"Wenn man heimatverbunden ist, sollte man eigentlich in den Gemeinderat wollen", sagt Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) ein Jahr vor der Kommunalwahl am 16. März 2014. Was vor Ort in den Gemeinde- und Stadträten beschlossen wird, sei unmittelbar. "Unmittelbar danach geht es los." Das sei, sagt Storath, der große Unterschied zur "großen Politik", zum Beispiel in Berlin.

Im Marktgemeinderat Ebensfeld sitzen 20 ehrenamtliche Räte und Rätinnen. "Entscheidend ist, dass man so bleibt, wie man ist", sagt Storath. Und er betont die Bereitschaft zum Kompromiss. Mancher Bürgermeister sei beleidigt, wenn er seine eigene Meinung nicht durchgesetzt bekäme. "Mir passiert das auch, dass ab und zu eine meiner Ideen in meiner eigenen Fraktion keine Mehrheit findet." Genau so soll das sein. Die Gemeinderäte, findet Storath, sollen ihre Meinungen mit in die Sitzung bringen und in einer Diskussion entsteht dann die Entscheidung.

"Wichtig ist, dass es um die Sache geht und nicht persönlich wird", sagt Storath. Das hat er von seinem Vater gelernt, der als Bürgermeister sein Vorvorgänger war. Damals war die Stimmung im Gemeinderat schlecht. "Ich habe mir vorgenommen, wenn ich einmal Verantwortung bekomme, will ich es anders machen", betont er.

Weitermachen wie bisher
Storath weiß natürlich, dass sich Wähler immer leichter an das erinnern, was gerade erst geschehen ist - und nicht an das, was vor drei oder vier Jahren war. Trotzdem will er bis zur Wahl genau so weiter handeln wie bislang. Sachorientiert. Das heißt für ihn die Kanalisation in Kümmel fertig stellen, die Kinderkrippe in Ebensfeld bauen und den Kindergarten in Kleukheim einweihen. "Stolz bin ich auf unsere Gemeinschaftshäuser, in denen sich die Leute zusammensetzen können - da entstehen jetzt die letzten", sagt Storath.

Außerdem bemüht sich die Gemeinde um schnelles Internet. Glasfaserleitungen sollen bis in die Ortsteile verlegt werden. 1,6 Millionen Euro kostet das für die gesamte Marktgemeinde, ein Förderprogramm der Staatsregierung stellt einen Zuschuss von einer halben Million in Aussicht. "Da gibt es viele Vorgaben, die wir erfüllen müssen - das dauert." Ob die Umsetzung noch vor der Wahl möglich ist, weiß er nicht.

Bernhard Storath (CSU), Bürgermeister von Ebensfeld by Infranken.de

Aber er weiß, dass er bereit ist, nochmals zu kandidieren. Für ihn ist der Gemeinderat immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. "Da kann ich mir natürlich auch einen 70- oder 80-Jährigen vorstellen", sagt Storath. Von einer Quote für Frauen hält er nichts. "Wenn Engagierte da sind, sind sie da. Und ich bin sicher, sie werden auch gewählt." Und wenn die Wählerinnen und Wähler ihm 20 Frauen in den Gemeinderat wählen würden, hätte er auch nichts dagegen. "So ist das dann halt. Punkt."

Fünf Jahre im Amt
Seit fünf Jahren ist Storath Bürgermeister, vorher hat er Erfahrungen im sozialen Bereich gemacht und gesehen, wie das Leben von einem auf den anderen Tag zu Ende sein kann. "Da scheinen manche Probleme doch sehr unbedeutend." Trotzdem will er die Menschen und ihre Sorgen ernst nehmen. "Die Leute setzen sich wahnsinnig damit auseinander. " Und er habe gelernt, Lösungen zu finden und gleichzeitig auch Grenzen aufzuzeigen. "Ich sage auch ganz klar, wenn etwas nicht geht."

Persönlichkeit ist wichtig - in der Politik, im Leben und auch im Wahlkampf. "Den macht ja nicht einer alleine." Also wird es Meinungsunterschiede und Kompromisse geben, vor allem in der eigenen Partei. "Ich akzeptiere die anderen und stelle die Sache in den Mittelpunkt. Es darf nie auf eine Person gehen. Das habe ich so gelernt."
Persönliche wie politische Standhaftigkeit vergleicht Storath mit der eines Baumes. "Oben kann er sich mal im Wind bewegen, aber die Wurzeln halten ihn. Umpflanzen bekommt ihm nicht."


Ein Jahr bis zur Wahl


Seit Anfang Dezember dürfen die Parteien und Gruppierungen ihre Listen aufstellen, mit denen sie zur Kommunalwahl am 16. März 2014 antreten möchten. In den ersten Gemeinderäten zeigt sich bereits ein Gerangel um Wortmeldungen. Was der Wähler am Wahltag erinnert, sind häufig die jüngsten Ereignisse in seiner Gemeinde - und nicht das, was Jahre zurück liegt. Was wollen Bürgermeister und Räte bis zur Wahl noch schaffen? Wie werden die neuen Gremien zu einem Spiegel der Gesellschaft - mit Alten und Jungen, Frauen und Männern? Was motiviert zu Politik vor der eigenen Haustür?

In einer Serie antworten die elf Bürgermeister und der Landrat aus dem Landkreis Lichtenfels. Ein Jahr bis zur Wahl.