Schneller und immer schneller soll es gehen. Wir leben in einer Zeit, in der in erster Linie die Geschwindigkeit über Erfolg oder Scheitern entscheidet. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, um Reisendes schneller an ihr Ziel zu bringen, ist die Deutsche Bahn auf so manche Neuerung angewiesen. Eine davon ist die neue Bahnbrücke zwischen Unterzettlitz und Wiesen.

Die fertige Brücke wird künftig mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h befahrbar sein. Ein bisher bei der Deutschen Bahn einmaliges Projekt. Besondere Stabilität erhält die Konstruktion durch das Stab-Bogen-Konzept. Hierbei werden Stahlträger an den beiden Brückenbögen befestigt, die das Gewicht der Brücke halten und über ihre gesamte Länge gleichmäßig verteilen.

Bis 2017 soll die Strecke vom Bauzustand in den Regelverkehr übergegangen sein. Um diesen Zeitplan einhalten zu können, müssen die Bauarbeiten bereits 2016 zu einem Ende kommen. Nur dann sind die erforderlichen Testfahrten möglich.

Eine massive Stahlkonstruktion

Das Monstrum aus Stahl und Beton wiegt insgesamt mehr als 1100 Tonnen. Was von weit weg wie Spielzeug aussieht, offenbart erst aus der Nähe seine wahren Ausmaße. Schier gigantisch wirkt die massive Stahlkonstrukt neben den dort arbeitenden Menschen. Überall wirbelt Staub auf, und Bagger, Lader und Transportwagen fahren umher.

Gerd Kade ist der leitende Ingenieur. Er wartet auf die dringend benötigte Lieferung des neuen Gleitmittels, ohne das die Arbeiten nicht weitergehen können. "Wir haben mit einer Art Gelatine gearbeitet, aber bei diesen Temperaturen bringt das nichts", erklärt er. Das eigentlich seifenartige Gleitmittel werde bei den hohen Temperaturen der vergangenen Tage zäh und wirke mehr wie ein Klebstoff, was dem gewünschten Effekt entgegensteht.
Das Wetter sorgt auch bei anderen Aufgaben für Probleme. So schweißt man an den Brückenteilen nur nachts. Die dann vorhandenen 15 Grad Celsius seien perfekt dafür geeignet. Tagsüber hingegen würden sich die zu schweißenden Teile unter der Hitze zu sehr verformen. Die restlichen Arbeiten hingegen werden ausnahmslos unter drückender Tageshitze absolviert.

Doch wie soll die große Aufgabe des Brückenschlags bewältigt werden? Allein mit Muskelkraft ist das unmöglich. "Die Brücke wird über den Fluss gezogen, nicht geschoben", erklärt Kade. Eine spezielle Konstruktion hangle sich gewissermaßen an vier Drahtseilen immer weiter und ziehe dabei die gesamte Brücke mit sich. Trotz des großen Gewichts der Brücke sei für diesen Aufwand gerade einmal ein Druck von zehn Bar erforderlich.
Ein Teil der Anspannung fällt von Kade ab, als endlich das neue Gleitmittel geliefert wird. Die Arbeit kann weitergehen. Zug um Zug.