Surfen, chatten, simsen, lustige Fotos verschicken - schon Jugendliche schätzen und nutzen begeistert Smartphone und PC. Doch Bruder Leichtsinn ist dabei kein guter Weggefährte, und leider wird die moderne Technik auch immer wieder zur Plattform von Zeitgenossen, die unverfroren Mitmenschen beleidigen, verleumden und das Leben der Opfer zur Hölle machen. Die Viktor-von-Scheffel-Realschule in Bad Staffelstein griff mit einem Informationstag das Thema Cyber-Mobbing auf.

Zunächst freut sich Lena auf ihre neue Schule. Doch eine dreiköpfige Mädchen-Clique droht der "Neuen": " Verzieh dich oder wir machen dich fertig." Schließlich verbreiten Babsi, Paula und Tina Gerüchte in der Schule, die Lena in eine Außenseiterrolle drängen, sie psychisch belasten und ihr jegliche Lebensfreude rauben. Bei dem geschilderten Geschehen handelt es sich zwar nur um eine Theateraufführung von Schülern der sechsten bis achten Jahrgangsstufe zum Thema Cyber-Mobbing, doch so oder so ähnlich kann sich auch in der Realität mancher Fall abspielen. "Verzieh dich" lautet der Titel des Stücks aus der Feder von Lisa Gallauner.

Lena, gespielt von der Achtklässlerin Annalena Schmitt, kriegt in dem Stück die Kurve. Nachdem sie sich anfänglich zurückzieht, vertraut sie sich dann doch Eltern, Freunden und ihrer Klassenlehrerin an und meint selbstbewusst am Ende: "Ich bin kein Opfer, ich kann mich wehren."

Dreimal - zweimal vormittags für die Schüler, abends dann wurden die Eltern eingeladen - wurden das Thema Cyber-Mobbing und die Gefahren des World-Wide-Web aufgegriffen. Sehr gern nahm sich der Jugendkontaktbeamte der Polizei, Christian Wagner, dafür Zeit. Nach dem Theaterstück gab er Schülern beziehungsweise Eltern wichtige Tipps und Verhaltensweisen an die Hand. Wenn bei Jugendlichen plötzlich Niedergeschlagenheit oder Konzentrationsabfall auftrete, sie verschlossen oder ängstlich werden und vielleicht sogar entgegen ihres bisherigen Verhaltens gar nicht mehr gern ins Internet gehen, seien das mögliche Alarmzeichen.

Opfern von Cyber-Mobbing selbst sollten sich - so schwer es ihnen auch fallen mag - laut Wagner nicht einschüchtern lassen, sondern - wie im Theaterstück gezeigt - sich jemandem anvertrauen.
Weil den Betroffenen selbst aber oft Mut und Kraft dafür fehlen, kommt deren Umfeld eine wichtige Bedeutung zu, falls die genannten Anzeichen bemerkt werden.

"Wegschauen ist ganz schlecht", betonte der Polizeibeamte. Eltern, Lehrer, Freundeskreis - alle müssen an einem Strang ziehen, um dem Cyber-Mobbing entgegenzutreten, so das Credo der Veranstaltung.

Rund ein Drittel der Schüler kennt bereits Mobbingopfer, 14 Prozent sind schon selbst einmal Opfer von Cyber-Mobbing geworden, lauteten einige der in der Aula von Neuntklässlern der Schülermitverantwortung vorgestellten Zahlen einer Umfrage zum Thema. Dieses Ergebnis, das an anderen Schulen nicht anders ausfallen dürfte, ist bezeichnend und macht die Brisanz des Themas deutlich; es deckt sich im Übrigen auch mit den Erfahrungen des Jugendkontaktbeamten der Polizei.

Auf der "technischen Spielwiese" mit Facebook und Instagram locken über das Cyber-Mobbing hinaus auch so manche andere Gefahren, die es im Auge zu behalten gilt, auf die Wagner ebenfalls i einging. "Das Internet vergisst nichts", warnte er beispielsweise vor der Veröffentlichung von zu persönlichen Bildern. Das könne auch Nachteile bei der Berufswahl mit sich bringen, nannte er einen weiteren Grund, hier Vorsicht walten zu lassen.

"Seid mal ehrlich: Wer von euch schaut morgens gleich aufs Handy?" Rund zwei Dutzend Finger gingen nach oben. Es gelte auch, den Zwang des dauerhaft Onlineseins nicht ausufern zu lassen, nannte Wagner als grundsätzlich wichtigen Aspekt.

Wagner thematisierte die möglichen juristischen Folgen des Cyber-Mobbings. Zur Anwendung kommen kann dabei etwa der Straftatbestand der Nachstellung, der denjenigen zur Verantwortung zieht, der "einer anderen Person in einer Weise nachstellt, die geeignet ist, deren Lebensgestaltung schwerwiegend zu beeinträchtigen".

Der Polizist nannte auch Internetseiten mit wertvollen Informationen zum Thema, sehr ans Herz legte er etwawww.klicksafe.de.

Nicht nur Waffen können verletzen, sondern auch Worte - und nicht nur bewusst böswillige, sondern eben auch aus der Emotion heraus unbedachte. Christian Wagner appellierte daher an die Schüler, sich dessen bewusst zu sein, wenn sie Textnachrichten verschicken: "Wenn ihr wieder was in die Tasten reinklimpert, dann überlegt bitte vorher: Was bewirke ich damit?"