Drogensüchtig, Alkoholiker, arbeitslos - die Liste der Klischees, mit denen Mark Eck und Ilona Huber konfrontiert werden, ist lang. Und das nur, weil sie einem bestimmten Umfeld angehören: der Heavy-Metal-Szene. Aber damit nicht genug. Mark Eck ist Präsident des Heavy-Metal-Clubs Pythons in Fürth und hat im Januar einen Pachtvertrag für die ehemalige Diskothek "Queens" in Burgkunstadt unterschrieben. Dort entsteht nun das "Lost Souls", ein Club für Heavy-Metal-Fans.

Seit Januar verbringt Mark Eck mit seiner Lebensgefährtin jedes Wochenende im "Lost Souls" und baut es gemeinsam mit Freunden um. Am 8. Juni konnten 500 bis 600 Gäste beim Pre-Opening die über 1000 Quadratmeter große Location bereits begutachten, die über eine Kneipe und einen Biergarten verfügt.


Doch seitdem sind die Türen verschlossen, denn die sind unter anderem ein Problem. Mark Eck muss nämlich zahlreiche Brandschutzverordnungen erfüllen - unter anderem müssen auch die Türen verbreitert werden. Das kostet den 44-Jährigen nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld. Eröffnet wird wieder am 10. August - am 29. September findet das erste Großevent mit der Würzburger Coverband "Fuck" statt. Etwa 1000 bis 1600 Euro zahlt Mark Eck pro Tag allein für die Konzertanlage mit Boxen und Beleuchtung. Alle vier Wochen ist ein solches Live-Konzert künftig geplant. An den anderen Tagen sorgen DJs für die Musik.


Jeder ist im Club willkommen

Egal ob Rollstuhlfahrer oder Helene-Fischer-Fans: Mark Eck und Ilona Huber sind für jeden Gast offen. Diese Offenheit beruht in Burgkunstadt nicht immer auf Gegenseitigkeit. "Was für ein Drecksladen macht denn hier auf. So ein Teufelszeug", beschwert sich ein Burgkunstadter bei Ilona Huber. Sie kann über solche Kommentare nur lachen - lädt den Kritiker freundlich zur nächsten Party ein.

Genau wie die Ansichten in Bezug auf den Club könnten auch die Gäste vom "Lost Souls" nicht unterschiedlicher sein. "Viele in unserer Szene arbeiten in sozialen Berufen, andere sind Rechtsanwälte." Ilona Huber ist Altenpflegerin, Mark Eck Konstrukteur für Autoteile.


Grund für die Cluberöffnung

Ein größeres Problem als die Kritik Außenstehender war für Mark Eck, dass es kaum Treffpunkte für seine Szene gab. "Es gibt hier einfach nichts. Außerdem explodieren oft die Preise." Darum entscheidet er sich im Januar, den Club zu eröffnen.

Und auch Zahlen des Landratsamtes bestätigen: Zurzeit gibt es vier gemeldete Diskotheken im Landkreis Lichtenfels - zwei davon, das "Romantika" in Lichtenfels und die "Tanztenne" in Schwabthal, richten sich an ein Klientel über 30 Jahre. Jugendlichen bleibt somit nur noch das "Nepomuk" in Altenkunstadt oder das "Tanzcenter Deuber" in Modschiedel.

Derzeit gibt es etwa 20 Bars und Klubs im Landkreis Lichtenfels. Die Zahl ist rückläufig. Früher konnte man allein in Lichtenfels mit dem "Mississippi" und dem "Old German" zwei Diskotheken vorweisen.
Der Pressesprecher des Landratsamtes, Andreas Grosch: "Die Zahl der Tanzlokale hat sich in den vergangenen Jahrzehnten etwa halbiert." Ein möglicher Grund: Die Zahl der Jugendlichen nimmt laut Landesamt für Statistik ab. Während 1987 noch 24,1 Prozent aller Bewohner im Landkreis Lichtenfels zwischen 15 und 30 Jahre alt waren, sind es derzeit nur noch 16 Prozent. Und das bei in etwa gleichbleibender Bevölkerungszahl.


Jugendlichen etwas bieten

Trotzdem hofft Mark Eck darauf, dass er vor allem Jugendliche anlocken kann. "Es gibt nur wenige Jugendliche, die in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Die meisten in der Heavy-Metal-Szene sind 40 bis 50 Jahre." Ein Grund, warum es an Jugendlichen fehle: "Das Problem unserer Szene ist: Wir haben keinen Treffpunkt. Es kann auch keinen Fußballclub ohne Spielwiese geben."

Aber der 44-Jährige plant noch mehr. Jugendliche sollen das "Lost Souls" nicht nur als Treffpunkt nutzen, sondern auch als Sprungbrett. "Auch Jungbands, können bei uns auftreten, wenn sie einfach mal das Gefühl für eine große Bühne haben möchten", so Huber.

Kommentar von Sarah Stieranka:

Ich bin kein Heavy-Metal-Fan. Ilona Huber und Mark Eck merken das schnell, denn die Bands, von denen sie mir vorschwärmen, sagen mir so gar nichts. Doch sie verurteilen mich nicht, und auch ich gehe ganz offen in das Gespräch. Natürlich mache ich mir vorab meine Gedanken: Was erwartet mich wohl beim Termin? Totenköpfe, dunkle Klamotten, vielleicht auch dunkler Humor. Nach dem Termin weiß ich es sicher. Ja, es gab Totenköpfe. Ja, die beiden trugen schwarz. Was aber viel wichtiger ist: Ich traf zwei sehr tolerante Menschen, die nur den Wunsch haben, einen Treffpunkt für ihre Szene zu schaffen. Ist daran etwas verwerflich? Nein! Verwerflich hingegen ist die Einstellung so mancher Burgkunstadter und Kritiker, die die beiden nur aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes verurteilen. Vielfältigkeit ist etwas Positives. Denn nur sie macht uns zu einem Landkreis, in dem Jugendliche keine Angst haben müssen, das auszuleben, wofür sie stehen und was sie mögen.

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