Am Dienstag fingen zwei Drehgestelle eines ICEs auf offener Strecke zwischen Lichtenfels und Bad Staffelstein Feuer. Die 150 Mitreisenden blieben unverletzt. Die Deutsche Bahn schleppte den evakuierten Zug noch in der Nacht auf Mittwoch nach Nürnberg. Pressesprecher Franz Lindemair sagt über die Ursache: "Wir vermuten, dass die Bremsen geklemmt haben." So sei das Drehgestell schließlich heiß gelaufen und habe Feuer gefangen.

Über die Schadenshöhe kann die Bahn noch keine Angaben machen. Bei dem ICE handelt es sich um einen umgebauten IC, der von einer E-Lok geschoben wird. Es gibt davon bundesweit nur einen Zug. Er wird momentan zwischen München und Berlin eingesetzt, weil die Neigetechnik-Züge öfter als ursprünglich geplant gewartet werden müssen.

Die Art des Zwischenfalls ist bekannt: "So etwas passiert immer wieder, allerdings nicht sehr häufig und in der Regel nur bei Güterzügen", sagt Lindemair. Daher habe die Bahn Temperatursensoren entlang der Bahnstrecke. Insbesondere auf Strecken, die von Güterzügen befahren werden, sind sie in einem Abstand von 20 bis 30 Kilometern installiert.

Lokführer machte alles richtig

"Diese Messstellen schlagen an, wenn bei einem vorbeifahrenden Zug eine zu hohe Temperatur gemessen wird." Im Falle des ICEs hätte keine Messstelle Alarm geschlagen. Warum? "Die Anzeige beim Lokführer war in diesem Fall einfach schneller", sagt Lindemair. Dem Pressesprecher zufolge hätte die Warnleuchte für die Luftversorgung der Bremsen das Versagen gemeldet.

Der Lokführer habe alles richtig gemacht. "Seine einzige Kontaktperson ist der Fahrdienstleiter. Dieser gibt die Strecke für den Zug frei und kann sie auch sofort sperren." Dies ist am Dienstag auch so geschehen. Die weitere Informationskette sei "ganz simpel", sagt Lindemair. Der Fahrdienstleiter spricht mit der Betriebszentrale für Bayern in München und diese "muss nur auf einen Knopf drücken, um die jeweilige Feuerwehr zu alarmieren".

Auch die zuständige Bundespolizei und der Notfallmanager der Bahn werden von der Betriebszentrale in München alarmiert. Letzterer ist "der Hauptverantwortliche der Bahn vor Ort. Bei ihm läuft alles zusammen", sagt der Pressesprecher. Er ist auch derjenige, der in Absprache mit den Rettungskräften am Ende die Strecke wieder frei gibt. Von den Notfallmanagern gebe es so viele, dass keiner länger als eine halbe Stunde zum Unglücksort braucht.

Keine Durchsagen dank Engpass

Tatsache ist, dass der Notfallmanager auf dem Bahnsteig in Lichtenfels auftauchte, als der Brand längst gelöscht war, der Zug in den Bahnhof geschleppt und alle Fahrgäste evakuiert waren. Auch die Rettungskräfte hatten sich inzwischen ohne die Informationen der Bahn organisiert.

Der Pressesprecher weist noch auf die gesetzliche Regelung bei Verspätungen hin: "Das Verschulden für die Verzögerung liegt bei uns. Also gibt es eine Entschädigung. Normalerweise müssten die Formulare im Zug verteilt worden sein." Die Größenordnung liegt zwischen 25 und 50 Prozent des Fahrpreises. "Sie sehen", sagt der Pressesprecher, "das kommt so selten vor, das ich das gar nicht genau weiß."

Die fehlenden Durchsagen entschuldigt Lindemair: "Das hätte passieren müssen." Doch auch da hat er einen Grund. Nicht nur auf der Strecke sei in diesem Moment ein Engpass, auch bei den Mitarbeitern.