Selbst Moden und Trends mit gesellschaftlicher Beredsamkeit begegnete man am Wochenende in der Stadthalle. Eindrücke und Fakten von einem Ort mit Messe-Tradition. Mathias Thomaschek lächelt durchaus, wenn er auf die Stadthalle angesprochen wird. Aber er kann auch abfedern und sagen, dass sie nun mal die einzige Halle dieses Ausmaßes sei und sich eben dadurch als Messe-Standort anbietet. Doch gleich darauf denkt der Initiator, Organisator und Herausgeber eines Fachmagazins nach und verweist auf weitere Vorzüge. Im Vergleich zum Vorjahr habe er ausstellungswillige Bewerber für Stände "schon wegschicken müssen", weil der Platz belegt war. Die 38 Bewerber, die es jetzt zu einem Ausstellungsstand gebracht haben, kämen laut statistischer Erhebung aus nahezu Gesamtoberfranken und Thüringen. Und einer sogar vom Niederrhein. Mit Ausnahme vom Niederrhein gelte das auch für die Besucher, wobei es welche sogar aus Mittelfranken hierher verschlagen hätte.
Thomaschek lächelt auch darum, weil am Samstag schon abzusehen gewesen sei, dass auch 2018 die Marke von 3500 Besuchern erreicht würde. Doch was zieht die Leute an bzw. erwartet sie? Da wäre beispielsweise einer wie Rico Schaarschmidt. Ein Zapfendorfer, ein Schrauber und Tüftler. Auf jeden Fall einer, der es mit dem Individualismus auf die Spitze treibt, denn was er an Maschinen hier stehen hat und verkaufen möchte, wurde nie jemals von jemandem bestellt. Der Mann baut Unikatmotorräder nach seinem Geschmack und guckt dann, ob den jemand teilt. Er findet sich in einer Art Tätowier-Rockabilly-Individualisten-Ecke im südlichen Bereich der Stadthalle. Dort, wo Country Earl zu Schauzwecken eine Gitarre bemalt bzw. liniert. Country Earl heißt übersetzt Landgraf und mit Vornamen Kay. Während sich eine Rockabilly-Combo im Hintergrund aus dem Lautsprecher ernsthaft an "Sympathy for the devil" von den Rolling Stones vergreift, zieht er mit einem Pinsel orangefarbene Linien, und keine Software könnte das genauer als er.
"Wenn ich alt bin, kann ich Gewitter malen", witzelt er. Glaubt man ihm, dann steht er damit für einen Trend: "Weg vom Airbrush - hin zum Linieren." Tatsächlich, das ist auffällig und wurde auch schon von Mathias Thomaschek lächelnd bemerkt, findet sich 2018 kaum ein Motorrad mit Airbrush-Optik in der Halle. "Der Trend geht zum Schlichten", weiß Landgraf und noch viel mehr.
BMW habe von allen Motorradherstellern am längsten am Linieren seiner Krads festgehalten. Es wird individueller und was Leute wie Schaarschmidt oder der Sonneberger Landgraf propagieren, würde nun auch von großen Motorradherstellern aufgegriffen. Ab Händler könne man sich sein Krad individuell zusammenstellen lassen. Individualität aber kostet Geld und auch hier läge derzeit der Hase im Pfeffer: Motorradfahren wurde etwas für die Generation 40 Plus, für die, die noch etwas erleben wollen und die ihre Tücher im Trockenen haben. So zumindest eine häufig gehörte Ansicht auf der Messe.
Glaubt man Thomaschek, sei auch dieser Trend dabei, sich abzuschwächen. "Vor fünf Jahren gab es, übertrieben gesagt, keine Besucher unter 45 - nur Alte. Jetzt kommen die 16-Jährigen, 17-Jährigen, jeder haut seinen Fünfer (Eintrittspreis) auf den Tisch." Zudem macht Thomaschek noch etwas aus. Der Blick sei stärker auf Sicherheit gerichtet als vorher. "Die 125er-Fahrer sind alle anständig angezogen, da sieht man keinen mehr ohne Schutzkleidung." Was er sagt, scheint in der Halle Bestätigung zu finden, denn Fahrschulen werben verstärkt mit Sicherheitstraining, der ADAC hat dazu gar etwas aufgebaut. Ein weiterer sichtbarer Trend ist der, dass an Ständen verstärkt mit Film- und Videoproduktionen die Aufmerksamkeit der Besucher eingefangen wird. Eingefangen wird auch die Motorradfahrerin bzw. Sozia. Mode und Accessoires für Frauen im Dunstkreis des Motorrads gab es auch verstärkt.