Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat auf den Revisionsantrag der Verteidigung hin den Schuldspruch abgeändert. Das könnte ein anderes Strafmaß für die Verurteilte bedeuten, wie aus dem Landgericht Coburg zu erfahren war. Es muss nun ein Termin für eine erneute öffentliche Verhandlung anberaumt werden. An diesem Tag wird die Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) verlesen. Üblicherweise entscheiden die Richter dann, ob sie nochmalige Zeugenvernehmungen für nötig erachten. Auf jeden Fall muss es ein neues Urteil geben.

Welche Strafe wird festgelegt?

Konkret geht es um die Festlegung des Strafmaßes. Zwar hatte die Verteidigung der 44-Jährigen auf Freispruch plädiert. Die Beschuldigte hatte die ihr zur Last gelegten Taten nach ihrer Verhaftung abgestritten und sich in dem Verfahren nicht mehr geäußert. Es war ein Indizienprozess gewesen, allerdings mit einer erdrückenden Beweislast.

An Streichhölzern waren beispielsweise DNA-Spuren der Frau festgestellt worden. Der Vorsitzende Richter Gerhard Amend hatte bei der Urteilsverkündung im Juni 2013 betont, dass die Strafkammer keine Zweifel an der Täterschaft der Angeklagten habe. An dem Schuldspruch rüttelten die Karlsruher Richter nicht. Sie haben den Informationen unserer Zeitung zufolge diesen lediglich in zwei rechtlichen Punkten abgeändert.

Es geht dabei dem Vernehmen nach um die Frage, ob es sich bei der einen und schwersten von sechs Einzeltaten um eine vollendete schwere Brandstiftung oder um den Versuch handelte. Das Feuer war im Keller gelegt worden und hatte nicht auf bewohnte Räume übergegriffen. Die dramatische Situation, die eine Evakuierung des von 41 Menschen bewohnten Hauses an der Mainbrücke erforderlich gemacht hatte, war durch die Rauchentwicklung entstanden. 21 Bewohner mussten ihre Wohnungen über drei Drehleitern verlassen. Die Feuerwehrleute hatten Verstärkung aus anderen Landkreisen anfordern müssen.

In jener Nacht zum 1. Oktober 2011 waren tatsächlich Menschenleben in Gefahr. Für diese Einzeltat verhängte das Coburger Gericht eine Einzelstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Zusammen mit den Strafen für das vorausgegangene Feuerlegen - mal brannte eine Unterstellhalle, mal ein Papiercontainer - wurde daraus eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Haft gebildet. Jene beiden Strafmaße haben die Coburger Richter nun erneut zu überprüfen. Für die Verteidigung bedeutet dies zum jetzigen Zeitpunkt nur einen Teilerfolg.

Auch die Karlsruher Richter gehen von der Schuld der heute 45-jährigen ehemaligen Hausmeisterin aus. Es könnte aber sein, dass nach neuer rechtlicher Beurteilung eine kürzere Haftstrafe verhängt wird. Rechtsanwalt Rainer Taubert gab dazu keine Stellungnahme ab.

Fast zehn Monate hat die Beschuldigte bereits im Gefängnis gesessen - die Untersuchungshaft eingerechnet. Der Haftbefehl wurde im Juli 2012 außer Vollzug gesetzt.
Das Motiv für die Brandserie hatten die Coburger Richter in einer Persönlichkeitsstörung begründet gesehen.