Die graue und die grüne Mülltonne gibt es bereits im Landkreis Lichtenfels. Hinzu kommt noch der gelbe Sack. In Zukunft könnte vielleicht eine vierte gesonderte Sammlung auf die Bürger zukommen. Denn seit dem 1. Januar gilt eine bundesweite Pflicht zum getrennten Sammeln von Bioabfällen. Die Vorschrift basiert auf dem im Jahr 2012 in Kraft getretenen Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Im Kreis Lichtenfels findet im neuen Jahr bisher keine getrennte Sammlung statt. Und in den nächsten Monaten wird sich daran auch nichts ändern. Damit ist der Landkreis nicht ganz alleine: Mit den Kreisen Kronach, Coburg und Lichtenfels sowie mit der Stadt Coburg bildet der Landkreis Lichtenfels einen Zweckverband (Zaw: Zweckverband für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken).

"Der Zaw ist der einzige Zweckverband in Oberfranken, der noch keine getrennte Sammlung hat", sagt Oliver Hempfling, Sprecher der Regierung von Oberfranken und fügt an: In Kulmbach gebe es für Bioabfälle zum Beispiel eine braune Tonne. Auch im übrigen Bayern ist, laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die Versorgung mit Biotonnen relativ hoch. Vor allem in den Städten ist sie weit verbreitet. So liege der Anschlussgrad in Nürnberg bei rund 80, in Würzburg bei mehr als 95 Prozent aller Haushalte. In ganz Bayern stehe bereits 78 Prozent der Bevölkerung eine Biotonne zur Verfügung.

Gutachten in Auftrag gegeben
Beim Zaw, mit Sitz in Dörfles-Esbach, sieht man trotz der fehlenden Umsetzung keinen Grund zur Besorgnis. "Wir machen schon sehr viel. Vor allem bei der Erfassung von Grüngut abfällen sind wir bayernweit Spitzenreiter", sagt Robert Müller, Mitarbeiter beim Zaw. Zudem lande sehr wenig Bioabfall in der Restmülltonne, deshalb sei es fraglich, ob es sich aus ökonomischen und ökologischen Gründen lohne, eine gesonderte Sammlung in einer Tonne durchzuführen.

Um den Mitgliedern des Zaw, den drei Landkreisen und der Stadt Coburg, eine Entscheidungsgrundlage zu geben, hat der Zweckverband ein Gutachten in Auftrag gegeben. "Dort soll für jedes Mitglied eine Aussage getroffen werden. Im März wird das Gutachten fertig sein, dann muss jedes Mitglied entscheiden", sagt Müller.
Andreas Grosch, Pressesprecher des Landratsamt Lichtenfels, bestätigt: "Das Gutachten soll bis zum Frühjahr vorliegen und den zuständigen Gremien als Grundlage für ihre weiteren Entscheidungen über die getrennte Sammlung von Bioabfällen dienen."

Tonne oder Sammelstelle
Für eine gesonderte Entsorgung von Bioabfällen gibt es mehrere Szenarien. "Eine neue Tonne ist keine Pflicht. Auch ein Bringsystem wie beim Glas ist denkbar", sagt Müller. In einem verdichteten Raum wie Coburg mache eine gesonderte Abfuhr mit Tonne noch Sinn, in ländlichen Regionen eher weniger.

Nutzung in Biogasanlagen
Aber warum sollen Bioabfälle überhaupt gesondert gesammelt werden? Unter anderem lässt sich Biomüll zur Energieerzeugung in Biogasanlagen verwenden. Doch wie realistisch ist diese Möglichkeit für den Kreis Lichtenfels? Hier gebe es zehn Biogasanlagen, die aber privaten Betreibern, zu meist Landwirten, gehören. Aber dort den gesondert gesammelten Bioabfall in Wärme und Strom umwandeln gehe nicht so einfach, sagt Landtechnikberater Rainer Schubert vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF).

"Bioabfälle aus dem Haushalt sind für die meisten Biogasanlagen nur selten geeignet. Nicht jede Anlage kann die darin enthaltenen Stoffe verarbeiten." Neben den technischen Problemen sei die rechtliche Lage ebenfalls kompliziert. Spezielle Anlagen gebe es bei Hof, Wunsiedel, Rehau oder Strullendorf, ergänzt der Experte für Biogasanlagen. Ob es ökonomisch und ökologisch sinnvoll sei, Bioabfälle aus dem Kreis Lichtenfels in eine dieser Anlagen zu fahren, sei fraglich.

Vor Sanktionen der Aufsichtsbehörde, weil das Gesetz noch nicht umgesetzt ist, fürchtet sich Zaw-Mitarbeiter Robert Müller nicht. Diese Einschätzung bestätigt auch Regierungssprecher Oliver Hempfling: "Die Regierung von Oberfranken begleitet als Aufsichtsbehörde den Prozess. Wir sind nicht angehalten mit der Keule drauf zu schlagen und gehen von einer Umsetzung aus." Eine Frist, bis wann die getrennte Sammlung umgesetzt werden muss, gebe es nicht. Ob es bei einer getrennten Sammlung zu zusätzlichen Kosten für die Bürger kommt, darauf wollte sich keine der beteiligten Parteien festlegen.



Zahlen rund um den Biomüll in Bayern


Begriff Im Sprachgebrauch der kommunalen Abfallwirtschaft unterscheidet man zwischen "Grüngut"
(Pflanzenabfälle aus Gärten und der Landschaftspflege) und "Bioabfällen" (organischer Hausmüll), die zumeist in Bio tonnen gesammelt werden.

Verwertung Der überwiegende Teil (73 Prozent) der Bioabfälle und des Grünguts in Bayern werden kompostiert. Vom getrennt gesammelten Bioabfall wandern fast 46 Prozent in Vergärungsanlagen. Für die Verarbeitung von Bioabfällen und Grüngut stehen in Bayern 319 Anlagen zur Verfügung.

Mengen Aus Haushalten und Gewerbebetrieben in Bayern fielen 2011 rund 1,1 Millionen Tonnen Grüngut und 0,6 Millionen Tonnen Bioabfall an. Bei insgesamt zirka 6,5 Millionen Tonnen Abfällen pro Jahr entspricht das fast einem Drittel an der Gesamtmenge. Ohne den Anteil an Gewerbeabfällen fielen somit 2011 pro Kopf 51,4 Kilogramm Bioabfälle und 90,4 Kilogramm Grüngut an.

Deutschland Laut Bundesumweltministerium haben 340 der etwa 400 Stadt- und Landkreise schon eine Biotonne eingeführt.
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt