Er fällt als erstes durch seine Größe auf, oder besser gesagt, durch seine enorme Kleinheit. Dabei ist der Kleinschnittger F 125 ein richtiges Automobil. Nimmt man den Begriff wörtlich so heißt ja "auto" (griechisch) "selbst" und "mobil" (lateinisch) "beweglich", und beides trifft auf diese Minifahrzeuge zu.

Der Ingenieur Paul Kleinschnittger (1909-1989) hatte nach dem Zweiten Weltkrieg erkannt, dass ein großer Bedarf an Fahrzeugen vorhanden war. So machte sich der Bastler selbst an den Bau von Autos, verwendete Motorradteile für die Kotflügel und das Plexiglas alter Militärflugzeuge als Windschutzscheibe.

Türen gab es nicht, wer in den Wagen einsteigen wollte, stieg einfach von oben in die offene Karrosse hinein. Das Getriebe stammte von einem Motorrad, hatte also drei Vorwärtsgänge, aber keinen Rückwärtsgang. Wer in eine Parklücke wollte, schob, oder hob das 130 Kilogramm leichte Fahrzeug einfach an der Hinterachse hoch und drehte es in die gewünschte Richtung. Der Einzylindermotor saß vor der Vorderachse und schaffte immerhin 5,5 PS und gut 65 km/h.

Kaum noch Ersatzteile

Wer Liebhaber der kleinen Autos ist, muss allerdings auch ein bisschen handwerklich, bzw. technisch begabt sein. "Es gibt immer etwas zu basteln. Ersatzteile sind fast nicht mehr zu bekommen, lediglich die Felgen werden in einer Fabrik in Wien noch nachgefertigt", erklärt Antonius Pelle. Der Niedersachse ist mit seiner Frau Karin aus dem rund 400 Kilometer entfernte Osnabrück zum Treffen der Kleinschnittger-Freunde nach Bad Staffelstein gefahren. Ihren eigenen lindgrünen Oldtimer hatten sie auf einem Anhänger untergebracht.

Mit einer Stückzahl von nur 2980 ist der Kleinstwagen ein wertvolle Rarität. Rund 30 000 Euro kostet einer, nach oben ist noch Luft. Der F-125, wie in seinen Fans liebevoll nennen, ist das kleinste je in Serie gebaute Vierradfahrzeug. Wie ein normales Auto auch hat es Brems-, Gas- und Kupplungspedale.

Rundfahrt unternommen

Wolfgang Kröger aus Bad Staffelstein hatte das Treffen organisiert. Nach der Anreise zum Siedlerplatz am Freitag und dem Kennenlernen schauten sich die 20 Teilnehmer, die aus ganz Deutschland gekommen waren, erst einmal in der Badstadt, der Therme und auf dem Staffelberg um. Am Samstag folgte eine ganztägige Rundfahrt, die mit einer Fahrzeugsegnung in Vierzehnheiligen begann. "Für Notfälle haben wir auch ein Abschleppfahrzeug dabei", sagte Wolfgang Kröger vor der Fahrt. Das war aber unnötig, wie sich herausstellte.

Als es in Vierzehnheiligen jedoch den steilen Berg hinauf ging, wurde eher Muskelkraft benötigt - denn fünf der Wägelchen hatten offenbar nicht genügend Anlauf genommen, sie bewältigten die Steigung nicht aus eigener Kraft. Nun war Schieben angesagt. Doch so eine Fangemeinde hält zusammen. Mit vereinten Kräften und dem Beistand des Nothelfers St. Christophorus, dem Patron der Autofahrer, schafften sie es doch.