Die Staffelsteiner Stadtvertreter mussten in ihrer jüngsten Sitzung am Dienstag unangenehm werden. Der Grund: Die Umsetzung nachträglicher Abweichungen bei Bauvorhaben, im Fachjargon "Tekturen" genannt, gestaltet sich in zwei Fällen problematisch.

So ließ sich das Gremium beim Ortstermin in Neubanz nicht von der herrlich weißen Winterpracht beirren, sondern machte sich konzentriert ein Bild von der Sachlage. Es ging um einen Wohnhausneubau mit weit ausladender Steinterrasse. Und die skeptischen Mienen in den Gesichtern der Stadtvertreter kamen nicht von ungefähr. So wurde bei der nachfolgenden Diskussion wenig später im Sitzungssaal des Rathauses relativ schnell klar, dass das Gremium die abweichend vom ursprünglichen Bauantrag getätigten Änderungen so nicht hinnehmen würde.

Am Wohnhaus selbst ist nichts auszusetzen

"Das Gebäude selbst wurde so gebaut, wie im Plan zum genehmigten Bauantrag vorgesehen", erklärte Zweiter Bürgermeister Hans Josef Stich (CSU), der Bürgermeister Kohmann vertrat, der in einer Besprechung in Nürnberg war.

Stadtbaumeister Andreas Ender zeigte anhand einer Zeichnung, dass die Außenanlage am Haus größer als genehmigt geriet. Die Erdaufschüttung am Hang sei doppelt so voluminös, wie im Bauantrag festgehalten, sagte Ender. Der Plan habe ursprünglich einen Raumkorridor von rund fünf Metern vorgesehen, nun seien Terrasse und Erdaufschüttung rund doppelt so lang.

Terrasse und Aufschüttung sind überdimensioniert

Weil das Baugrundstück direkt angrenzt an ein Landschaftsschutzgebiet, ist ohnehin das Landratsamt Genehmigungsbehörde, betonte Stich. Der Bauausschuss tat per einstimmigem Beschluss dem Landratsamt seine ablehnende Sichtweise kund, wonach es hinsichtlich des Gebäudes selbst nichts zu beanstanden gibt, doch müsse sich der Hauseigentümer betreffend der Dimension der Terrasse und der Aufschüttung an die ursprüngliche Planung halten und nachträgliche Änderungen vornehmen.

In einem weiteren Fall spielte wohl der Zufall mit. Sechs Jahre nach dem Ende seines Bauprojektes muss nun ein Autohaus in der Lichtenfelser Straße in Bad Staffelstein neu planen. Im Zuge der Diskussionen um die Werbetafel des direkt nebenan errichteten Norma-Einkaufsmarktes entdeckte man, so Stich, dass sich die Stellplätze des Autohauses teilweise auf einer Anbauverbotszone befinden. Das Staatliche Bauamt habe bereits in einem Schreiben mitgeteilt, dass die auf der Anbauverbotszone befindlichen Stellplätze aus Gründen der Verkehrssicherheit herausgenommen werden müssen, erklärte Stich.

"Sechs Jahre steht das Anwesen jetzt, und jetzt kam es halt durch Zufall ans Licht. Das ändert aber natürlich nichts an der Sachlage. Einen Teil der Stellplätze kann das Unternehmen aber nicht mehr generieren", meinte Stich ernst. Betriebsgebäude und die SB-Waschhalle des Unternehmens dürfen stehenbleiben.

Es war kein Vorwurf

Dem Autohaus machte in der Sitzung übrigens niemand einen Vorwurf. "Heute finden die Prüfungen zur Abnahme eben nur noch sporadisch statt", nannte Bauamtsleiter Michael Hess als Grund, warum das Ganze nicht gleich damals vor sechs Jahren entdeckt wurde. Im Beschluss schloss sich das Gremium der Meinung des Staatlichen Bauamtes an, was auch eine weitere notwendige Änderung beinhaltet: Das Werbeschild des Autohauses ist in Richtung Grundstück zurückzuversetzen, die Entfernung des Schildes zur vorbeiführenden Staatsstraße muss mindestens genauso viel betragen wie im Falle des Schildes des Norma-Einkaufsmarktes. Hinsichtlich der Bauvoranfrage eines Ehepaares, das in Uetzing eine Halle zur Unterbringung von Fahrzeugen bauen wollte, sah sich der Bauausschuss veranlasst, das gemeindliche Einvernehmen zu verweigern, weil dieser Tatbestand die für eine Realisierung notwendige Privilegierung nicht erlaubt.

Es wurden auch einige Bauvorhaben auf den Weg gebracht. So bewilligte das Gremium Bauanträge zu Einfamilienhäusern in der Pater-Valentin-Rathgeber-Straße in Unnersdorf sowie im Neubaugebiet "Kommbühl" in Bad Staffelstein. Ferner gab es grünes Licht zu einem Erstaufforstungsvorhaben einer Antragstellerin in Stublang. Im Zuge des zweiten Abschnitts des neuen Bebauungsgebietes "Kommbühl" wird durch den einstimmig ergangenen Beschluss die dazugehörige Straße "Am Kommbühl" quasi offiziell verlängert. Außerdem betrafen Umwidmungen zu öffentlichen Wegen Feldwege bei Schwabthal und Unnersdorf.