund um die Uhr.

Patienten mit Vorgeschichte

"Die Patienten haben häufig eine lange Krankenhausgeschichte. Mit der ambulanten Hilfe wollen wir weitere Krankenhausaufenthalte vermeiden, weil die Patienten das nicht mehr wollen", sagt der promovierte Mediziner. Bei der Arbeit auf Augenhöhe ist der Patient im Zentrum, denn schließlich wisse er am besten, was ihm gut tue, sagt Jörg Cuno.
Im Haus von Monika P. geht es indes um das Thema Essen. "Essen ist ein ganz zentrales Thema", erklärt Jörg Cuno Monika P. und ihrem Mann. Durch die Medikamente haben viele Patienten keinen Appetit mehr, das beunruhigt die Angehörigen häufig. "Essen Sie, was Sie wollen, wann Sie wollen", sagt Jörg Cuno. Dasselbe gelte für das Trinken. "Ich zwinge mich zum Trinken", sagt Monika P. und nimmt einen Schluck aus ihrem Glas mit Cranberrysaft. Daraufhin schaut sich der Arzt ihren Mund an und stellt fest, dass alles in Ordnung ist. Kontrolluntersuchung können vor Ort durchgeführt werden, weil im Gespräch häufig Fragen auftauchen, die durch einen prüfenden Blick geklärt werden können.
Auch das Thema Rollstuhl treibt die Familie um. "Wir haben vor kurzem einen Badewannenlift beantragt", sagt der Ehemann von Monika, "aber einen Rollstuhl will sie nicht haben". Die Leute würden blöd schauen, fürchtet Monika, doch ihr Mann möchte mit ihr auch Ausflüge machen können. "Man kann laufen, aber auch nicht", sagt Monika betrübt. Ihr fehlt häufig die Kraft, wenn sie draußen unterwegs ist. "Sie gewinnen, wenn Sie rauskommen", sagt Jörg Cuno, "draußen sein, tut der Seele gut". Nach diesem Gespräch willigt Monika P. schließlich doch ein, einen Rollstuhl zu kaufen.

Krankheit betrifft ganze Familie

"Die Krankheit eines Einzelnen ist immer auch die Krankheit der Familie", sagt Jörg Cuno. Deshalb sei es SAPV auch wichtig der Familie mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Allein die Gewissheit, dass im Notfall jemand da ist, an den man sich wenden kann, gebe den Angehörigen Ruhe. Dieses Sicherheitsversprechen ist dem Arzt und seinen Mitarbeitern wichtig.
Die SAPV ist schon seit längerer Zeit auch im Raum Lichtenfels aktiv. Mit der Einweihung eines Büros im Burgkunstadter Ärztehaus ist sie nun in ein Netz von Hausärzten und Fachärzten vor Ort integriert. Auch die Zusammenarbeit mit seinem Medizinerkollegen Andreas Flessa, Leiter des palliativmedizinischen Dienstes im Krankenhaus Lichtenfels, laufe ausgezeichnet, betont Jörg Cuno.
"Das Büro in Burgkunstadt liegt strategisch klug", findet er. "Von hier aus können wir auch die Patienten im Kulmbacher und Kronacher Raum schnell erreichen". So auch Monika P. . Sie und ihr Mann waren auf der Suche nach beratender Unterstützung, als sie die Telefonnummer der SAPV bekommen haben. "Ich bin bisher sehr zufrieden", sagt Monikas Mann. "Wir auf dem Land sind - also waren - benachteiligt. Wir sind glücklich zu wissen, dass es diese Möglichkeit gibt."
Trotz der Unterstützung, Monika P. hadert während dem Gespräch immer wieder mit ihrem Schicksal. "Vor einem Jahr war noch alles gut", sagt sie. "Ich wünsche mir einfach mal Ruhe zu haben und alles weg zu legen."


Palliativversorgung


SAPV Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung gehört zu den wesentlichsten Neuerungen im Gesundheitswesen der letzten Jahre.

Ziel Linderung der Symptomlast und damit verbunden die Verbesserung der Lebensqualität.

Team Das SAPV-Team Bamberg versorgt und behandelt seit Mai 2010 unheilbar erkrankte Menschen. Mittlerweile ist das Team aus Bamberg in sechs Landkreisen aktiv. Am Standort Burgkunstadt sind sie unter der Telefonnummer 09572/3860081 erreichbar.

Online Schnelle und zuverlässige Hilfe für Betroffene, aber auch einen mobilen Informationspool rund um das Thema gibt es im Internet auf www.palliativ-portal.de.